Über Jahre vernachlässigt

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Der landgräfliche Schlosspark in Rumpenheim bleibt Politikum.

Rumpenheim ‐ Der landgräfliche Schlosspark, beziehungsweise das, was von ihm übrig ist, bleibt Politikum. Das bestätigt sich wieder einmal in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten. Von Martin Kuhn

Die Koalition lehnt - wie nicht anders zu erwarten - den CDU-Antrag ab, 50.000 Euro für die Wiederherstellung der Platanenallee im Schlosspark auszugeben. Unions-Mann Tobias Männche zeigt sich nach der Sitzung enttäuscht. Deutlicher sagt es Heinz Meier-Ebert, Vorsitzender der Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR): „Wir sind stinksauer.“ Stephan Färber, Fraktionschef der SPD, kann das nicht nachvollziehen: „Bislang steht noch das artenschutzrechtliche Bestandsgutachten aus. Erst wenn wir da gesicherte Erkenntnisse haben, geht es weiter. Der CDU-Antrag hätte dem Gutachten vorgegriffen.“

Artenschutzrechtliches Bestandsgutachten? Da bringt Färber einen für die Laien neuen Begriff in die Debatte ein, verrät aber nicht, ob das auf die Flora oder die Fauna des Parks abzielt.

Mittel für beschlossenen „Masterplan Schlosspark“ fehlen im Haushalt

Männche sagt, er vermisse im städtischen Haushalt Mittel für den im letzten Sommer beschlossenen „Masterplan Schlosspark“. Noch ein neuer Begriff, die bisherige Reihe dessen bereichernd, was bislang schon für die Anlage in Rumpenheim skizziert, festgehalten und geplant wurde. Belegt sind Francke-Plan, Eberth-Plan, Heinrich-Francke-Plan, Jordan-Plan und das Parkpflegewerk.

Aber woran orientiert sich die Mehrheit im Stadtparlament beziehungsweise der Magistrat momentan? Eine klare Antwort gibt’s nicht. Peter Janat, Vize- Fraktionschef der SPD, sagt: „In der Koalition haben wir einen kleinen Arbeitskreis gebildet, der sich um den Schlosspark kümmert.“ Neben dem Waldhofer Janat gehören diesem die Rumpenheimer Peter Schneider (Grüne) und Dominik Schwagereit (FDP) an als Garanten, dass Stadtteil- Interessen gewahrt bleiben. Im Koalitionsvertrag des Bündnisses heißt es wenig konkret: „Der Schlosspark Rumpenheim wird in enger Abstimmung mit den Rumpenheimer Bürgerinnen und Bürgern weiter gestaltet.“

Vierseitiger Standpunkt der Bürgerinitiative als Orientierungshilfe

Janat stellen sich zwei Fragen: Was hat denn die Verwaltung in der Schublade, was ist politisch um- und durchzusetzen? Er macht deutlich: „Veränderungen gibt es nur unter Berücksichtigung des künftigen Gutachtens.“

Eine Orientierungshilfe für die Politik könnte ein vierseitiger Standpunkt der Bürgerinitiative sein, der ein langfristiges Parkpflegewerk und das Geld dafür verlangt - mehr als die derzeit pro Jahr vorhandenen 20.000 Euro für die Parkpflege.

Weitreichendes steht im Kommunalwahlprogramm der FDP: „Wir sprechen uns für den sogenannten Jordan-Plan aus, wonach der Park wieder rückgeführt werden soll zu einem historisch angemessenen englischen Landschaftsgarten. Die FDP fordert (…) eine deutliche Aufstockung der eingestellten jährlichen Finanzmittel zur Parkpflege in Rumpenheim.“

BIR plädiert dafür, einige Wege aus dem historischen Netz neu anzulegen

Heinz Meier-Ebert und seine Bürgerinitiative erinnern daran, dass sich die Stadt nach einem Stadtverordnetenbeschluss und der Erstellung eines Parkpflegewerks 13 Jahre Zeit ließ, bevor sie 2002 auf Druck der BIR Anstrengungen unternahm, die Umgebung des Schlosses zu restaurieren. Seitdem wurde der Türkische Pavillon praktisch neu errichtet, die Platanenallee frei geschnitten, der „Baumsaal“ geschaffen.

Das findet die Anerkennung der BIR, kann aber laut Müller-Ebert „nicht darüber hinweg täuschen, dass jahrzehntelang seit dem Erwerb des gesamten Areals nur wenig für die Pflege und Erhaltung des Ensembles getan wurde. Das sieht man am Zustand des Schlossparks“.

Der Bürgerinitiative ist klar, dass eine vollständige Umsetzung des Parkpflegewerks von 1989 aus Kostengründen, aber auch wegen seitdem veränderter Nutzungsgewohnheiten nicht möglich sein wird. Meier-Ebert: „Offensichtlich besteht jedoch in einigen politischen Kreisen immer noch der Eindruck, wir forderten die vollständige Wiederherstellung des historischen Landschaftsgartens. Die würde doch der Anstrengung mehrerer Generationen bedürfen.“ Und sie ist auch gar nicht mehr gewollt: Eine aus historischen Gründen erforderliche Beseitigung des großen Rundwegs zugunsten des früheren kleinteiligen Wegenetzes verbiete sich aus technischen und finanziellen Gründen: „Das wäre doch Wahnsinn.“

Stattdessen plädiert die BIR dafür, einige Wege aus dem historischen Netz neu anzulegen - dort, wo bisher unerschlossene Parkteile den Besuchern zugänglich oder markante Merkmale des Landschaftsgartens wieder sichtbar gemacht werden sollen.

Die BIR schlägt unter anderem folgende Projekte vor:

  • eine Fußwegverbindung vom Hauptweg östlich des Monopteros zur Zarenlinde mit Wiederanbindung an den Hauptweg.
  • Fortführung des an der landgräflichen Grablege vorbeiführenden Wegs hinter der Kirche bis zur Einmündung in den Hauptweg.
  • Wiederherstellung des Aussichtshügels und mindestens ein auf diesen führender Weg.

Sogar einen Finanzierungsvorschlag unterbreitet die Initiative: Eine schnellere Umsetzung sei möglich, wenn etwa ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Gebäudes Breite Straße 2 („gelbes Haus“) als Investition in den Park genutzt würde. Meier-Ebert sagt: „Es müsste trotz der zweifellos bestehenden Finanznot eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, bei einem Verkauf einzelner Teile des Rumpenheimer Ensembles die Einnahmen wenigstens teilweise für die Restaurierung des Parks und seiner Staffagebauten zu verwenden.“ Das dürfte allerdings eine weitere unerfüllte Hoffnung sein.

Ein Kleinod? Ja. Residenzgarten? Nein. Grünanlage? Auch. Seit 1965, als die Stadt Schloss und Park erwarb, gibt es in Rumpenheim abseits aller Geschmäcker vor allem eins: unerfüllte Hoffnungen.

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