Klinikum-Neubau: Persönlichkeiten im Special-Heft

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Auf dem Titel des respekt OF Special: Links Architektin Petra Wörner, rechts Klinikum-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt.

Wie eine Burg hob sich der Klotz des 1974 eingeweihten Klinik-Zentralbaus über die südlichen Stadtteile. Gewiss nicht protzig geschmückt, wohl aber beherrschend. Wer ihn betreten wollte, musste einen Hügel ersteigen. Der Klotz drückte ein Selbstbewusstsein aus, dessen Offenbach sich hatte vergewissern müssen. Von Lothar R. Braun

Denn so wie er dastand, war er das Produkt eines langen und ernsthaften Ringens, in dem Bedenken gegen Zuversicht, Unsicherheit gegen Entschlossenheit standen und Verantwortungsgefühl gegen Verantwortungsgefühl.

Lange schwankten die politischen Kräfte der Stadt zwischen der Entscheidung für den Bau eines Rathauses und den Neubau des damaligen Stadtkrankenhauses. Beide galten als dringend geboten. Doch angesichts der begrenzten finanziellen Möglichkeiten erschien lediglich eines der beiden Vorhaben realisierbar. Eines von beiden schien zurücktreten zu müssen. Die schließlich getroffene Entscheidung, beide Projekte gleichzeitig in Angriff zu nehmen, hatte etwas von waghalsiger Kühnheit an sich. Und die stellte sich dann dar in dem zwar schmucklosen, gleichwohl aber triumphierend auftretenden Klinik-Neubau.

Wer das weiß, wird den Klinik-Neubau von 2009 als Äußerung einer anderen Zeit mit anderen Verhältnissen erkennen. Das neue Haus dominiert nicht, es gliedert sich ein. Es beschreibt auch eine gewandelte Krankenhaus-Kultur. Zwischen Starkenburgring und Sprendlinger Landstraße ist ein neues Kapitel in einer langen Geschichte aufgeschlagen worden.

Das hat Gewicht. Es betrifft jeden, der hier lebt. Darüber muss man reden. Und dieses Heft versucht es. Es betrachtet den Weg vom Einst zum Jetzt. Erzählt wird von Erfolgen und Rückschlägen ebenso wie von den Menschen, deren Namen sich damit verbunden haben. Die Feder führt dabei der Respekt, der zur Gründung dieses Magazins den Anstoß gab und den sein Titel anzeigen will. Der Respekt gilt den Leistungen, die Einzelne zum Nutzen der Allgemeinheit erbringen. Am großen wie am kleinen Beispiel will jede Ausgabe von „respekt“ aufzeigen, welche Kräfte in dieser Stadt wirksam sind. Für die Stadt und über sie hinaus.

Hier nun werden Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart des Krankenhauses betrachtet. Erwähnung verdienen indes auch Ungenannte. Im Rahmen eines Sondertarifvertrages trägt die Gesamtheit der Klinikum-Mitarbeiter seit geraumer Zeit zur finanziellen Sanierung des Unternehmens bei. Allein durch Gehaltsverzicht haben die Mitarbeiter zwischen 2004 und 2010 die Einsparung von 24 Millionen Euro ermöglicht. Man kann es eine Respekt heischende Leistung nennen, erbracht von rund 2.400 Mitarbeitern.

Eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen nennt Uwe K. Preusker in seinem grundlegenden Beitrag zu diesem Heft die in der Medizin erreichten Höchstleistungen. Aber er beleuchtet auch den anhaltenden Zwang zu Anpassungen und Veränderungen, die erforderlich sind, wenn ein modernes Krankenhaus auch morgen noch modern sein soll.

Wie der Autor die Zukunft sieht, ist Diskussionsstoff nicht allein für die Fachleute aus Medizin und Politik. Denn vornehmlich betroffen sind die Patienten und alle Laien, die damit rechnen müssen, irgendwann Patienten zu werden. Das Krankenhaus gehört zu jedermanns Lebenserfahrungen.

Wie eng die Stadt und das Klinikum miteinander verzahnt sind, lässt sich an einem eingängigen Beispiel aufzeigen. Mit dem Neubau ist auf dem Klinikareal auch eine neue Kindertagesstätte entstanden. 150 Plätze im Kindergarten, 39 in der Krabbelstube und 50 im Hort machen sie zur größten Einrichtung dieser Art in Offenbach. 100 dieser Plätze sind Kindern von Klinik-Mitarbeitern vorbehalten. Die übrigen 139 Plätze stehen der Allgemeinheit zur Verfügung, unter anderem auch Mitarbeitern von Offenbacher Betrieben. Dabei tritt die Klinikum GmbH als Vermieter auf und ein Eigenbetrieb der Stadt als Betreiber.

Dieses Hand-in-Hand-Verhältnis macht die Position anschaulich, die das Klinikum im Gefüge der Stadt einnimmt. Es steht in einer Entwicklung, die einst begann mit Bürgersinn. Auch davon wird in diesem Heft erzählt.

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