Überbrückender Lärmprotest

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Über dem Verkehrslärm der Berliner Straße entfaltet sich auf Bannern der Protest gegen den Fluglärm.

Offenbach - Eine Menschentraube hat sich an diesem frühen Nachmittag auf der über die Berliner Straße führende Fußgängerbrücke beim Stadthaus gebildet. Sie formuliert ihren Widerstand gegen die Ausweitung des Luftverkehrs. Von Harald H. Richter

Das artikuliert sich lautstark und optisch sichtbar durch auffällige Spruchbänder sowie einige kleinere Transparente und Plakate.

Darauf ist die Feststellung „Es ist zu laut“ ebenso zu lesen wie die hartnäckige Forderung nach einem Nachtflugverbot an allen deutschen Flughäfen in der Zeit von 22 Uhr am Abend bis sechs Uhr in der Frühe.

Mittendrin im Gewühl Ingrid Wagner, Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL). Gerade hat sie mit ihren Mitstreitern nicht nur die Fußgängerbrücke über die Berliner Straße, sondern auch die Brüstung der zweiten Ebene am Marktplatz sowie das Geländer des Maindamms am Ende der Schlossstraße mit meterlangen gelben und ein paar kleineren Protestbannern geschmückt.

Luftballons werden aufgeblasen, bedruckte Stoffbeutel verteilt, die mit der Forderung versehen sind, keine Flughafenerweiterung zuzulassen und dem Lärmschutz wirksamer Geltung zu verschaffen. Wagner ist zufrieden, dass sich mehr als 100 Protestierende eingefunden haben. „Wir haben ja nicht zu einer zentralen Kundgebung aufgerufen, sondern zu einem begleitenden Protest“, sagt die Frau der Tat.

Sie weist darauf hin, dass zur gleichen Zeit in Berlin ein Demonstrationszug unterwegs ist, der die Kritik an der Fehlplanung des Hauptstadtflughafens in den Fokus nimmt. In München ziehen Menschen durch die Innenstadt und fordern die Respektierung des Bürgerentscheides gegen eine dritte Startbahn. Mit bunten Protestbannern werden zur gleichen Stunde Brücken unter anderem in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und im Vordertaunus geschmückt. „Auch wir in Offenbach wollen zeigen, dass der regionale Protest überall im Rhein-Main-Gebiet ungebrochen ist“, sagt Wagner. Sie freut sich über die Anwesenheit von Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider und der evangelischen Dekanin Eva Reiß.

Die Unterstützung solcher Aktionen durch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ist Motivation, den Widerstand gegen die neu erbaute vierte Bahn des Rhein-Main-Flughafens und für eine Ausweitung des Nachtflugverbots zum Schutz der Wohnbevölkerung nicht aufzugeben. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Ruhe klaut“, skandieren die Aktivisten demzufolge und verlangen: „Deckel zu, dann ist Ruh‘.“

Die Banner werden einige Zeit hängen bleiben, die Stadt hat’s bis 17. Dezember genehmigt. „Danach werden wir uns eine andere Verwendung für sie einfallen lassen“, gibt sich Wagner kämpferisch und erntet Zustimmung bei ihren Mitstreitern.

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