Überfall auf Supermarkt: „Es ging alles so schnell“

Offenbach - Es ist Dienstagabend kurz vor Ladenschluss im Rewe an der Von-Brentano-Straße in Bieber. Die Angestellten sehen dem Ende eines ganz normalen Arbeitstags entgegen, als alles aus den Fugen gerät. Von Veronika Szeherova

Plötzlich steht ein mit Sturmhaube maskierter Mann vor ihnen, bedroht sie mit einer schwarzen Schusswaffe und fordert Geld aus der Kasse. Er sprüht mit Reizgas um sich. Mit seiner Beute macht er sich zu Fuß in Richtung Erich-Ollenhauer-Straße davon.

Die drei Angestellten und ein Wachmann bleiben zurück mit großem Schrecken und leichten Reizungen durch das Gas. Sie werden an Ort und Stelle von Sanitätern versorgt. „Gott sei Dank ist nichts weiter passiert“, zeigt sich Marktleiter Francesco Vedda am nächsten Tag erleichtert. Seiner Assistentin, die an dem Abend Dienst hatte, hat er frei gegeben. Der 22-jährige Kollege, der an der Kasse saß, bringt gestern eine Krankmeldung. Der Schock sitzt ihm tief in den Knochen. „Ich kann gar nicht mehr sagen, wie es passiert ist. Es ist alles so schnell gegangen.“ Nachdem ihm der Täter Reizgas ins Gesicht gesprüht hatte, habe er eine zeitlang nicht sehen können.

Eine Mitarbeiterin erzählt von einem Gespräch mit der Assistentin: „Sie konnte kaum schlafen, weil sie ständig die Bilder im Kopf hatte. Der Mann soll sehr aggressiv gewesen sein.“

Über die Summe, die der Täter mitgenommen hat, möchte der Marktleiter keine Auskunft geben. Seit vier Jahren arbeitet er in Bieber, einen Überfall hat er noch nicht erlebt. Zur Abschreckung sind Kameras installiert, abends gibt es Wachpersonal. Beide Maßnahmen haben in diesem Fall nicht gegriffen. „Wenn der Täter bewaffnet ist, kann auch der Wachmann nichts machen“, so Vedda. Es gebe Gespräche, ob künftig mehr Sicherheitsvorkehrungen ergriffen werden. „Aber ich glaube nicht, dass sich was ändert.“

Zahl der Raubüberfälle auf Supermärkte steigt

Das sieht Polizeisprecher Henry Faltin ähnlich. „Als kundenorientiertes Unternehmen ist es schwer, sich zu schützen. Es wäre weltfremd, am Eingang jeden zu filzen.“ Er berichtet, dass die Zahl der Raubüberfälle auf Supermärkte steige. „Meist bleibt es nicht bei einem, sie weiten sich gern zur Serie aus. In kurzer Zeit gelangen die Täter an Geld, haben ein Erfolgserlebnis, das sie wiederholen wollen.“ Das sei das Muster bei „einfach strukturierten Taten – jeder kann einen Raub begehen“. Erst vor wenigen Wochen konnte die Polizei eine Bande überführen, die Supermärkte in Offenbach und Umgebung ausgeraubt hatte.

In diesem Fall handelt es sich um einen Einzeltäter. Er wird als 1,65 bis 1,75 Meter groß, schlank und 25 bis 30 Jahre alt beschrieben. Er trug eine blaue Trainingsjacke mit weißen Streifen auf den Ärmeln, eine schwarze Sporthose und schwarze Schuhe. Die Sturmhaube hatte eine weiße Aufschrift. Hinweise nimmt die Kripo Offenbach unter der Nummer 069/8098-1234 entgegen.

Rubriklistenbild: © dpa

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