Übernachtungsverbot für Verkaufswagen

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Weil die Wagen der Marktbeschicker den freien Blick stören und Parkplätze blockieren, sollen sie von Freitag auf Samstag weg.

Offenbach ‐ „Wem fällt so ein Unsinn nur ein?“. Ralf Kaiser ist verärgert. Der Mühlheimer Metzger ist einer von rund einem Dutzend Beschickern des Offenbacher Wochenmarkts, denen vom nächsten Freitag an - je nach Sichtweise - ein Privileg oder eine Notwendigkeit genommen werden soll: Von Matthias Dahmer

Die Möglichkeit, ihre Wagen von Freitag auf Samstag auf dem Wilhelmsplatz stehen zu lassen. Das ist seit Jahrzehnten geübte Praxis, die vor allem von Beschickern genutzt wird, die ihre Ware kühlen müssen und deren Stand nicht mobil ist. Eine vergleichbare Regelung sucht man in der Region vergebens; nirgends ist an zwei aufeinander folgenden Tagen Markt.

Gleichzeitig soll es aber noch ein vom Oberbürgermeister moderiertes Gespräch zwischen den Beschickern und den Politikern geben, die im Ausschuss den Beschluss gefasst haben. Ein ungewöhnliches Verfahren, das man im Rathaus als weiteren Akt der Bürgerbeteiligung verkauft, welches aber auch die Vermutung nährt, dass Horst Schneider hier nicht alleine den Kopf für eine Entscheidung hinhalten will, die ihm ohnehin nicht passen dürfte.

Für Metzger Ralf Kaiser jedenfalls bedeutet die angepeilte Neuregelung jede Menge Mehrarbeit. „Ich habe doppelte Fahrtkosten und weil ich samstags mit einem zweiten Stand auf einem weiteren Markt vertreten bin, muss ich viel früher anfahren“, sagt Kaiser, der seit mehr als 30 Jahren auf dem Wochenmarkt verkauft. Auch für Bäckermeister Günter Hoffmann, der seit fünf Jahren dabei ist, ist die geplante Regelung „richtig schlecht“. Sie erfordere einen unheimlichen personellen und zeitlichen Aufwand für die Familienbetriebe, unterm Strich seien die Wagen zwischen Freitagnachmittag und Samstagfrüh gerade mal zwölf Stunden weg vom Wilhelmsplatz, so der Mühlheimer Bäcker.

Auch wenn’s mehr Umstände macht - sowohl Kaiser als auch Hoffmann wollen deswegen dem Wochenmarkt nicht den Rücken kehren. Offenbach, sagt Ralf Kaiser, sei für ihn nach wie vor der größte Umsatzbringer. Noch mehr Musik für die Ohren im Rathaus dürfte sein, was Günter Hoffmann konstatiert: Dass das Geschäft nach dem Umbau des Platzes angezogen hat.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in unserem Stadtgespräch.

„Samstags wird es happig“, ist Hans Willi Weber überzeugt. Schon dessen Großvater kam mit dem Pferdefuhrwerk aus dem mittelhessischen Hüttenberg nach Offenbach, um dort Handkäs zu verkaufen. Weber steht mit seinem Stand auf jenem Teil des Platzes, der auch als Parkfläche dient. Und er ist überzeugt: „Wenn dort von Freitag auf Samstag keine Verkaufsstände mehr stehen, muss das Ordnungsamt jeden Samstagmorgen noch mehr Autos abschleppen.“ Für Weber hat der Wochenmarkt wegen der sich ausbreitenden Gastronomie ohnehin keine langfristige Perspektive mehr.

Holger Wotke ist - was die gegenwärtigen Probleme angeht - optimistischer: Das Gespräch zwischen den Beschickern und der Politik werde zu einem Kompromiss führen, sagt der Sprecher des Vereins der Offenbacher Marktbeschicker. „Ich bin guter Dinge.“

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