Übers Eigeninteresse hinaus

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1959 begann die „Charterfeier“ des Lions-Clubs.

Offenbach - Sie dienen seit 50 Jahren und belohnen sich für diesen langen freiwilligen Dienst am Nächsten mit Festgottesdienst in der Marienkirche, Feierstunde im Mariensaal und Gala-Diner im Kempinski: „We serve“ ist das Motto der internationalen Lions-Bewegung, deren ältester Offenbacher Club am kommenden Wochenende auf ein halbes Jahrhundert zurückblickt. Von Thomas Kirstein

Der Lions Club Offenbach, 1959 als „Patenkind“ des Clubs von Brescia in Italien gegründet, gehört auch zu den frühesten Vereinigungen in Deutschland. In Offenbach gibt es mittlerweile deren drei - die Lions Clubs Lederstadt und Rhein-Main sind aber mitnichten Konkurrenz, sondern sozusagen Ergebnis gewollter Zellteilung.

Präsident Stefan Bonifer blickt mit seinen Lions-Freunden auf die 50-jährige Clubgeschichte zurück, die 1959 mit der „Charterfeier“ begann.

Die Idee unterstützt nicht, dass ein Club zu groß wird“, erläutert Stefan Bonifer, der amtierende Präsident des Jubiläums-Clubs, „bei 40 bis 50 Aktiven sollte Schluss sein.“ Prominente Offenbach-Lions sind etwa IHK-Präsident Alfred Clouth, Sparkassen-Chef Guido Braun, Ex-Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel, Anwaltsvereinsvorsitzender Dr. Thomas Lanio oder der ehemalige Rudolf-Koch-Direktor Karl Keller.
Neue Mitglieder werden von alten vorgeschlagen und schnuppern erst einmal etwa ein halbes Jahr in die Gemeinschaft hinein, bis sie sich mit Billigung des Vorstands als „Freunde“ verpflichten und fortan zu einem engen Netzwerk zählen. Man ist zwar Männer-Club, bindet aber Gattinnen und Nachwuchs ein und versteht sich als große Familie.

Zu der gehört Martin Möller erst seit November 2008, ist aber gleich mit der Öffentlichkeitsarbeit fürs Jubiläum betraut worden: „Vorstandsarbeit ist verpflichtend.“ Mit Ausnahme des Schatzmeisterpostens wird jedes Amt jährlich neu besetzt. Die Idee hinter der 1917 ins Leben gerufenen Lions-Bewegung ist ein Engagement von meist Geschäftsleuten und Freiberuflern, das über die Verfolgung der eigenen Interessen hinausgeht - es geht um die „Verbesserung der Lebensverhältnisse ihrer Heimatregionen, aber auch in der ganzen Welt“.

1959 verpflichtete sich diesem Ziel eine Runde honoriger Offenbacher um Carlo Adams, Kurt Blättermann, Richard Karg und Dr. Eckhart Zabel, der erster Präsident wurde. Es folgten über die Jahrzehnte finanzielle Beiträge für diverse Zwecke, die sich in den Hunderttausenden summieren. Wie der amtierende Schatzmeister Clemens Ott mitteilt, lag das Spendenaufkommen in den letzten Jahren im Schnitt bei je rund 20.000 Euro.

Gefördert wurden unter anderem das Dreieichenhainer Altenheim Dietrichsroth, die Schlaganfallstation am Ketteler-Krankenhaus oder der Förderverein für den Wiederaufbau des Lilitempels. Ein jüngeres Projekt ist die Stiftung für den Förderpreis „Jugend für Offenbach“. Im Jubiläumsjahr unterstützt der Lions Club Offenbach das Theresien-Kinder- und Jugendhilfezentrum und das künftige Fanny-de-la-Roche-Hospiz am Ketteler. Geld kommt zusammen unter anderem durch den Betrieb des Weinstands beim Offenbacher Lichterfest im Büsingpark.

Wir haben ständig Anfragen von Privaten und Institutionen und helfen immer wieder mit Geld“, berichtet Präsident Bonifer. „Wichtig ist, dass die Hilfe direkt ankommt, ohne Verwaltungskosten.“ Da gibt es auch mal Geld für einen armen Studenten; da wird eine Karriere an der Musikhochschule gefördert; wer vorm Lions Club referiert, bekommt nichts, kann aber mit einer Spende für seine Organisation rechnen.

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