Überschwemmungen in Offenbach

Sind die Frankfurter Nachbarn daran Schuld? 

Offenbach (tk) - Geht ein starkes Gewitter über Offenbach nieder, gibt’s nasse Füße. Keller laufen voll, unter Bahnüberführungen bleiben Autos in den Fluten stecken; an der Einmündung der Schlossstraße in die Mainstraße, am tiefsten Punkt der Stadt, käme man zeitweilig mit einem Boot besser voran.

Wie vergangene Woche, als sich am Mittwochnachmittag die himmlischen Schleusen öffneten und der Kanal heillos überfordert war. Offenbacher zweifeln daran, dass die regelmäßigen Überflutungen allein am zwar normgerechten, für zu große Mengen aber nicht ausgelegten Abwassersystem ihrer Stadt liegen könnten: Sind vielleicht die Frankfurter mit daran schuld?

Denn Offenbachs Abwasser fließt – gegen teure Gebühr, wodurch auch für den Regen bezahlt werden muss – zur Frankfurter Kläranlage.

Eine Theorie, die in der Stadt angeblich aufgrund von Informationen aus einem alteingesessenen Installationsbetrieb die Runde macht: Wenn Frankfurt bei starken Regenfällen kein Wasser mehr aufnehmen könne, würden die Schotten dicht gemacht, das Wasser staue sich in Offenbach; da der Übergabepunkt des Offenbacher Abwassers in Oberrad liege, sei als erstes der Stadtteil Kaiserlei betroffen.

Wasser wird teilweise umgeleitet

Wie haben beim Stadtdienstleister ESO, der das städtische Kanalsystem betreut, nachgefragt, was an dieser These dran sein könnte. Sprecher Oliver Gaksch erläutert, es sei zwar richtig, dass ab einer bestimmten Menge das Wasser teilweise über einen Steuerschieber umgeleitet werde und damit nicht mehr nach Frankfurt fließe. Aber: „Zunächst wird das Wasser dann in einigen Auffangbereichen (Rückhaltebecken und Stauraumkanäle) eingestaut. Wenn die Kapazitäten der Stauräume ausgelastet sind, wird das Wasser unter anderem in den Main umgeleitet.“

Es sei also nicht so, dass alle Schotten dicht gemacht würden, betont Gaksch. Teilmengen des Wassers würden lediglich umgeleitet. Die Grundmenge wird weiter nach Frankfurt geleitet.

An den nassen Füßen bei Gewitter sind also nicht die Frankfurter schuld, sondern die aufgrund von „Normregen“ geplanten Kanäle Offenbachs. Schüttet es zu arg, kann es an tiefen Punkten sogar dazu kommen, dass Wasser aus den Kanälen wieder austritt.

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