„Überwiegend unmöglich“

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Ein Beleg für die Reaktionszeit der Bahn: Das Kreishaus befindet sich schon seit dem Jahr 2002 in Dietzenbach, noch immer ziert ein Hinweis auf das Gebäude die S-Bahnstation Marktplatz.

Offenbach ‐ „Das ist aber praktisch“, sagt die Dame im Pelzmantel und betritt den Aufzug. Ihren Koffer auf Rollen stellt sie kurz ab. „Und behindertengerecht!“ ergänzt ihr Begleiter als sie nach oben fahren. Von Georg Buschmann

Die beiden befinden sich an der S-Bahnstation Marktplatz und die Szene hat Seltenheitswert. Denn dort gehen oft weder die Rolltreppe noch der Aufzug, sondern nur die Kunden - und zwar die Treppe rauf und runter.

Es ist ein Ärgernis seit Jahren. Und die Bahn bekommt es offenbar nicht in den Griff. Das musste in den vergangenen Wochen auch Gerhard Münster erfahren. Der Dietzenbacher, der jede Woche den Markt auf dem Wilhelmsplatz besucht, findet es nicht zumutbar, dass er seinen Einkaufsrolli regelmäßig die Treppe heruntertragen muss. „Und für Behinderte und Leute mit Kinderwagen ist der Zugang zur S-Bahn überwiegend unmöglich“, ärgert er sich.

Die Pressestelle der Deutschen Bahn räumt ein, dass es allein seit dem 11. Februar fünf Störfälle gegeben hat. Schuld daran sei aber nicht die Technik. Die Ausfälle hätten andere Ursachen: Mal habe es einen Spannungsabfall gegeben, mal seien Jugendliche auf der Treppe herum gesprungen, sodass diese sich abschaltete. Auch die Notbremse sei schon gezogen worden. Videokameras, um die Vandalen an den Rolltreppen zu erkennen, lehnt das Unternehmen aber ab.

Neuer Fahrstuhl für rund 380.000 Euro

Auch Offenbachs Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) kennt das Problem mit den Rolltreppen. Nachdem sie 2006 für die Weltmeisterschaft generalüberholt wurden, „liefen sie wunderbar“, sagt Weiß. Erst in der jüngeren Vergangenheit seien sie anfällig für Störungen. „Die Probleme werden von der Bahn aber meist schnell behoben“, meint der Ordnungsdezernent.

Wer statt der Rolltreppe den Fahrstuhl nutzen will, werde ebenfalls regelmäßig enttäuscht, weiß Gerhard Münster. „Dass der Aufzug funktioniert, ist eher die Ausnahme“, sagt Münster. Außerdem könne man ihn nur als „versifft“ bezeichnen. Paul-Gerhard Weiß räumt ein, dass speziell der obere der beiden Aufzüge häufig defekt ist.

Immerhin kann er verkünden: „Die Bahn wird noch in dieser Jahreshälfte Abhilfe schaffen.“ Für rund 380 000 Euro soll ein neuer Fahrstuhl eingebaut werden. Und es seien weitere Maßnahmen geplant. Um das bisweilen recht triste Bild des Bahnhofs aufzuhübschen, würden demnächst zerbrochene Glasscheiben durch Metallplatten ersetzt, so Weiß. Außerdem werde das Geländer zwischen Ebene eins und dem Bahnsteig erneuert. Kostenpunkt: rund 30 000 Euro. Mit etwa 10 000 Euro beteilige sich die Stadt daran, erklärt der Stadtrat.

Auf Ebene eins einige Fliesen gebrochen

In Sachen Sauberkeit, betont Weiß, habe sich am Marktplatz bereits einiges getan. „Es sind jetzt mehr Papierkörbe da, die auch häufiger geleert werden.“ Die Bahn versichert zudem, dass sie den Bahnhof jeden Tag reinigt und einmal im Monat mit Wasserstrahlern säubert. Richtig sauber sieht der Bahnhof deswegen zwar nicht aus, Weiß ist mit dem Fortschritt aber zufrieden.

Dafür tut sich ein anderes Problem auf: Auf Ebene eins sind schon seit Dezember einige Fliesen gebrochen. Deswegen ist der Boden dort uneben. Für Paul-Gerhard-Weiß nicht hinnehmbar. „Das sind Stolperfallen“, sagt der FDP-Politiker. Dies sei Angelegenheit der Bahn und müsse sofort repariert werden. S-Bahnfahrer Münster fordert, dass dort wenigstens Hinweisschilder aufgestellt werden. Aus der Pressestelle der Bahn heißt es dazu, dass das Problem bekannt sei und es behoben werde. Wann das geschieht, konnte der Sprecher hingegen nicht sagen.

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