Üblicher Landeanflug statt „Beinahe-Crash“

Offenbach - Seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen ist die lärmgeplagte Region sensibler geworden. Und das betrifft nicht nur den Fluglärm. Von Matthias Dahmer

Zu Recht werden angesichts einer kontinuierlich steigenden Zahl von Flügen auch Fragen nach der Sicherheit am Himmel gestellt.

Wie es dort zugeht, kann mittlerweile nicht mehr nur mit dem Blick aus dem Fenster, sondern - noch viel genauer - online verfolgt werden. Die Webseite zeigt leicht zeitversetzt aktuellen sowie zurückliegenden Flugverkehr über Frankfurt. Für jedes Flugzeug sind Höhe, Geschwindigkeit oder Flugzeugtyp abrufbar.

So kam es, dass ein Leser unserer Zeitung auf eine Situation aufmerksam wurde, die sich am Sonntag, 20. November, um 5.37 Uhr am Flughafen ergab: Eine über Offenbach in westlicher Richtung auf der Südbahn landende Lufthansa-Maschine musste vermutlich wegen zu starkem Rückenwind durchstarten und wurde von der Deutschen Flugsicherung (DFS) in einer Schleife über Mainz und Wiesbaden zum neuen Landeanflug in östlicher Richtung auf die Südbahn gelenkt. Gleichzeitig landeten noch weitere Jets in westlicher Richtung auf der Südbahn, so das diese kurzzeitig von beiden Seiten als Landebahn genutzt wurde. Zwischen dem letzten in westlicher Richtung landenden Flieger und der im zweiten Anflug befindlichen Maschine lagen nur wenige Minuten. Eine gefährliche Situation, gar ein Beinahe-Crash, wie der OP-Leser befürchtet?

Meinungen der befragten Fachleute gehen auseinander

Die Meinungen von dazu befragten Fachleuten gehen auseinander. Für Harm Heldmaier, ehemaliger Lufthansa-Pilot, ist das ein „absolut ungewöhnliches und gefährliches Verfahren“, das vermieden werden sollte. Er habe in seinen 30 Jahren im Cockpit so etwas noch nie erlebt.

Die DFS hat wie erwartet bei dem fraglichen Flugmanöver keine Bedenken. „Ein normaler Vorgang“, teilt Sprecher Axel Raab mit. Zumal die Lufthansa-Maschine noch 16 Kilometer von der Landebahn entfernt gewesen sei und der letzte in westliche Richtung landende Jet nur vier Kilometer. Raab: „Auch an anderen Tagen wird so geflogen.“

Beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, der DFS-Aufsichtbehörde, ist man zunächst zurückhaltend in der Bewertung und erstaunt, dass solche Themen mittlerweile den Bürger bewegen. Am Ende kommt auch von dort Entwarnung: Kein gefährliche Situation, dafür seien die Höhenunterschiede und die Entfernungen zwischen den beiden Flugzeugen zu groß, befindet Behördensprecherin Kerstin Weber.

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Ähnlich sieht das Jörg Handwerg, Pressemann der Vereinigung Cockpit: „Dies ist ein üblicher Vorgang. Auch wenn es zunächst etwas merkwürdig aussehen mag, dass zwei Flugzeuge in Gegenrichtung anfliegen, ist der Abstand zwischen den Maschinen so groß, dass keine Gefährdung gegeben ist.“ Im Falle eines erneuten Durchstartens sei genug Zeit, die Maschine wegzudrehen.

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