Hauptschüler lernen richtiges Bewerben

Übung macht den Azubi

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Beim Beratungstag der Industrie- und Handelskammer lernten Michelle, Christina und Mareike aus der 9bH der Bachschule unter anderem zu kommunizieren. Rüdiger Wagener und Andre Neuhäuser von der Firma Soluvia Billing standen ihnen zur Seite.

Offenbach - Sich beim Einstieg ins Berufsleben richtig zu präsentieren ist gar nicht so einfach. Diese Erfahrung machten die Teilnehmer beim neunten Hauptschultag in der Industrie- und Handelskammer. Von Philipp Bräuner

Ziel der Veranstaltung war allerdings nicht, die Schüler zu verunsichern, sondern sie bei den anstehenden Bewerbungen nach ihrem Hauptschulabschluss zu unterstützen.

So wurde mit jedem der 44 interessierten Teilnehmer ein persönliches Gespräch geführt, um ihre Stärken und Schwächen festzustellen. „Mein Gespräch hat eine ganze Stunde gedauert“, beschreibt Soufia Topsi die Intensität, mit der sich individuell um die Schüler gekümmert wird. „Es hat mir aber sehr geholfen, denn sie haben anfangs gesagt, ich sei zu schüchtern. Das passiert mir bei der echten Bewerbung bestimmt nicht mehr.“

Beim Gespräch saßen ihr nur Profis gegenüber. Tatsächlich brachte der Personalrat der Deutschen Bank zusammengerechnet beachtliche 240 Jahre Berufserfahrung zur Unterstützung der Jugendlichen mit. Abgesehen von der direkten Hilfe bei der persönlichen Bewerbung gab es einen ganzen Tag lang Seminare rund um das Thema – zum Beispiel richtiges Telefonieren oder überzeugendes Auftreten beim Bewerbungsgespräch.

Engagement der Stadt Offenbach

Mit dieser Veranstaltung endet das Engagement der Stadt Offenbach und der ansässigen Wirtschaftsvertreter nicht. Seit ebenfalls neun Jahren organisiert das Jugendamt in Zusammenarbeit mit dem evangelischen Dekanat das Projekt Partnerschaftsmodell Offenbach (PMO). Dieses Projekt unterstützt die Vermittlung von Paten aus der Wirtschaft an Hauptschüler im achten und neunten Schuljahr. Aufgabe dieser Paten ist es, ihre Schützlinge auf dem Weg zur Ausbildung zu unterstützen.

Teilnehmer an diesem Programm sind auch Dalibor Bakal, Hauptschüler im letzten Jahr, und Bernd Anton, Geschäftsführer der Firma Riggs Etcetera. Beide treffen sich alle zwei Wochen für manchmal drei bis vier Stunden und kümmern sich um Bakals Zukunft. „Zunächst mussten wir feststellen, was Dalibor beruflich interessiert. Dazu sind wir zusammen auf Ausbildungsmessen und bei der Agentur für Arbeit gewesen“, schildert Bernd Anton die umfassende Betreuung für sein „Patenkind“. Dieses wiederum hat seinen Berufswunsch gefunden. „Ich möchte bei der Bundespolizei arbeiten“, ist Bakal inzwischen überzeugt.

Gut ein Drittel der Jugendlichen beim Hauptschultag sind in dieses Projekt eingebunden. Damit stehen ihre Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung gut, wie die Zahlen dieses Jahres belegen. Von 22 Teilnehmern in Offenbach haben 15 entweder einen Ausbildungsplatz, einen Arbeitsplatz oder sind auf dem Weg, einen qualifizierten Schulabschluss zu machen.

Um diesen positiven Trend beizubehalten, benötigt das PMO dringend neue, freiwillige Paten. Vor allem Patinnen sind gesucht. Denn die jungen Frauen dürfen in dem Projekt nur die Patenschaft mit weiblichen Personen eingehen, aus Rücksicht auf den größtenteils muslimischen Hintergrund der Teilnehmerinnen. Unternehmer, die eine solche Patenschaft übernehmen wollen, um Hauptschülern bei der beruflichen Orientierung zu helfen, wenden sich an Jörg Meyer vom Jugendamt unter Tel.: 069 8065-3973.

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