Ulkig, urig und respektlos

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Die sieht jalustig aus! Uschi Steinbacher schlüpft in eine neue Rolle: Helene Rump darf auch abseits der karnevalistischen Zeitschienen böse lästern. Premiere ist am 6. November.

Rumpenheim ‐ Crash! Boom! Bang! Die Knallbonbons gibt es nicht mehr. Die Offenbacher Kabarettgruppe hat sich aber keineswegs mit einem großen Knall aufgelöst. Von Martin Kuhn

Nach dem Grund gefragt, seufzt Uschi Steinbacher: „Männer...“ „Tja, wer sonst könnte schuld sein...“, entfährt es dem Schreiber milde grinsend. So etwas gefällt Uschi Steinbacher. Denn nach dem finalen Zünden der Knallbonbons gibt’s bekanntlich ein kleines Geschenk. In diesem Fall ist es Helene Rump, eine neue Kunstfigur, in die Uschi Steinbacher fortan schlüpft und Kabarett macht - was sonst...

Jetzt sag doch emal selbst...!“, lautet die Aufforderung von Helene Rump; eine Frau in der zweiten Hälfte ihrer besten Jahre - mit dem Charme eines hessischen Tellergerichts und der Logik ihres Rentenbescheids. Helene Rump weiß alles, sieht alles und legt den Gichtfinger in jede Wunde. Da bleibt keiner verschont. Weder der Vegetarier am Würstchenstand noch der gewählte und ungewählte Politiker. Ihr Vorteil ist ihr Alter. Und es ist was dran, wenn sie behauptet: „du derfst alles saache - du musst nur alt genuch sei.“ Zu sehen ist das am Freitag, 6. November, 20 Uhr, in der P.U.T. Eventbühne (Brotfabrik, Frankfurt-Hausen, Bachmannstraße 2-4). Karten für 15 Euro gibt’s in den bekannten Vorverkaufsstellen (zuzüglich der fälligen Gebühren) oder an der Abendkasse.

Pappnasen- und Schunkel-Allergie?

Wer aber bitteschön ist Helene Rump? Wer darin Oma Lenchen wieder erkennt, liegt so falsch nicht. Uschi Steinbacher wollte diese aus der Bürgeler Fastnacht bekannte Figur weiterentwickeln und nicht, wie sie sagt, „im karnevalistischen Stumpfsinn hängen bleiben. Ja, es ist eine Art Evolution“. Oh je, das hört sich nach einer beginnenden Pappnasen- und Schunkel-Allergie an.

Nein. Stopp. Halt. Das soll keineswegs eine Abwertung der Fastnacht sein“, sagt die Rumpenheimerin und erklärt: „Im Karneval orientiert sich vieles an einfachen Gags. Das Publikum erwartet nichts, worüber man noch groß nachdenken muss.“ Das, was sie mit Helene Rump auf die Bühne bringen möchte, sei hingegen typisches, politisches Kabarett. „Aber nicht zu viel...“ Also erzählt Helene Rump Situationen, die eigentlich jeder kennt oder schon einmal erlebt hat; sie zieht die Essenz und breitet sie genießerisch auf der Bühne aus. Ein gewisser Läster-Charakter ist ihr dabei nicht fremd.

In der Comedy-Ecke will sie nicht landen

Themen? „Oh, da kann man sich böse Sachen aussuchen. Die SPD etwa, die bietet da aktuell ein sehr weites Feld.“ Helene Rump hält aber auch Eurokraten einen Spiegel vor; etwa bei der Glühbirnen-Verordnung, die eine schrittweise Abschaffung der guten alten Glühfäden bis 2012 vorsieht: „Wem geht denn da ein Licht auf?“ Uschi Steinbacher glaubt fest daran, ihr Publikum zu finden, selbst wenn die deutschen Fernsehsender nahezu rund um die Uhr neuen Figuren und Formaten eine Bühne bietet und man aus dem Lachen gar nicht mehr rauskommt; zumindestens theoretisch. In der Comedy-Ecke („reiner Klamauk“) will sie nicht landen: „Das entspricht doch alles dem Zeitgeist: Es geht runter, nicht in die Tiefe.“

Am aktuellen Programm hat Uschi Steinbacher etwa ein Jahr gearbeitet: Ideen umgesetzt und wieder verworfen, an den Texten gefeilt und verzweifelt. „Das beschäftigt einen fast rund um die Uhr.“ Ihr wichtigster Begleiter ist daher ein Diktiergerät, „zumal ich meine Gedanken einfach nicht so flink aufs Papier bringen kann. Mein Kopf ist definitiv schneller als meine Hände.“ Spitzen brauchen Offenbacher Politiker nicht zu fürchten bei der Premiere: „Das ist derzeit doch schwarzes Theater. Und das bei einer roten Stadtregierung“, lästert die Rumpenheimerin. Selbst Oberbürgermeister Schneider kommt ungeschoren davon: „Den strafe ich jetzt mit Ignoranz...“

Erlebt Oma Lenchen ihren wohlverdienten Ruhestand?

Einen Testlauf für „Jetzt sag doch emal selbst...“ gibt’s übrigens nicht. Selbst kurze Passagen werden weder Bekannten noch Freunden vorgespielt: „Da gibt’s doch keine ehrliche Meinung, die sind befangen. Das führt auf den falschen Weg.“ Draußen auf der Bühne, vor Fremden, müssen die Pointen sitzen. Wenn das zahlende Publikum lacht, feixt oder zumindest zustimmend nickt, weiß Steinbacher, dass sie einiges - oder auch alles - richtig gemacht hat.

Und erlebt damit Oma Lenchen, lieb gewonnene Figur der Berjeler Fastnacht, ihren wohlverdienten Ruhestand? „Nein. Die giftet weiterhin zur Faschingszeit - allerdings nur noch exklusiv bei der Ranzengarde.“

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