Umbau beginnt am Montag

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Der Wilhelmsplatz und seine Längsstraßen als verkehrsberuhigte Zone. Die städtische Computersimulation verschafft einen Eindruck, wie das Karree später aussehen könnte.

Offenbach - Wenn 1A gleich B Halbe plus A und 1B gleich B Halbe plus C ist, ist 1A plus 1B gleich A plus B plus C. Algebra?Bauplanung! Über den Wilhelmsplatz und seine Zukunft wurde in den vergangenen Monaten so viel diskutiert, dass nun mancher ehrlich überrascht sein wird, wie aus grauer Theorie tatsächlich Realität werden kann. Von Marcus Reinsch

Also noch ein paar Zahlen und Buchstaben, diesmal auch für Unbeteiligte sofort verständlich: Am nächsten Montag, 24. August, beginnt der Umbau des Wilhelmsplatzes. Die Halteverbotsschilder stehen schon.

Vorgestern hat der Magistrat die Auftragsvergabe an die Dreieicher Firma Jean Bratengeier beschlossen; gestern erklärten Verwalter und Planer, wie sie alle Interessen auf einen Nenner bringen wollen. Fest steht: Für die Parallelexistenz von Wochenmarkt, Parkplätzen und Baustelle auf den 6.110 Quadratmetern werden alle Beteiligten zusammenrücken müssen. In der kommenden Woche sind die Arbeiter zwar noch mit der Vorbereitung befasst, es drohen kaum Einschränkungen. Nach dem Markt am Samstag, 29. August, allerdings wird der Bauzaun gestellt und am Montag, 31. August, geschlossen.

Viele Gastronomen fürchten den Parkplatzschwund, freuen sich aber gleichzeitig  aufs neue Ambiente.

Zum ersten Baggerbiss ruft Oberbürgermeister Horst Schneider dann für Dienstag, 1. September. Das ist auch der Tag, an dem der Markt erstmals nach Süden und zur Seite ausweichen muss. Die Rundumerneuerung selbst wird vermutlich nur bis Ende Februar dauern. Aber falls das Stadtparlament am 3. September zusätzlich die Ausdehnung des Platzes über die seitlichen Längsstraßen hinweg bis zu den Hauswänden abgesegnet, könnten die Bauarbeiter gleich bis Ende August weitermachen. Dann wird das Drumherum des Wilhelmsplatzes zur Verkehrsberuhigten Zone mit auf Platzniveau angehobenen Fahrspuren, auf denen Schrittgeschwindigkeit gilt und Fußgänger Vorrang haben. Und mit farblich abgesetzten Parkflächen, einer schöner als bisher begehbaren Gastro-Meile und einer „taktilen Leitlinie“ für Sehbehinderte. Dass es so kommen wird, hat die Offenbacher Koalition schon zu Protokoll gegeben.  Aber erst der Platz. Der wird bekanntlich funktional gedrittelt.

  • Das an die Bieberer Straße grenzende nördliche Drittel am Markthäuschen - das planerische „A“ - wird dreimal wöchentlich Wochenmarkt-Standort, sonst Freifläche für Flaneure, Feste und sonstige Veranstaltungen. Eine runde Pflasterfläche soll als Treffpunkt und später vielleicht als Basis für einen Brunnen dienen.
  • Das mittlere Drittel („B“) wird an Markttagen dem Markt zugeschlagen und an den anderen erweiterter Parkplatz sein.
  •  Das südliche Drittel („C“) wird wie heute permanenter Parkplatz sein, künftig beschattet von einem Baumhain nach, wie die Projektbeschreibung besagt, „historischem Vorbild“. Diese Historie wird allerdings noch wachsen müssen. Die 20 neu zu pflanzenden Bäume zumindest fallen niedriger aus als die schon existenten Exemplare zwischen Platz und Seitenstraßen, unter denen die acht Wilhelmsplatz-Gastronome künftig bei Bedarf Gäste bewirten dürfen.

Freud und Leid liegen in der Planung für den Wilhelmsplatz und seine Längsstraßen eng beieinander.

Viele Gastronome fürchten den Parkplatzschwund, freuen sich aber aufs neue Ambiente. Die Immobilien- und Wohnungseigentümer zittern vor Straßenbeitragsrechnungen, die sie nach Umbauende bekommen werden.

18 von ihnen müssen zwischen 1.000 und 4.000 Euro zahlen, drei zwischen 5.000 und 10.000, einer bis zu 15.000, vier bis zu 20.000, fünf bis zu 25.000, zwei bis zu 30.000, zwei bis zu 35.000 und einer bis zu 50.000 Euro.

Der eigentliche Umbau läuft nicht in Dritteln, sondern in Hälften ab. Die erste, „1A“ genannte, umfasst den Platz-Norden. Ist der fertig beackert, vermutlich im November, zieht der Baustellen-Tross auf die südliche „1B“-Hälfte um, und die Wochenmarkthändler können schonmal ausprobieren, ob ihre Stände auf die für sie vor dem Markthäuschen aus Basaltstein gepflasterten Stellflächen passen. Außer auf Teilen des permanenten Parkplatz-Drittels und dort, wo Altglascontainer und versenkbare Stromverteiler ins Erdreich müssen, wird auf dem gesamten Wilhelmsplatz Basaltstein verlegt. Faszinierend: Die Stadt muss dafür nur 40.000 Euro neue Schulden machen; die restlichen 1.819.000 Euro stammen aus dem Konjunkturprogramm. Zusätzliche 500.000 Euro aus diesem Füllhorn sorgen auch dafür, dass 65.100 städtische Euro ausreichen, um den zweiten Bauabschnitt, die Platzausdehnung, ohne Privatinvestor durchzuziehen. Solch „politischer Stadtgestaltungswille“ (OB Schneider) entsetzt aber bekanntlich viele von den 37 Eigentümern der umliegenden Immobilien. Die sollen per Straßenbeitragssatzung weitere 429.900 Euro zu den 995.000 Euro Gesamtkosten beisteuern, werden kurz vor der politischen Entscheidung zusehends angriffslustig und bestreiten die Wertsteigerung ihrer Besitztümer durch die Platzverschönerung.

Den Wilhelmsplatz-Wirten unterdessen schmeckt die Planung weitgehend. Zwar fallen auf dem und rund um den Platz Parkplätze weg, was es wahrscheinlicher macht, dass abendliche Gäste keinen kostenlosen Platz finden und wegbleiben. Doch die erweiterten Möglichkeiten für Freiluftgastronomie in einem optisch schöneren und verkehrsberuhigten Ambiente versprechen einen Ausgleich.

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