Umbau des Kaiserlaikreisels

Bislang kaum Einwände

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Offenbach - Die Kaiserlei-Entwicklung ist für die Stadt von zentraler Bedeutung. Und da sind nun die Bürger dran: Deren Beteiligung ist ein Teil des Verfahrens. Beim ersten Termin ist das alles eher überschaubar. Von Martin Kuhn 

Der vorgesehene Umbau des Kaiserleikreisels in zwei Kreuzungen ist ein Mammutprojekt. Bis die ersten Bagger rollen (avisiert: Anfang 2015), ist es noch ein langer bürokratischer Weg. Noch bis 3. März liegen zwei Bebauungsplan-Vorentwürfe im Stadthaus (Berliner Straße 60, 14. OG) aus, die weit mehr als eine gänzlich neue Verkehrsführung beinhalten. Es geht um die Entwicklung des Kaiserlei zum Standort für Büros und Dienstleister. Weggefallen ist eine ursprünglich vorgesehene Wohnbebauung. Am Montagabend haben erstmals Bürger das Wort – zwei Dutzend folgen der Einladung und bringen bislang kaum Einwände vor.

„Das Projekt ist in der Öffentlichkeit angekommen“, freut sich Oberbürgermeister Horst Schneider angesichts der bunten Schar. Wohlwollend registriert er, dass einige Ortsfremde der Sitzung folgen. „Sie sind doch aus Oberrad?“, fragt er zur Sicherheit nach. Moderates Kopfnicken bestätigt das. Ein indirektes Zeichen dafür, dass der Kaiserlei doch das oft beschworene Bindeglied zwischen Offenbach und Frankfurt darstellt?

Spielhallen, Wettbüros, Sex-Shops nicht zulässig

Aber vielleicht ist es profaner. Eigner interessiert bereits das später notwendige Umlegungsverfahren, das die Areale entsprechend der Planung erst bebaubar machen. „Da wird wieder einiges abgeschnitten; da bleibt uns nur noch die Hälfte“, rechnet ein Herr laut vor. Das lässt der Verwaltungschef nicht gelten und hält dagegen: „Aber das zum vielfachen Wert.“ Wie gesagt: Bis dahin ist’s ein langer Weg. Die Billigung der Bebauungsplanentwürfe (610 Strahlenbergerstraße West, 614A An der BAB 661 – Zwischen Strahlenbergerstraße und Berliner Straße) ist für Juli vorgesehen, die dann erneut vorgeschriebene Offenlage für Spätersommer und der finale Satzungsbeschluss für November 2014.

Die Vorentwürfe für die Bebauungspläne benennen Ziele, Zwecke und Auswirkungen am Kaiserlei. Der sogenannte Rahmenplan hat sich mittlerweile leicht verändert. Neu ist etwa, dass an drei markanten Standorten Hochhäuser mit einer Gebäudehöhe von 75 bis 110 Meter entstehen sollen. Ansonsten sind Gebäudehöhen zwischen 21 und 25,5 Meter vorgesehen, deren Hochpunkte ragen bis zu 45 Meter in den Himmel. Konkret gekennzeichnet ist auch das Areal zwischen Bahntrasse und Kaiserleipromenade, auf dem Mercedes-Benz seine neue Niederlassung errichtet. (Das Bild in Großansicht)

Kernpunkte der Pläne erläutern Matthias Seiler, Referat Städtebau und Bauberatung, und Mitarbeiter Tobias Kurtz: Verworfen ist die Idee, Wohnbebauung zu integrieren (Siedlungsbeschränkung Flughafen) und vier markante Hochhäuser an der Schnittstelle A 661/Berliner Straße zu errichten. Nicht zulässig sind Spielhallen, Wettbüros, Sex-Shops und großflächiger Einzelhandel. Stattdessen soll ein Hochhaus (bis zu 110 Meter hoch) an der künftigen Stadtteilspitze Strahlenbergerstraße / Kaiserleipromenade stehen. Zwei Hochhäuser flankieren im Abstand von etwa 40 Meter die Autobahn an der Stelle, wo heute noch der Kreisverkehr rollt. Für Schneider sind das zwei „Filetstücke“, zusammen etwa zwei Hektar groß und im Eigentum der Stadt.

„Polyzentrischen Metropolregion“

„Bisschen viel Büros. Das gibt ab 18 Uhr eine Geisterstadt wie Niederrad“, meldet ein pessimistischer Teilnehmer sofort Bedenken an. Für den Oberbürgermeister und die Experten geht der Einwand an der Realität vorbei. Klar, es gebe in Offenbach Leerstände wie etwa den ehemaligen KWU-Komplex an der Berliner Straße, aber das liege auch an „Standard und Zuschnitt“ der Büroräume. Gefragt seien heute hochwertige, große, zusammenhängende Einheiten. „So um die 15.000 Quadratmeter. Die gibt es hier aktuell nicht. Sonst hätte ich heute eine ganz andere positive Nachricht verkünden können“, bekundet der Oberbürgermeister. Und in einer „polyzentrischen Metropolregion“ sei es klar, dass jede Kommune versuche, etwas vom Kuchen abzubekommen.

Zu guter Letzt: Mehrzweckhalle, beziehungsweise Multifunktionsarena, kürzlich im Stadtparlament Frankfurt auf der Tagesordnung. „Was wird damit?“, fordert einer der Anwesenden Antwort. Zur Fortschreibung des sogenannten Rahmenplans Kaiserlei heißt es im Römer dazu: „Die Überprüfung der Realisierbarkeit einer Multifunktionshalle im Rahmen der Rahmenplanfortschreibung anhand pauschaler Annahmen konnte kein positives Ergebnis liefern.

Erneute Änderung möglich

Es ist jedoch grundsätzlich möglich, dass bei einer vertieften Betrachtung mit einem detaillierten und konkretisierten Betriebskonzept eine Machbarkeit nachgewiesen werden kann. Von daher wird die Option zur Ansiedlung einer Multifunktionshalle offen gehalten.“

Ähnlich äußert sich der Offenbacher Oberbürgermeister. In einer Finanzierungsvereinbarung zwischen den Nachbarstädten gebe es verschiedene Optionen, bis Ende 2014 offen gehalten. Schneider: „Wenn Frankfurt einen privaten Betreiber findet, müssten wir das positiv begleiten.“ Heißt: Der Bebauungsplan (-entwurf) wäre erneut zu ändern.

Verkehrschaos am Kaiserlei (2011)

Verkehrschaos am Kaiserlei

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