Reaktionen von IHK und FDP auf Sinneswandel der CDU

Multifunktionshalle im Kaiserlei: Auf Ablehnung folgt Wohlwollen

Offenbach - Noch vor einem halben Jahr sammelte und veröffentlichte Christdemokrat Roland Walter Fakten gegen Bau und Betrieb einer Multifunktionshalle im Kaiserlei. Inzwischen ist aus dem Saulus ein Paulus geworden. Von Thomas Kirstein

„Dass wir die Hallenpläne insgesamt sehr kritisch sehen, ist seit 2012 bekannt. Wir haben die Vereinbarungen mit Frankfurt kritisch beleuchtet und sind begründet zu einer Ablehnung gekommen“, hat es im Juni 2016 in einer CDU-Pressemitteilung geheißen. Der damalige Fraktionsvize Walter bot Konzertveranstalter Marek Lieberberg als Kronzeugen gegen die Notwendigkeit einer „weiteren Location in der Region“ auf. Auch der Regionalverband halte das Vorhaben für überflüssig, die IHK Offenbach spreche sich dagegen aus, sogar in Frankfurt sei das Projekt umstritten.

Nach einer gemeinsamen Sitzung mit den Frankfurter Parteifreunden, an der auch Stadtkämmerer Peter Freier teilnahm, zeigt sich Walter, inzwischen Fraktionschef, geläutert. Unter bestimmten Voraussetzungen – Gewerbesteuerteilung, Lösung der Verkehrsproblematik – sei die Halle zu begrüßen. Wie berichtet, macht die CDU mangelnde Information seitens des SPD-Oberbürgermeisters Horst Schneider für die bisherige, nun revidierte Haltung verantwortlich.

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Auch die seinerzeit als Mit-Kritikerin eingespannte IHK freundet sich langsam mit dem Plan an. Auf die Nachricht vom Sinneswandel der Union reagiert Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner so: „Wenn es, wie vereinbart, zu keinerlei Mehrbelastung durch Verkehr für Offenbach kommt und Frankfurt vollständig die Kosten für die Erschließung der Multifunktionshalle übernimmt, dann stehen wir dem Projekt wohlwollend gegenüber.“ Wünschenswert sei, dass die Politik die Investoren dazu bringe, nicht nur die Halle zu bauen, sondern auch das Umfeld kompatibel zum Masterplan für Offenbach mit zu entwickeln.

Die FDP, die die Halle im Wahlprogramm befürwortet hat, bezeichnet das überraschende „Ja“ vom Koalitionspartner CDU als regionalpolitisch vernünftig. Das Kaiserlei-Gebiet mit seiner S-Bahn- und Autobahnverbindung sei „wie gemalt“ für eine solche Halle, meint der Fraktionsvorsitzende Oliver Stirböck.

Vor knapp einem Jahr hätten „einige“ unbedingt noch ein anderes politisches Zeichen setzen wollen, erinnert Stirböck, ohne sie zu nennen, die CDU an ihre Oppositionszeit. Und das, obwohl klar gewesen sei, dass vor dem Hintergrund bestehender Verträge beider Städte die Halle gar nicht zu verhindern gewesen sei. „Vielleicht war das klug, vielleicht auch nicht“, meint Stirböck. Das Investoren-Interesse an einer Multifunktionshalle zeige die gewachsene Attraktivität des Gebiets an der Nahtstelle zwischen Frankfurt und Offenbach. Schon durch den Bau der politisch teilweise bekämpften Osthafenbrücke „sind Frankfurt und Offenbach enger zusammengerückt, zum Nutzen beider Städte“

Bilder: So soll der Kaiserleikreisel nach dem Umbau aussehen

Rubriklistenbild: © dpa

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