Kommentar: Aus Fehlern lernen

Hohe Kosten, mangelnde Produktivität, völlige Fehlplanungen, ein unübersichtlicher Schuldenberg: Eine grundlegende Sanierung des Klinikums Offenbach ist überfällig - das wurde gestern von der neuen Geschäftsführung eindrucksvoll unterstrichen.

Jetzt heißt es also: Ran an den Umbau! Das Signal ist richtig. Es wird zum Glück von einer Managerin gegeben, die beim Berliner Klinikkonzern schon viel Erfahrung sammeln konnte. Was sie anpackt, wird wehtun - Ärzten und Pflegepersonal. Wenn im Sanierungsplan inflationär von „Optimierung“ die Rede ist, weiß jeder im Krankenhaus, dass harte Zeiten bevorstehen.

Wer gestern den Ausführungen von Franziska Mecke-Bilz gelauscht hat, wird sich aber auch fragen: Wie konnte das Offenbacher Klinikum, das sich mehr und mehr als marodes Dickschiff entpuppt, so tief in den Schlamm rutschen?

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Brach liegende Kapazitäten

Wenn die überfälligen Reparaturarbeiten jetzt beginnen, sollten Lehren aus eklatanten Fehlern gezogen werden; die Verantwortlichen bei der Stadt hätten sich früher nach zusätzlicher Kompetenz im Klinikum umsehen müssen. Ein weiterer Vorwurf zielt auf ein grundsätzliches Versagen vieler Kommunalpolitiker zwischen Wiesbaden und Hanau: Ihnen ist doch seit langem bekannt, dass die fetten Jahre für städtische Kliniken vorbei sind. Dem „Stresstest“ des Kostendrucks, des demographischen Wandels und des Rückgangs öffentlicher Mittel sind viele nicht gewachsen. Der Zwang zur Kooperation ist enorm, aber Politiker blockieren Kursänderungen und die überfällige Zusammenarbeit - zum Beispiel zwischen den Kliniken in Hanau und Offenbach. Steuerzahler müssten vor Zorn aufheulen, denn es wird ja weiter Geld in überschuldete Krankenhäuser gepumpt; auch weil die Politik sich sich vor der möglichen „Bestrafung“ der Wähler nach Entlassungen, Schließungen von Fachabteilungen oder Zusammenlegungen von Krankenhäusern fürchtet.

Die Richtung sollte jetzt endlich klar sein: Der überfällige Abbau der Überkapazitäten in den Kliniken und Kooperationen sind die wichtigsten Hebel, um die Kostenexplosion zu stoppen. Auch die Landesregierung, die bei der Generalüberholung ins Boot geholt werden soll, könnte an diese Werkzeuge erinnern, gar entsprechende Vorleistungen von den Kommunalpolitikern verlangen.

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