Umbau des Stadthofes

Neue Ideen für Bürobrache

Die Stadt bereitet bekanntermaßen den Platz: Der Umbau des Stadthofs ist fürs Frühjahr vorgesehen. Es eröffnet Chancen für eine Bürobrache. Das alte IHK-Gebäude ist Teil eines Forschungsprojekts.

Offenbach - Das Rezept klingt simpel und vielversprechend: Aus alten Büroflächen wächst neuer Wohnraum, und das in zentraler Stadtlage. Ausgeguckt haben sich dafür die Stadtplaner das ehemalige, etwas schmucklos wirkende IHK-Domizil am Stadthof.

Dabei verzeichnen die Fachleute kleine Erfolge: Nach der Diskussion erster Entwürfe mit dem Eigentümer im Jahr 2011 steht dieser unterschiedlichen Lösungen „grundsätzlich offen gegenüber“ und ist zur Zusammenarbeit bereit. Die 2450 m² nutzbare Gebäudefläche sind Teil des bundesweiten Forschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt).   Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung möchte erkunden, wie leerstehende Gebäude und Brachen in der Innenstadt zu beleben sind. Als lokales Beispiel könnte dienen: Seit einiger Zeit nutzt der Bund Offenbacher Künstler zur Weihnachtszeit eine leerstehende Gewerbefläche im City-Center und schließt damit zumindest temporär die Lücke in der Fußgängerzone. Das ist selbstverständlich auf Dauer unbefriedigend.

Der ExWoSt-Auftrag: In den Modellstädten sollen in den kommenden drei Jahren mit den Eigentümern der Liegenschaften und den Bürgern „Ideen und Konzepte entwickelt und ein Veränderungsprozess angestoßen werden“. Die geschlossenen Warenhäuser großer Handelsketten in Peine, Nürnberg, Mülheim an der Ruhr und Bocholt, innerstädtische Gewerbebrachen in Dessau, Elmshorn und Illingen oder das seit fünf Jahren leerstehende ehemalige Kammergebäude: Von der kurzfristigen Zwischennutzung, einer mittel- oder langfristige Umnutzung bis hin zu Abbruch und Neubau ist alles denkbar.

Offenbach wächst

Nach einer ersten Werkstatt in Mülheim/Ruhr trafen sich die Akteure des Forschungsprojekts in Offenbach. Nach der Begrüßung durch Peter Schneider, Bürgermeister der Stadt, und Wolfgang Schmitz von der verantwortlichen Liegenschaftsverwaltung Eduard Geisheimer KG wurden Praxisberichte der acht Modellvorhaben vorgestellt und diskutiert.

Offenbach wächst und damit die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. „Probewohnen und Arbeiten“ lautet daher der Titel des lokalen Forschungsvorhabens, das fürs Stadthof-Gebäude eine Kombination von Wohnungen mit anderen Nutzungsoptionen vorsieht. Mit einer Machbarkeitsstudie soll herausgearbeitet werden, welcher Nutzungsmix von Wohnen und Arbeiten die besten Aussichten auf Erfolg hat.

Eine Herausforderung ist der breite Sockel mit nur „nordseitiger Belichtung“ und hohen Räumen. Dabei entscheidet die Bewohnerstruktur über dessen Nutzung: Ziehen Familien ein, wäre die Einrichtung einer Kinderbetreuung denkbar. Wohnen überwiegend Künstler im Haus, könnte der Sockel als Ausstellungs- oder Veranstaltungsfläche genutzt werden. Es könnte aber auch ein multifunktionaler Sozialraum für ein Gemeinschaftswohnkonzept dort untergebracht werden.

Konsens besteht darüber, dass sich die Immobilie zwar in Toplage befindet, aber das städtebauliche Umfeld dringend einer Umgestaltung bedarf. Für das Areal des Stadthofs gab es bereits ein Ausschreibungsverfahren, bei dem die Bürger beteiligt waren. Und derzeit noch gefragt sind: Bis Anfang Oktober können die Offenbacher über den künftigen Bodenbelag entscheiden.

mk

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