Umgestaltung fordert Opfer

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Sieht schön aus, ist aber uneben und wird vermutlich glitschig, wenn es regnet. Wie oft bei Neuerungen gehen die Meinungen auseinander, wie gelungen die Gestaltung des Lieblingsplatzes der Offenbacher ist.

Offenbach ‐   Der Umbau des Wilhelmsplatzes hat ein erstes Opfer gefordert: Cengiz Bozkurt vom Feinkoststand ist gestern beim Anschließen des Stroms in einen der neuen Verteilerkästen im Boden getreten. Von Simone Weil

Gegen halb zehn humpelte er wieder zu seinem Stand. Diagnose: geprellte Fußzehen. In Windeseile hatte sich der Unfall herumgesprochen, anfangs war gar von einem gebrochenen Bein die Rede.

Ansonsten ging es vor allem ums neue Orientieren: Zur Umbauhalbzeit wechselten die Marktstände vom südlichen auf den nördlichen Teil. Chaotisch soll es zugegangen sein beim Aufbau. An einigen Stellen wurde es eng: Türen gingen nicht mehr richtig auf und einige Beschicker rückten ihren Mitbewerbern arg auf die Pelle.

Doch vor allem wurde an allen Ecken und Ständen lauthals übers neue Pflaster diskutiert, das den rissigen Asphalt ersetzte und jetzt in Augenschein genommen werden konnte. Noch liegt überschüssiger Sand auf den Natursteinen, um die Zwischenräume zu verfüllen. Es wurde spekuliert: „Ob da noch mal eine Lage drauf kommt?“

Uneben, nass und glitschig

Eine weit verbreitete Meinung zur neuen Oberfläche: „Sie ist viel zu uneben und wenn‘s nass wird, wird es glitschig.“ Und: Ältere Kunden werden mit ihren Rollatoren und den Einkaufstrolleys Probleme haben. Die verbreitete Befürchtung: „Die bleiben uns langfristig fern.“

Ulrike Buxmann hatte ausgesprochen schlecht geschlafen, weil sie nicht wusste, was sie heute auf dem Platz erwarten würde. Schön findet sie die neuen Lampen, die für ein angenehmes Licht beim Aufbau gesorgt hätten. Dass sie um eine solche Säule herumtanzen muss, macht ihr das Leben allerdings nicht leichter - denn eine Leuchte befindet sich derzeit direkt in ihrem Stand. Ihr Gatte Günter macht sich bereits Gedanken übers Umrüsten seiner zusammen 30 Rollwagen: Sie sind auf dem neuen Pflaster nämlich bedeutend schwieriger zu manövrieren. Leichtgängigere Räder kosten 17,50 pro Stück, insgesamt müsste er also 70 Euro pro Wagen investieren. Außerdem will er sich Matten hinter seinen Stand legen, um die Unebenheiten des neuen Pflasters auszugleichen.

Platz ist schließlich kein Wohnzimmer

Gelassen betrachtet Augusta Junker vom Bastelhäuschen den Stein des Anstoßes: Die neuen Steine sähen gut aus und seien doch auch prima fürs Freie geeignet. Der Platz sei schließlich kein Wohnzimmer.

Zu den eher unaufgeregten Kommentatoren zählt auch Kartoffelhändler Heinrich Maus: Es findet, dass die neue Gestaltung dem Platz ein harmonisches Gesamtbild verleiht. Mit den schweren Rollwagen werde man es noch schwerer haben, fürchtet er. Seine Kundschaft hat unterschiedliche Meinungen: Manchen gefällt die Neuerung, manchen eben nicht. Gedanken macht sich Maus darüber, wie die Parkflächen sich optisch einfügen werden. Aber Parkplätze brauche es unbedingt.

Pflanzenhändler Erich Fuchs zeigte sich verärgert: Letztlich hätten alle Diskussionen nichts gebracht, denn der Platz sei gemäß des ursprünglichen städtischen Vorschlags gestaltet worden. Dann hätte man sich alle Veranstaltungen sparen können.

Auch Oberbürgermeister Horst Schneider schlenderte über den Markt, um sich einen Eindruck von der Umbauhalbzeit zu verschaffen. „Das wird schon“, kommentierte er eine unfertige Stelle, die ihm gezeigt wurde.

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