EVO-Überweisungen an Stadt und MVV

Kuh gibt erstmal weniger Milch

+
Heike Heim

Offenbach - Die Energieversorgung Offenbach (EVO) bleibt die beste Milchkuh im städtischen Stall: 17,2 Millionen Euro hat das Unternehmen 2013 seiner Minderheitsaktionärin (eine Aktie mehr hat seit 2000 die Mannheimer MVV) überwiesen. Von Thomas Kirstein 

Es summieren sich Dividende, Konzessionsabgabe und Gewerbesteuer. Darüber hinaus ist die EVO mit 620 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

Lesen Sie dazu auch:

Regional gegen den Klimawandel

Kein Wunder, dass in der Politik darüber nachgedacht wird, ob man auf Dauer mit der derzeitigen Konzernmutter in Mannheim teilen muss. Im Wahlprogramm 2011 der örtlichen SPD findet sich im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Auslaufen von Konzessionen für Strom und Gas das Stichwort „Rekommunalisierung“. Dem Vorstand des regionalen Versorgers ist zum Rückkauf durch die Stadt nichts zu entlocken. „Dazu haben wir keine Position und müssen auf unsere Anteilseigner verweisen“, sagt Heike Heim.

Die EVO-Chefin hat bei der jüngsten Bilanzpressekonferenz bereits angekündigte Einschnitte offiziell zu verkünden. Die Kuh gibt bis auf weiteres weniger Milch. Nicht mehr zehn, sondern nur noch 8,1 Millionen Euro gehen – wie auch an die MVV – als Dividende an die Stadtwerke Holding, die mit EVO-Geld öffentlichen Nahverkehr finanziert und im Zuge der Schutzschirm-Vereinbarungen der Stadt drei Millionen im Jahr überweisen soll.

Bescheidenere Ausschüttung

Die bescheidenere Ausschüttung ergibt sich aus dem im Jahresabschluss für die Zeit vom 1. Oktober 2012 bis zum 30. September 2013 ausgewiesenen Bilanzgewinn. Der liegt mit 13,6 Millionen unter dem operativen Gewinn des Vorjahrs von 17,4 Millionen. (2012 ausgewiesene 23,2 Millionen verdankten sich dem Einmaleffekt des Verkaufs von Anteilen der Maintal-Werke).

Kurt Hunsänger

Heim nennt Gründe, warum sich die Steigerung der Bilanzsumme auf einen Rekordwert von 368,3 Millionen nicht auf den Gewinn ausgewirkt hat: Die Erlöse sind um acht Millionen gesunken, weil die Margen zu gering sind, beim selbst produzierten Strom bleibt weniger hängen, die Abfallerlöse sinken, ebenso die Netzentgelte, bemerkbar macht sich der Wettbewerb bei Strom und Gas. Unterm Strich verlor die EVO im Berichtsjahr tausend Kunden, hält in Stadt und Kreis aber weiter einen Marktanteil von 80 Prozent.

Die sinkenden Erlöse früh vor Augen, hat die EVO nach den Worten ihrer Vorstandssprecherin rechtzeitig gegengesteuert. Dazu gehören das intensive Wachstum bei regenerativen Energien, eine „schlankere Organisation“, ein optimierter Vertrieb, vereinfachte Arbeitsprozesse. Einen Arbeitsplatzabbau werde es definitiv nicht geben, versicherte Heim. In Zukunft sollen weitere Kräfte gebündelt, der Kundenservice in den Mittelpunkt gerückt, neue Geschäftsfelder und „profitable Kundengruppen“ wie kleine und mittlere Betriebe erschlossen werden. Die Anteilseigner dürfen sich derweil darauf einstellen, dass ihre Kuh stabile und bald wieder bessere Quoten liefert. Chefin Heim: „In den nächsten Jahren erwarten wir einen Jahresüberschuss auf aktuellem Niveau mit leicht steigender Tendenz.“ Für Kunden gibt’s dagegen keine so langfristigen Prognosen: Immerhin, im nächsten Vierteljahr werden wohl keine staatlichen Abgaben die Strompreise steigern.

Stichflamme im Pelletwerk der EVO (2012)

Stichflamme im Pelletwerk

Kommentare