Neubau des Polizeipräsidiums

Poker um längst festgelegten Kaufpreis

+
Offenbach hat seine Schuld erbracht und das Gelände am Buchhügel freigeräumt. Wann das Land dort ein neues Polizeipräsidium baut, ist indes offen.

Offenbach - Nie war der Ausblick vom Buchhügel besser. Wer von der Rheinstraße in Richtung Spessartring blickt, den stören weder Bäume noch Kleingärten oder Bauten des Kleintierzuchtvereins und schon gar nicht die Kinder- und Jugendfarm, die längst ein neues Zuhause weiter östlich auf dem Buchhügel gefunden hat. Von Matthias Dahmer

Wer von der Rheinstraße in Richtung Spessartring blickt, den stören weder Bäume noch Kleingärten oder Bauten des Kleintierzuchtvereins und schon gar nicht die Kinder- und Jugendfarm, die längst ein neues Zuhause weiter östlich auf dem Buchhügel gefunden hat.

Alles musste bekanntlich dem vom Land Hessen dort geplanten Neubau des Polizeipräsidiums weichen. Doch hat die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) das rund 3,8 Hektar große Gelände möglicherweise für ein Projekt freigeräumt, an dessen Verwirklichung man in Wiesbaden mittlerweile nur noch geringes Interesse hat?

Keinen Grund, von Summe abzurücken

Im Moment sieht es ganz danach aus: Hatte es im August vergangenen Jahres bei dem für die Projektleitung zuständigen Hessischen Immobilienmanagement noch geheißen, bis Ende 2012 seien die Ausschreibungsunterlagen an potenzielle ÖPP-Partner verschickt, spielt man jetzt offenbar erstmal auf Zeit: Es müssten noch Gespräche mit der Stadt Offenbach und der SOH geführt werden, in denen „Geld und Baurecht eine Rolle spielen“, formuliert Sprecherin Renate Gunzenhauser.

Bei der für den Buchhügel zuständigen SOH-Tochter OPG, welche das Gelände brav bis Ende 2012 freigeräumt hatte, ist man nicht gerade erfreut über die Taktik des Landes. Eine angesichts der Aussagen des Immobilienmanagements zunächst erstaunte und dann einsilbig werdende Geschäftsführerin Daniela Matha bestätigt lediglich, es würden weitere Gespräche geführt.

Vermutungen, wonach das Land um den Kaufpreis pokern wolle, will sie nicht kommentieren. Matha weist lediglich darauf hin, dass ein von Land und Stadtwerke-Holding gemeinsam bestellter Gutachter das Buchhügel-Areal taxiert habe und beide Seiten mit den knapp 10,4 Millionen Euro einverstanden gewesen seien. Die Geschäftsführerin sieht deshalb keinen Grund, von dieser Summe abzurücken.

Sicher ist: Umzug verzögert sich weiter

Sicher ist: Der bislang ohnehin schon für frühestens 2016 vorgesehene Umzug von etwa 700 Ordnungshütern auf den Buchhügel verzögert sich damit weiter. Kommuniziert wurden 15 Monate für die – nun wieder verschobene – europaweite Ausschreibung sowie 30 Monate für Planung und Ausführung des Projekts. Das bedeutet: Selbst wenn bis zum Sommer eine Einigung erzielt wird, klappt es vor 2017 nicht mit dem Neubau.

Zum Thema:

Hängepartie am Buchhügel

Die schon zweimal auf Drängen Wiesbadens verlängerte Kaufoption des Landes beziehungsweise eines zu findenden privaten Investors gilt bis Ende dieses Jahres. Ob sie ein weiteres Mal verlängert wird, ist offen. Immerhin sind im Landeshaushalt noch die Kosten für den Neubau vorgesehen: Aktuell, sagt Sprecherin Gunzenhauser, seien 173,5 Millionen Euro eingestellt. Ursprünglich war mal von 100 Millionen, zwischenzeitlich von 150 Millionen Euro die Rede. Seit 2004 gibt es bei der Offenbacher Polizei eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Bauvorhaben beschäftigt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare