Seit 1. Januar Sache des Zweckverbands

Trinkwasser-Umstellung mit Irritationen

+
Da oben fehlt doch was: Die Energieversorgung Offenbach hat die Hoheit über Offenbachs Trinkwasser auch an markanter Stelle abgegeben. Ihr bislang weithin sichtbares blauweißrotes EVO-Signet ist vom Zwillingswasserturm am Bieberer Berg verschwunden. Der Zweckverband will im Lauf des Jahres mit „ZWO“ nachrüsten. Die Hochbehälter fassen 15 Millionen Liter und sorgen seit 1968 für konstanten Druck im örtlichen Netz.

Offenbach - Das Trinkwasser, das seit 1. Januar aus Offenbachs Wasserhähnen fließt, ist das gleiche wie bisher. Gewechselt hat nur der Lieferant. Von Thomas Kirstein 

Aufgrund politischer Beschlüsse erwarb der kommunale Zweckverband Wasserversorgung (ZWO) das Netz für 36,5 Millionen Euro von der Energieversorgung (EVO). Der Übergang ist von Irritationen der Kunden begleitet. Ernst Schneider ist einer der zahlreichen Irritierten, die sich bei der Zeitung melden und einen vermeintlichen Schildbürgerstreich schildern. Der Offenbacher, wie alle 13.500 Hausbesitzer vom EVO- zum ZWO-Kunden mutiert, wundert sich: Ende des vergangenen Jahres hat eine von der EVO beauftragte Firma die Wasserzähler abgelesen. Nun haben Offenbacher Hausbesitzer wie Schneider die Mitteilung erhalten, dass ihr Verbrauch geschätzt werde. Und sie werden nochmal gebeten, den Zählerstand mitzuteilen. Wie das wohl zusammen gehe?

Die Energieversorgung klärt auf, was es mit der merkwürdigen Kombination von Ablesen und Schätzen auf sich hat: Laut Pressereferent Martin Ochs hat die EVO ihren Kunden eine Schlussrechnung zum 31. Dezember 2015 erstellt. Dazu mussten im Vorfeld die Zählerstände registriert werden – entweder vom Personal abgelesen oder von den Kunden telefonisch beziehungsweise per Karte übermittelt. Wer nichts mitteilt, wird geschätzt. Ochs erläutert: „Der in der Rechnung erfolgte Hinweis auf die Schätzung bezieht sich nur auf den Zeitraum zwischen der Ablesung und dem 31. Dezember.“ Die schriftliche Bitte um Übermittlung des Zählerstands sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, um Kunden Korrekturen zu gestatten.

Vergangene Woche gehen bei der Redaktion Klagen ein, der Telefonanschluss des ZWO-Kundencenters sei ständig besetzt. Ein Indiz für verbreitete Ablese-Verwirrung? Kaum, sagt ZWO-Pressesprecher Michael Jung. Die Leute seien mit der Umstellung auf SEPA-Lastschrift und neue Vorauszahlungstermine nicht zurecht gekommen. Die EVO hatte ein rollierendes System von März bis März oder von September bis September. Zudem waren monatliche Abschläge fällig. Der ZWO macht das Kalenderjahr zum Abrechnungszeitraum und will künftig alle zwei Monate Geld. Der Kubikmeterpreis liegt momentan bei 1,95 Euro. Er soll sich künftig als Gebühr nur noch an den tatsächlichen Kosten orientieren.

EVO-Demo vor dem Rathaus

Der Zweckverband, bislang Produzent von Trinkwasser und Versorger von 13 Gemeinden, hat für sein neues Geschäftsfeld bereits sechs Mitarbeiter eingestellt, drei für den technischen Kundendienst, drei für die Verbrauchsabrechnungen. Noch führt die EVO den technischen Betrieb, betreut also vorläufig das Offenbacher Wassernetz weiter. Ab 2017 will das der ZWO übernehmen und wird deswegen sechs bis acht Stellen ausschreiben. Auf Gesuche des vergangenen Jahres, so Jung, habe sich entgegen ursprünglicher Annahmen kein derzeitiger Mitarbeiter der EVO gemeldet – obwohl versichert wurde, dass die ZWO gleiche Bedingungen wie bisher bieten werde. Den Offenbachern bleibt die EVO unterdessen in einer Beziehung als Wasser-Partner erhalten. Das Unternehmen wird weiter im Auftrag des Stadtdienstleisters ESO die Abwassergebühren abrechnen, künftig jedoch im vierteljährlichen Turnus.

Kommentare