Auf Umwegen zu einer richtigen Kunsthalle

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Spende für die erste Kunsthallen-Ausstellung: Areva-Niderlassungsleiter Stephan Krüger übergibt einen symbolischen Scheck über 10 000 Euro an Oberbürgermeister Horst Schneider und Dr. Marcus Frings, Kurator des Hauses der Stadtgeschichte.

Offenbach - Auf Umwegen soll im finanziell klammen Offenbach eine Kunsthalle installiert werden, in der Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in großen Maßstab gezeigt werden können. Von Matthias Dahmer

Weil eine derartige städtische Galerie als feste Einrichtung derzeit nur ein Traum der Kulturmacher ist, versucht man es zunächst mit wechselnden Standorten und wird in diesem und im nächsten Jahr leer stehende Industriehallen für Ausstellungen nutzen. Langfristiges Ziel ist es, in einem dieser Gebäude dann ein ständige Kunsthalle zu etablieren.

Den Anfang in der Reihe der „Wandergalerien“ macht eine Halle auf dem weitläufigen ehemaligen Werksgelände von MAN-Roland im Areal zwischen Wald-, Senefelder-, Gustav-Adolf- und Christian-Pleß-Straße. Vom 28. August bis 2. Oktober ist dort auf 6 000 denkmalgeschützten Quadratmetern die Schau „Neue Welten“ zu sehen, wie der Kurator des Hauses der Stadtgeschichte, Dr. Marcus Frings, gestern berichtet. Die Ausstellung von 15 zeitgenössischen Künstlern, die alle einen Bezug zu Offenbach haben, werfe einen kritischen Blick auf die „Fortschrittsgläubigkeit unserer Welt“, so Frings. In der Schau vertreten sind die Gattungen Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation, und Video-Performance. Gezeigt werden Werke unter anderem von Parastou Forouhar, Barbara Klemm und Mike Bouchet.

Bis es soweit ist, muss in der seit Jahren leer stehenden Halle, die der Stadt kostenlos überlassen wird, noch einiges getan werden. Der Bauantrag für kleinere, den Unfallverhütungsvorschriften geschuldeten Arbeiten sowie etwa für die Einrichtung von Toiletten und die Verlegung von Stromleitungen ist von beauftragten Architekten gestellt. Marcus Frings verspricht ein „großartiges Raumerlebnis“, die Halle sei schon für sich ein Kunstwerk. Mit der ersten Ausstellung dieser Art, so der Kurator weiter, soll auch eine Diskussion darüber angestoßen werden, welche Erfordernisse an eine Kunsthalle gestellt werden könnten.

40 000 Euro gibt das Budget der Stadt für die erste Ausstellung her

Im nächsten Jahr, blickt Frings voraus, werde voraussichtlich ein ungenutztes Gebäude der ehemaligen Metallbaufirma Fredenhagen an der Sprendlinger Landstraße als Ausstellungsort dienen. Als geeigneten Standort kann er sich auch Immobilien auf dem Allessa-Gelände vorstellen. 40 000 Euro gibt das Budget der Stadt für die erste Ausstellung her. Weitere 10 000 steuert die Firma Areva bei. Der aus der KWU hervorgegangene Kraftwerksbauer, einer der größten Arbeitgeber in der Stadt, engagiere sich aus langer Verbundenheit mit Offenbach für das Projekt, sagt Areva-Niederlassungsleiter Stephan Krüger. Das Vorhaben, welches Industriekultur mit Moderner Kunst zusammenbringe, sei zudem Image fördernd für die Stadt.

Für Oberbürgemeister Horst Schneider ist der Bedarf für eine Kunsthalle in Offenbach „unabweisbar“. Mit den wechselnden Ausstellungsorten wolle man den Appetit wecken sowie die Ausdauer und Motivation fördern, an diesem Ziel zu arbeiten. Schließlich herrsche politischer Konsens bei dem Thema und man habe die Hochschule für Gestaltung und tolle Unternehmen in der Stadt. In Sachen Finanzierung hofft Schneider auf den Kulturfonds Rhein-Main sowie auf weitere Sponsoren.

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