Von Ökos und Akkus

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Initiator ist die Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB).

Offenbach ‐ Sich gesund ernähren, sich umweltschonend fortbewegen, dazu ressourcensparend wohnen und klimaverträglich reisen... Oh Mann, sensible Gemüter unter uns fehlbaren Menschen kriegen die Krise angesichts der Ratschläge, die eine Ökomesse für den Besucher bereit hält. Von Matthias Dahmer

Wen indes das schlechte Gewissen nur wenig plagt, der ist genau richtig auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei an der Rheinstraße, wo gestern Vormittag das Ambiente nur die Flugzeuge stören, die über die Köpfe der Anwesenden hinwegdonnern.

Die fünfte Auflage der Messe ist’s, welche die Besucher erst zum Nachmittag hin in größeren Zahlen lockt. Initiator ist die Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB). Rund 70 Stände zeigen, was so alles geht unter dem Siegel der Nachhaltigkeit: Parkett und Wein garantiert ohne Schadstoffe, der Schinken von glücklichen Schweinen, das Obst, der Honig, das Gemüse, die Gesichtscreme - alles Bio. Das sind die erwarteten Klassiker. Daneben versuchen Auto-Umrüster davon zu überzeugen, dass Auto- beziehungsweise Erdgas die bessere Variante ist, die Sonnenkraft lässt einen Brunnen plätschern und Wasser im Kochtopf kochen - auch das nicht wirklich neu, aber immer wieder interessant zu sehen und zu hören.

Mehr Fotos von der Umweltmesse:

Umweltmesse auf GOAB-Gelände

Die echte Magnet, der Trendsetter sozusagen, ist das Thema Elektromobilität. Vom Elektro-Klapprad über den E-Roller bis hin zum 4 200 Euro teuren Strom-Moped ist schon einiges im Angebot. Bei Motorrädern, erfährt der Besucher vom Fachhändler, ist man indes noch nicht so weit. Noch liefern die Akkus in akzeptabler Größe nicht die erwünschte Leistung. Zum Glück, mag sich so mancher denken. Denn beim Design unschlagbar ist die in der Sonne blitzende Royal Enfield. Ein Original-Nachbau des erstmals 1952 in Indien gebauten Motorrads. Vom ökologisch korrekten Fortbewegungsmittel ist der als Kontrapunkt hingestellte Zweirad-Oldtimer ungefähr so weit entfernt, wie ein Porsche Cayenne vom Segway.

Diese rollenden Podeste mit Lenkstange haben es den wagemutigen Neugierigen unter den Messegästen angetan. Eine kurze Einweisung und ein bisschen Körpergefühl und schon geht’s los. Schnell hat man den Bogen raus, beugt sich zwecks Tempo immer ein wenig weiter nach vorne auf dem kleinen Rundkurs. Am Ende der fünfminütigen Fahrt für einen Euro bleibt, wie etwa bei SOH-Chef Peter Walther, die Lust auf mehr. Und die Erkenntnis, dass es wohl noch einige Zeit braucht, bis sich lautloses Gleiten auf zwei, drei oder vier Rädern durchgesetzt hat.

Von der Schwierigkeit, Veränderungen in den Köpfen zu verankern, handelt auch ein Teil der Begrüßungsrede von Bürgermeisterin Birgit Simon. Zehn Jahre, sagt sie auf der Messe-Bühne, habe man gekämpft, um den Begriff der Nachhaltigkeit zu etablieren. Wie wichtig die Nutzung regenerativer Energieträger sei, zeige die Ölkatastrophe im Golf von Mexico.

Ökomesse hat sich zur Institution gemausert

In der Stadt Offenbach, so Birgit Simon weiter, zeugten viele Bausteine davon, dass man sich in Richtung Nachhaltigkeit bewege. Als Beispiel nannte sie das von der Stadt erstellte Solarkataster, das in den nächsten Wochen vorgestellt werde. Dem Gastgeber GOAB bescheinigte die Bürgermeisterin, die Ökomesse sei eine Einrichtung, die sich in den fünf Jahren zur Institution gemausert habe.

GOAB-Chef Jürgen Schomburg erinnert daran, dass 2004 das Gelände der Stadtgärtnerei bezogen und ein Jahr später erstmals die Messe veranstaltet wurde. Der Schauplatz der sechsten Auflage wird indes ein anderer sein: Das Areal am Buchhügel ist als Standort fürs neue Polizeipräsidium ausgeguckt. Wo 2011 die Ökomesse läuft, lassen die Offiziellen gestern offen. Wie zu hören ist, soll eine GOAB-Gelände in unmittelbarer Nähe des Wetterparks genutzt werden.

Dort sind vermutlich auch wieder Christian Böhm und sein Team vertreten. Geduldig und detailreicher, als es in einen solchen Bericht passt, erklärt der Abfallbeauftragte der GOAB, was man so alles klein kriegt. Vom Handy bis zum Riesen-Kühlschrank wird von rund 200 Mitarbeitern und Spezialmaschinen so einiges zerlegt, ausgeschlachtet und teilweise auf Körnergröße geschreddert oder in Pulverform gebracht. Pro Jahr packt man so um die 9 000 Tonnen an. Auch das ein Beitrag für die Umwelt.

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