Die Umweltzone kommt

Offenbach ‐ An einer Umweltzone, in der nach einer Übergangsfrist nur noch Fahrzeuge mit grüner Schadstoffplakette erlaubt sind, führt in Offenbach kein Weg mehr vorbei. Im nächsten Jahr wird es wohl soweit sein - entweder im kompletten Stadtgebiet oder in der Kernstadt ohne Bieber, Bürgel, Rumpenheim, Waldheim und Waldhof. Von Marcus Reinsch

Das sind die beiden Varianten, die der Magistrat erst dem Stadtparlament und dann dem Umwelt- und dem Verkehrsministerium des Landes als Offenbacher Beitrag zum „Luftreinhalteplan Ballungsraum Rhein-Main“ unterbreiten wird.

Über die Verbannung der Dreckschleudern hinaus listet das städtische Amt für Umwelt und Mobilität nächtliche Tempo-30-Limits in der Bieberer Straße zwischen Hebe- und Berliner Straße und in der Mainstraße zwischen Arthur-Zitscher- und Kaiserstraße auf. Auf letzterem Abschnitt stehen auch ein Lastwagen-Fahrverbot, die Erneuerung der Fahrbahn und eine Verlegung der Schiffsanlegestelle auf dem Wunschzettel. Die Öl- und Kohletanker, die dort teils mehrere Tage lang liegen, versorgen sich per Dieselmotor mit Energie. Das stinkt Anwohnern gewaltig. Ob die Schiffsverbannung flussauf- oder -abwärts die Luftqualität verbessern würde, soll das Land berechnen und dann gegebenenfalls beim Schifffahrtsamt ein Machtwort sprechen. Eine Alternative wären Starkstromanschlüsse am Ufer.

Strecken sind heute massiv luft- und lärmverpestet

Außerdem will die Stadt auf der Unteren Grenzstraße und in der Waldstraße zwischen Odenwaldring und Marktplatz die Ampeln mit Hilfe des neuen Verkehrsrechners so schalten, dass Autos und Busse langsam, aber kontinuierlicher als bisher vorankommen.

Alle diese Strecken sind heute massiv luft- und lärmverpestet. Messungen hatten dauerhafte Überschreitungen des 40-Mikrogramm-Grenzwertes für die Stickstoffdioxidkonzentration ergeben. In der Mainstraße sind es 57 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, in der Bieberer Straße 55, in der Unteren Grenzstraße 47 und in der Waldstraße 44. Stickstoffdioxid, erklärt die städtische Chemikerin Irene Haas, gelte quasi als „Leitsubstanz“ für Luftverpestung, könne die Atmung erschweren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen.

Der Zwang zur Benennung von Gegenmaßnahmen, der sich aus den Messergebnissen ergab, ist Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon höchst willkommen. Denn eine Umweltzone darf die Stadt nicht selbst beschließen; sie muss vom Land angeordnet werden. Um die Chancen auszuloten, hatte sich Simon schon vor einiger Zeit mit Ministeriumsvertretern besprochen.

Taktverdichtung der Linie 101

Folge sei ein Maßnahmenkatalog, der nicht nur die Kriterien des Umweltministeriums, sondern auch die des eher Autofahrers Interessen verpflichteten Verkehrsministeriums beherzige. Abzulesen sei das beispielsweise an der zwar wenig effektiven, nach einer Gewöhnungsphase aber wohl auszuhebelnden Beschränkung der Tempolimits auf die Nachtstunden. Und immerhin gehe es der Stadt ja, anders als dem Land, immer um Luftverbesserung und Lärmminderung zugleich.

Diesem Doppelziel dienen auch weitere Vorschläge, die das Umweltamt ins Konzept geschrieben hat. Dazu gehören etwa die Werbetrommel fürs Bus- und Bahnfahren, die Taktverdichtung der Linie 101, die Verbesserung von Bahn-Bus-Anschlüssen, der Ausbau des Radwegenetzes samt Abstellanlagen, die Förderung von Fahrgemeinschaften, die Bevorzugung von Fußgängern und Radlern bei der Straßengestaltung und viele Punkte mehr. Teilweise sind sie deckungsgleich mit dem allumfassenden städtischen Verkehrsmanagementplan, teilweise sind sie auch neu.

Wie der Vorschlag, die Stellplatzsatzung zu modifizieren. Bauherren müssten dann weniger Autostellplätze als bisher nachweisen. Wer kein Platz mehr für ein Auto hat, das ist der Plan, der wird schon aufs Rad umsteigen.

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