Trotz Zweifel an Wirksamkeit

Umweltzone kommt: „Zeitlicher Druck ist enorm“

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Offenbach - Die Umweltzone in Offenbach wird aller Voraussicht nach kommen – noch vor dem Jahr 2015. Von Veronika Schade

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte im November vergangenen Jahres das Land Hessen verklagt mit der Begründung, nicht genug effektive Maßnahmen zur Luftreinhaltung in Offenbach eingeführt zu haben. „Seit 2010 gibt es den Luftreinhalteplan. Offenbach ist die einzige Stadt in Hessen, in der er immer noch den Status eines Entwurfs hat“, moniert Bürgermeister Peter Schneider (Grüne). Aufgrund der Klage und des Farbwechsels in der hessischen Regierung wird es für die Umsetzung des Reinhalteplans laut Schneider keine Fristverlängerung mehr geben. „Bis 2015 müssen alle seine Ziele umgesetzt werden. Auch in Offenbach.“ Die EU sieht vor, bis zu diesem Zeitpunkt die Schadstoffe in den Städten unter die europaweiten Grenzwerte zu drücken.

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Rückenwind für Umweltzone

Diese liegen für Stickstoffdioxid bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Offenbacher Messstationen an Mainstraße, Bieberer und Unterer Grenzstraße zeigen regelmäßig erhöhte Werte. Besonders belastet ist die Untere Grenzstraße. „Die zulässige CO2-Konzentration wird dort um bis zu 30 Prozent überschritten. 2012 wurden mal 51 Mikrogramm gemessen“, berichtet Schneider. Das entspreche den Belastungen der Friedberger Landstraße in Frankfurt und der Hügelstraße in Darmstadt. Beide Städte haben die Umweltzone eingeführt.

Umweltzone allein reicht nicht aus

Daten von der Messstation an der Unteren Grenzstraße sind kontinuierlich im Internet abrufbar.

Die Hauptursache für die erhöhte Stickstoffbelastung ist der Straßenverkehr. Dass sich daran etwas ändern muss, will man sauberere Luft erreichen, liegt auf der Hand. Dennoch: Eine vom Land Hessen in Auftrag gegebene Wirkungsanalyse möglicher Maßnahmen, die das Rodgauer Ingenieurbüro Habermehl und Follmann in Darmstadt ausgeführt und Umweltministerin Priska Hinz vorgelegt hat, zeigt: Die Einführung einer Umweltzone allein reicht nicht aus, um die Schadstoffbelastung unter die gesetzlichen Grenzwerte zu drücken.

Bei Wegfall eines Lkw-Durchfahrtverbots verringern sich die CO2-Werte nach Einführung einer Umweltzone um null bis zwei Prozent. Besteht ein Durchfahrverbot für Lkw, sinkt die Belastung um zwei bis drei Prozent. Wird es ausgeweitet, reduziert sich die Stickstoffdioxidkonzentration um zwei bis fünf Prozent. Sogenannte Pförtnerampeln, die dafür sorgen, dass bei erhöhter Schadstoffbelastung weniger Autos in die Stadt einfahren können, minimieren das Stickstoffdioxid um ein bis neun Prozent. Als mit Abstand sinnvollste Maßnahme mit einer CO2-Reduktion um acht bis 15 Prozent erweist sich nach der Studie eine City-Maut, wie es sie in London oder Mailand gibt.

„Für Offenbach ist eine City-Maut abwegig“, weiß Schneider. Dass aber mehr Maßnahmen erforderlich sind als „nur“ die Einführung einer Umweltzone, ist ihm klar. Ein Katalog liegt bereit – vom nächtlichen Lkw-Durchfahrverbot über eine Taktverdichtung der Buslinie 101 in der Hauptverkehrszeit bis zur Förderung von Fahrgemeinschaften. „Offenbach ist eine Stadt der kurzen Wege. Es ist sinnvoll, sich mit dem ÖPNV zu bewegen“, plädiert der Bürgermeister, dessen großer Wunsch eine Rhein-Main-weite Umweltzone ist. „Ich bin kein Freund der Kleinstaaterei.“

Er warte darauf, dass das Umweltministerium den Luftreinhalteplan in Offenbach umsetze. Die Stadt stehe in engem Kontakt mit dem Ministerium wie auch mit der Offenbacher IHK, die den Plänen, ebenso wie die FDP, skeptisch gegenüber steht (wir berichteten). „Wir haben unterschiedliche Sichtweisen auf die Wirkungsgrade“, formuliert es Schneider. Doch er ist sicher, dass eine Entscheidung bald bevorsteht: „Der zeitliche Druck ist enorm.“

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