Burgilla feiert sommerlich

Jubiläums-Umzug mit mehr als 1000 Teilnehmern

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Die toll kostümierten Frauen des Wassersportvereins Bürgel bereicherten gestern den Jubiläums-Umzug, der aus mehr als 1 000 Teilnehmern bestand. Laut Polizei haben über 2000 Menschen am Straßenrand den Vorbeimarsch von Fußgruppen, Kapellen und Karnevalvereinen verfolgt.

Offenbach - Erleichterung steht dem Vorsitzenden der Ranzengarde ins Gesicht geschrieben. Eben haben die letzten Nummern ihren Zug durch Burgilla beendet. „Geschafft“, sagt Tobias Stephan. Von Harald H. Richter 

„Ohne das zwölfköpfige Organisationskomitees und viele freiwillige Helfer wäre das nicht zu stemmen gewesen.“ Im Zelt auf dem Mainvorgelände, wo am Sonntag ein Gottesdienst den Auftakt gemacht hat, greifen am Umzug beteiligte Musikanten erneut zu den Instrumenten. Laut Polizei haben mehr als 2000 Menschen den Vorbeimarsch von Fußgruppen, Kapellen und Karnevalvereinen verfolgt, dem Ehrenrat und früheren Kinderprinzen zugewinkt. Mittendrin die Elf Babbscher aus Obertshausen und der Till, eine Teenager-Spätlese und die toll kostümierten Frauen des Wassersportvereins von 1923. Mit ihrer Teilnahme drücken SKG Rumpenheim, Gospel Singer und Vespa-Club ihre Verbundenheit aus. Der Theaterclub Elmar läuft mit und der Kolping-Elfer ebenso. Alle sind frohgelaunt und die Temperaturen erträglich. Anders als am Eröffnungsabend. Da stehen Schweißperlen auf Stephans Stirn. Gleich muss er den Fassbieranstich meistern, ohne sich zu blamieren. Seine Sorge ist unbegründet, es klappt pannenfrei. Fünf Schläge braucht Stephan, dann ergießt sich schäumender Gerstensaft in den Krug und er ruft mit Wolfgang Zühlke vom Festausschuss im ausverkauften Zelt: „O’zapft is‘!“

Die Trachtengaudi kann beginnen. Das Partyvolk johlt und jubelt, als die sechs kernigen Kerls der Münchner Zwietracht die ersten Akkorde anstimmen. Die nach eigenem Bekunden populärste Oktoberfest-Band der Welt muss das Zelt nicht zum Kochen bringen, die Luft steht sowieso. Madeln und Buam schwitzen um die Wette nach den ersten Tanzrunden. Es gilt kein Dresscode, doch dominieren Dirndl, Karohemd und Krachlederne. Außerdem verleiht solche Aufmachung zusammen mit der weiß-blauen Tisch- und Zeltdekoration dem bajuwarischen Motto Authentizität. Schon nach den ersten Titeln stehen Feierwütige auf den Bänken. Das Repertoire der Stimmungskanonen um Bandleader Wolfgang Köbele ist unerschöpflich. Ein Trink- und Stimmungslied reiht sich ans nächste, Gassenhauer wechseln mit Schlagern. Mitsingen fällt nicht schwer. Ein Medley der schönsten Wiesn-Lieder strapaziert die Stimmbänder. Das liefert den Vorwand zur Bestellung kühler Erfrischung im Literkrug.

XXL-Galerie zum Umzug der Bürgeler Ranzengarde

Außer Puste, aber in Hochstimmung gönnen Melanie und Sabina sich eine Auszeit am Sektstand. Die jungen Frauen aus Franken sind eigens wegen der Münchner Zwietracht gekommen. „Ein tolles Erlebnis, eine Atmosphäre, die auf dem Oktoberfest nicht besser sein könnte“, sind sie sich einig. Der Prädikatsstempel lässt sich dem Samstag aufdrücken. Da stehen der Hanauer Andy Ost und die Coverband Abba 99 auf der Bühne. Zwar sind die Reihen nicht so dicht gefüllt, was der guten Laune aber keinen Abbruch tut. Gleichwohl macht der Geräuschpegel es dem Künstler nicht leicht, sein Programm akustisch nach hinten durchzustellen. „Pädagogisch wertvoll“, so DJ Uwe, schießt Ost ein Trommelfeuer aus Bandwurmsätzen ab, setzt Pointen und parodiert drauflos. Hintersinnige Lebensbeichten über Beziehungsgeflechte sowie sinnfreie Werbebotschaften von Flusspferden, die zur Hippo-Bank gehen, und von Schnecken auf Kriechspur über die Autobahn („Ihr Weg wird ein schleimiger sein“) garantieren ihm Lacher.

Danach heißt es legendären Schweden-Sound aus den 70ern zu genießen. Auch ohne Discokugel ersteht die Glam- und Glitzerwelt wieder auf. Mit überzeugender Bühnenshow und in Outfits von damals bringen Vera Klima, Alexandra Sieber, Mani Gruber und Basti Walcher mit Andy Lind (Schlagzeug) und Andi Bauer (Bass) jene Lebensfreude zurück, die viele mit ihrer Jugend in Verbindung bringen. Textzeilen von „Mamma Mia“ bis „Knowing Me, Knowing You“ erschallen aus Hunderten Kehlen. Frohsinn pur: Burgilla lacht nicht nur zur Fassenacht!

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