Bürgerbüro zieht um

Minutiös vorbereitet

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Mittwoch, kurz nach zehn: Bahn frei! Amtsleiterin Martina Fuchs und Kundenberaterin Jennifer Willand (rechts) drücken sich an die gepackten Umzugskartons, während ein Mitarbeiter der Umzugsfirma einen Schrank zum Schrägaufzug rollt. Ein Stockwerk tiefer läuft das Tagesgeschäft im Bürgerbüro uneingeschränkt weiter.

Offenbach - „Wo stehen wir ?“, fragt Horst Maurer, der im Hauptamt den Umzug des Bürgerbüros koordiniert. Das klingt keinesfalls besorgt, eher interessiert. Es bezieht sich nicht auf eine Örtlichkeit, sondern auf den Zeitplan. Alexander Witzel lächelt. Von Martin Kuhn 

„Einen Tag Puffer haben wir rausgeholt“, verkündet der Fachinformatiker für Systemintegration mit einem leichten Nicken. Signalisiert: Gut so. Ihm kommt bei der Aktion eine nicht ganz unwichtige Aufgabe zu. Am kommenden Montag, 24. November, müssen Datenverarbeitung und -austausch reibungslos laufen, wenn die ersten Offenbacher ihre Angelegenheiten an neuer Stelle vorbringen – im Bernardbau an der Herrnstraße.

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Auch Amtsleiterin Martina Fuchs zeigt sich unaufgeregt an diesem Mittwochmorgen. Noch gut zwei Stunden, dann schließt das Bürgerbüro, zentrale Anlaufstelle mit 96.634 Kundenkontakten allein im vergangenen Jahr, für zwei Tage. Sie sagt: „Wenn ich aufgeregt umherlaufe, überträgt sich das auf alle Mitarbeiter.“ Das leuchtet ein. Aber so entspannt wie gestern ist es wohl nicht die ganze Zeit gelaufen. Seit acht Wochen bereitet Fuchs mit ihrem Team den Umzug vor: Was kommt in welchen Karton?  Wann können die Akten weg? Oder ganz banal: Wo stecken bloß die Kaffeetassen?

An einigen Türen hängen handschriftliche Laufzettel. Mitarbeiter studieren Pläne, haken Aufgabenlisten ab, die Umzugsfirma manövriert einen Schrank nach dem anderen, um sie per Schrägaufzug aus den Büros in der ersten Etage zu befördern – ein offenbar endloser Fluss. „Frau Fuchs“, unterbricht eine Mitarbeiterin. Es folgt wohl die in den vergangenen Tagen am häufigsten gestellte Frage: „Wo ist denn eigentlich...?“ Eine Urlaubssperre ist nicht verhängt. Im Trauermonat November haben drei von 45 Mitarbeitern Urlaub beantragt, der Rest will den Umzug nicht verpassen, „Dass ein komplettes Amt umzieht, ist ja eher ungewöhnlich und spannend.“

Die Verkabelung der Rechner im Bernardbau – hier ein Blick in die nicht-öffentlichen Räume – ist bestens vorbereitet.

Ein Umzug gilt ja gemeinhin als der geeignete Augenblick, sich von überflüssigen oder nicht mehr benötigten Sachen zu trennen. Das trifft aber wohl nicht auf eine Behörde zu, oder? „O doch“, betont Martina Fuchs. Sie führt auch gleich ein Beispiel an: Der ministerielle Erlass von 1961, den die Amtsleiterin in einem Ordner gefunden hat, macht den Umzug in den Bernardbau nicht mit – er wandert durch den Reißwolf ins Altpapier. Dieses Vorgehen würde vermutlich der eine oder andere Offenbacher begrüßen, über den eine sogenannte Führerscheinakte angelegt ist. Die enthält alles, was mit einem Entzug der Fahrerlaubnis einher geht. Das kann aus gesundheitlichen Gründen passieren oder nach dem Konsum von Alkohol oder anderen Drogen. Die Akten füllen alphabetisch geordnete mehrere Dutzend Umzugskartons, die bis zum letzten Moment zugänglich bleiben müssen – etwa für Anfragen von Gericht und Polizei.

Bei der Verladung dieser sensiblen Dokumente ist ein Mitarbeiter stets anwesend. Das gilt erst recht für Dienstsiegel, Blankodokumente, Bargeld. Die werden in verschließbaren Metallcontainern an die Herrnstraße 61 gebracht und wandern in den Tresor. Ansonsten gehen alle davon aus, dass am Montag um 8 Uhr alles funktioniert. Gestern leuchten bereits die Kennungen des elektronischen Aufrufsystems auf: M-043, K-033. Dank städtischem Netzwerk parallel im Rathaus und im Bernardbau.

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