Das Unbehagen hält an

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Zum Greifen nahe sind vom Bürgeler Mainbogen aus die mächtigen Anlagen der Allessa Chemie in Fechenheim. In Bürgel und Rumpenheim befürchtet man durch das neue Braunkohle-Kraftwerk des Unternehmens noch mehr Belastungen für die Umwelt.

Offenbach - Es ist so etwas wie die gefühlte Machtlosigkeit der im Unklaren Gelassenen, die gestern in Offenbach die Reaktionen auf die Genehmigung des Allessa-Kraftwerks prägen. Von Matthias Dahmer

Wohl niemand mehr hegt nach der Entscheidung des Regierungspräsidenten (RP) Zweifel daran, dass die Fechenheimer ihre 19,99 Megawatt-Braunkohle-Anlage bauen werden. Doch unabhängig von der Frage, ob diese eine emmissionsarme Einrichtung oder eine Dreckschleuder sein wird, ist der Groll unverändert groß. Darüber, dass es während des gesamten Genehmigungsverfahrens null Informationen für die Öffentlichkeit gab.

Die ist von dem Kraftwerk wegen der vorherrschenden Windrichtung vor allem auf der anderen Mainseite in Bürgel und Rumpenheim betroffen. „Mich stört, dass keiner was gesagt hat“, meint Michael Meier, Vorsitzender des Vereins Pro Bürgel. Deshalb könne er nicht mal mit Sicherheit sagen, ob er für oder gegen die Anlage sei.

Zwei neue „Drecksschleudern“

Verwundert ist der Pro-Bürgel-Chef zudem darüber, dass ein genehmigtes und funktionierendes Kraftwerk des Unternehmens auf dem Allessa-Gelände in Offenbach „unter Vernichtung aller dortigen Arbeitsplätze abgegeben wird, um in der Hauptwindrichtung zwei kleine Dreckschleudern neu zu errichten“. Maier, der zugleich CDU-Stadtverordneter ist, sieht trotz der Entscheidung, noch Chancen, etwas zu tun. Als ersten Schritt könnte er sich eine Informationsveranstaltung für die Betroffenen im Mainbogen vorstellen.

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Auf Gespräche setzt auch Heinz Meier-Ebert, Frontmann der Bürgerinitiative Rumpenheim. Sowohl mit der BI „Zukunft Fechenheim“ als auch mit Allessa. Das Unternehmen habe solche Gespräche den Bürgerinitiativen angeboten. Die Anlage selbst sieht Meier-Ebert mit „gemischten Gefühlen“, die rechtlichen Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, hält er für sehr begrenzt.

Dass bei dem Genehmigungsverfahren mit seinen technischen Feinheiten alles nach Recht und Gesetz abgelaufen ist, will auch Michael Beseler nicht anzweifeln. Weshalb der Kämmerer, der gestern die urlaubsbedingt abwesenden Offenbacher Rathausspitzen vertritt, den politischen Versuch, etwas zu tun, zwar unternehmen würde, ihm aber wenig Chancen einräumt.

Aus der Genehmigung Lehren ziehen

Vielmehr hält es Beseler für dringend geboten, Lehren aus der Genehmigung zu ziehen. Dass nämlich solche und ähnliche Anlagen in der dicht besiedelten Region künftig nicht mehr als Einzelprojekte gesehen werden dürften. „Wir kämpfen gegen den Feinstaub, haben die Flugzeuge über uns und das Kraftwerk neben uns. Man muss künftig stärker die kombinierte Wirkung der Dinge berücksichtigen, kann sie nicht mehr isoliert betrachten“, so Beseler.

Dazu gehört für ihn auch, dass der Informationsfluss in Zukunft besser sein muss. Frankfurts grüne Umweltdezernentin Manuela Rottmann, so Beseler, habe seit langem über das Vorhaben Bescheid gewusst.

Die so kritisierte gibt sich gestern kämpferisch. Bezeichnet die Genehmigung für das Kraftwerk in einer Stellungnahme als „Rückschritt für die Umwelt und für den Industriestandort Frankfurt“ und schließt rechtliche Schritte gegen die Genehmigung nicht aus (siehe Bericht auf dieser Seite).

„Vom Regierungspräsident verschaukelt“

Werner Scholz, Pressesprecher der Bürgerinitiative „Zukunft Fechenheim“, findet deutliche Worte zu der erteilten Genehmigung: „Die Bürger in Fechenheim und Umgebung werden vom Regierungspräsident verschaukelt. Sie erleben bodenlose Ignoranz und fühlen sich lächerlich gemacht.“ Kein Wort werde darüber verloren, dass auf dem Gelände noch weitere Kessel stehen; kein Wort darüber, ob man dies bei der Betrachtung der Umweltverträglichkeit im Genehmigungsverfahren berücksichtigt habe, kritisiert der BI-Sprecher unter anderem.

Die Offenbacher Grünen sehen in dem gesamten Verfahren eine Behinderung des Umweltinformationsrechtes und fordern Bürgerbeteiligung und Akteneinsicht. Sie wollen prüfen lassen, welche rechtlichen Schritte jetzt möglich sind. Und: „Wir fordern Allessa auf, von der Braunkohlenutzung Abstand zu nehmen und alle Informationen offen zu legen“, sagt Fraktionschef Peter Schneider.

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