Die unermüdlichen Werber

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Auf der Website der Stadt Offenbach stellt die Wirtschaftsförderung ihr Aufgabenfeld dar.

Offenbach ‐  Es gibt Jobs, in denen der Erfolg nicht so ohne weiteres messbar ist. Der von Jürgen Amberger gehört dazu. Weshalb der städtische Wirtschaftsförderer auch ausholen muss, um zu erklären, wie das funktioniert mit dem Werben um neue Firmen für die Stadt und dem Pflegen und Streicheln bereits ansässiger Unternehmen, auf dass diese Offenbach nicht den Rücken kehren. Von Matthias Dahmer

Wie's damit geklappt hat in den vergangenen Monaten, steht im Jahresbericht der Wirtschaftsförderung. Der ist Bilanz und Marketinginstrument zugleich, weil er auch an potenzielle Investoren verschickt wird.

Amberger stellte das 33 Seiten umfassende Werk gestern zusammen mit seinem Chef Oberbürgemeister Horst Schneider vor. Natürlich stand das Eigenlob präsentiert in Form von Zahlen im Vordergrund: So kann vermeldet werden, dass bis Ende November 130 Neuansiedlungen gezählt wurden. Eine vergleichsweise hohe Anzahl, waren es im entsprechenden Zeitraum 2008 doch nur 75. Auch die Zahl der Arbeitsplätze ist mit knapp 600 deutlicher gestiegen als im Jahre 2008, als 450 neue Jobs registriert wurden.

Und wie viele Betriebe sind abgewandert, haben aufgegeben? Darüber, bedauert Amberger, wird keine Statistik geführt. Mit der Insolvenz des Hotels Golden Tulip am Kaiserlei und dem Lederwarenhersteller Goldpfeil kann der Wirtschaftsförderer dann doch Beispiele nennen. Das, sagt er, sei aber keinesfalls auf Standortprobleme zurückzuführen.

Als einen Indikator funktionierender Wirtschaftsförderung sieht Amberger die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse. Sie sind im Vergleich zu 2008 nahezu konstant geblieben. Zum 31. März 2009 waren es 45 144, im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 45 107 unwesentlich weniger. „Das heißt, wir haben den Strukturwandel ganz gut hingekriegt“, interpretiert der Wirtschaftsförderer die Zahlen.

Augenfälligste Ansiedlung des Jahres ist das Einkaufszentrum KOMM, das mit seinen 50 Läden und 250 Beschäftigten auch das Umfeld aufgewertet hat, wie Amberger betont. Doch nicht nur schiere Größe zählt: Auch Firmen wie das Designstudio Sensory Minds mit seinen 20 Mitarbeiter, das am Nürburgring den größten Touchscreen der Welt gebaut hat, sind ein Pfund, mit dem Offenbach wuchern kann.

Das wichtigste Instrument der Wirtschaftsförderung, die „beste Ansiedlungswerbung“, sagt Amberger, ist die Bestandspflege. Hier halten sich er und sein sechsköpfiges Team vor allem zugute, dass die Axa-Versicherung mit ihren 330 Mitarbeitern in der Stadt geblieben ist. Sie hat nun im Haus der Wirtschaft ihr Domizil.

Wohlgefällig blickt die Wirtschaftsförderung auf die Kreativen in der Stadt. Um deren Arbeit zu stärken, wurde die Offenbacher Werbeagentur Hilt Griesbaum mit einer Marketing-Kampagne beauftragt. Deren Kern wird aus einem Mix von Internet- und klassischer Werbung sowie Veranstaltungen bestehen, verrät Amberger. Für die Kampagne wurde der bislang 80.000 Euro schwere Jahresetat der Wirtschaftsförderung um 100.000 Euro aufgestockt. Zusammen mit den rund 30.000 Euro, die der städtische Anteil an der neuen HfG-Stiftungprofessur ausmacht, verfügen die Wirtschaftsförderer über mehr als 200.000 Euro.

Trotz eines konjunkturell eher trüben Ausblicks auf 2010 beschreibt der Oberbürgermeister in Sachen Wirtschaftsförderung seine Stimmungslage fürs nächste Jahr mit „dezenter Optimismus“.

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