Kindheitsträume und Lieblingsspeisen

Unerwartetes Fragefeuerwerk für OB-Kandidaten

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Gute Laune herrschte bei den OB-Kandidaten (von links) Elke Kreiss (Linke), Muhsin Senol (Forum Neues Offenbach), Helge Herget (Piraten), Peter Schneider (Grüne) und Felix Schwenke (SPD) bei der Fragerunde des Offtopia-Festivals in der Afip.

Offenbach - Um Gegenwartsfragen und Zukunftsmodelle fürs Leben in der Stadt drehte sich am Wochenende das Utopie-Festival „Offtopia“ in der Akademie für interdisziplinäre Prozesse (Afip). Auch die Politik bekam Entfaltungsraum. Von Harald H. Richter 

Das bisher ungewöhnlichste und amüsanteste Kandidatenwetteifern um das Amt des Oberbürgermeisters findet in Wohlfühl-Wohnzimmeratmosphäre statt. Umstellt vom Lampenschirm-Charme der 70er Jahre und auf schlichten Holzstühlen platziert, sehen sich fünf Bewerber einem unerwarteten Fragenfeuerwerk von Festival-Initiatorin Julia Diehl und Afip-Gründer Lutz Jahnke ausgesetzt, das knappe und verblüffende Antworten zutage bringt. Elke Kreiss (Linke), Muhsin Senol (Forum Neues Offenbach), Helge Herget (Piraten), Peter Schneider (Grüne) und Felix Schwenke (SPD) stehen dafür jeweils nur 60 Sekunden zur Verfügung. Gelegentlich werden sie wegen Zeitüberschreitung durch Warnhupen- und Beckensignale von Schiedsrichterin Annette ausgebremst, überstehen die insgesamt sechs Runden aber unbeschadet.

Die Heimstätte der Akademie für interdisziplinäre Prozesse (Afip) am Goetheplatz ist aus Anlass des „lokalen Kanzlerduells“ von interessiertem und feierfreudigem Publikum gefüllt. Es erfährt einiges über die private Seite der Bewerber, zumal deren politische Vorstellungen hinlänglich bekannt sind. „Eisdielenbesitzer war mein Kindheitstraum“, offenbart Felix Schwenke. „Weltverbesserer wollte ich schon immer werden“, gesteht Peter Schneider und wünscht sich eine grüne Kanzlerin. Der Zwischenruf aus dem Publikum, man habe doch schon eine, sorgt für Heiterkeit.

Helge Herget wiederum sähe sich gern als Tangokönig. In einer Stichwort-Temporunde favorisiert Elke Kreiss Schnitzel statt Döner, Muhsin Senol zieht das Fahrrad dem Auto vor. Per Applausmessung gelangen Schwenke und Schneider in die Stichwahl, aus der der Grüne Bürgermeister als Sieger hervorgeht. Ob das ein Fingerzeig für die eigentliche Wahl im September ist, kommentieren die Finalisten schmunzelnd, zumal CDU-Kandidat Peter Freier zum munteren Wettstreit bei der Afip gar nicht angetreten ist.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Zwei Tage feiert die Initiative für Kultur, Forschung und Lehre sich selbst. Immer wieder entstehen dort Projekte und Untersuchungen zur Formung und Förderung existenzieller Strömungen des 21. Jahrhunderts. Visionäres Nachvorneblicken ist deren Kennzeichen. „Offtopia“ nennt die Afip daher auch ihr zum sechsten Geburtstag aus spannenden Formaten zusammengesetztes Festivalprogramm, zu dem künstlerische Installationen und Performances ebenso gehören wie Vortrag und Workshop zur Interaktion von Mensch und Maschine sowie eine Lesung zu den utopischen Potenzialen der Lyrik. Auch Musik fehlt nicht.

Am Freitagabend nehmen Marina Kampka, Paola Wechs und Kai Schmidt Historie, Gegenwart und Zukunft des Offenbacher Hauptbahnhofs in den Fokus und beleuchten die wechselvolle Geschichte des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplexes im Achseneckpunkt der Kaiserstraße. Das Initiativ-Trio unterstützt das Ziel, die Liegenschaft als gemeinwohlorientierte Immobilie zu bewahren und möchte Denkanstöße für eine künftige Nutzung geben.

Nach wie vor im DB-Besitz, aber zusehends vernachlässigt, fristet das Innere des einstmals schmucken Empfangsgebäudes ein ödes Dasein. „An diesem Ort des Ankommens in Offenbach beginnt die Stadterschließung“, mahnt Wechs und verweist darauf, dass der Bahnhof für täglich rund 1500 Fußgänger Durchlaufstation ist. Auch deshalb ermuntern die Aktivisten zum aktiven Mitwirken, etwa bei einem Zukunftstreffen, wo auch der Immobilienerwerb diskutiert werden sollte.

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