Unerwünschte Kreativität

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So hat sich Rathaus-Chef Horst Schneider die Kreativstadt Offenbach vermutlich nicht vorgestellt: Mit diesen Handzetteln sind die Kritiker des Wilhelmsplatz-Umbaus an die Öffentlichkeit gegangen.

Offenbach ‐ Sie sind bunt aufgemacht, werden seit gestern rund um den Wilhelmsplatz verteilt und ärgern die Stadt: Handzettel, mit denen die Offenbacher zu Spenden aufgerufen werden, um einen Springbrunnen für Oberbürgemeister Horst Schneider auf dem Wilhelmsplatz zu ermöglichen. Von Matthias Dahmer

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Die Handzettel sind einer Info der Stadt nachempfunden, auf der für den Platz-Umbau geworben und der Zeitplan der Bauarbeiten skizziert wird. Die Überschrift auf dem Original lautet „Unser Wochenmarkt hat Zukunft“. Dort, wo jetzt „..Denkmal ..Mahnmal, ..Erinnerung“ prangt, steht auf der städtischen Ursprungs- kärtchen „Frische, Vielfalt, Qualität“.

Das Werk, das nun im Herzen der Kreativstadt Offenbach aufgetaucht ist, stammt aus den Reihen der Umbau-Kritiker, wie sie unumwunden zugeben. Es wurde in einer vierstelligen Auflage gedruckt und soll als „Gegenpropaganda“ zur städtischen Info verstanden werden.

Entstanden ist die Idee bei Stammtisch-Gesprächen, zu denen man seit Beginn der Umbau-Arbeiten immer häufiger zusammenkomme, heißt es. „Wir werden die Diskussion bei den Bürgern weiter am Laufen halten. Das hat Herr Schneider offenbar unterschätzt“, geben sich die Kritiker weiter kämpferisch.

Mit offenem Visier Spendenkonto eröffnen

Im Rathaus ist der gewaltige anfängliche Ärger einer gewissen Gelassenheit gewichen. „Oberbürgermeister Schneider ist gerne bereit, aus seinem Portemonnaie als erster 100 Euro für den Brunnen zu spenden“, sagt Stadtsprecher Matthias Müller. Wenn die Initiatoren des Aufrufs ihr Anliegen ernst meinen, so Müller, dann wäre es hilfreich, mit offenem Visier ein Spendenkonto zu eröffnen. Müller: „Die Stadt wird die Details der steuerlichen Abzugsfähigkeit unverzüglich klären und würde für dieses Anliegen auch mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln werben.

Grenzwertig und nur noch schwer unter der Rubrik „zulässige Satire“ einzuordnen ist indes der Abdruck der Handynummer eines städtischen Mitarbeiters auf der Rückseite der Karte, unter der man angeblich weitere Infos zur Spendenaktion erhält. Die Nummer war ebenfalls auf dem Original angegeben.

Da versteht Stadtsprecher Müller keinen Spaß mehr. Die Handynummer anzugeben, sei verantwortungslos, weil unter dieser Nummer Anliegern und Marktbeschickern schnell geholfen werden solle, wenn es auf der Baustelle zu Behinderungen komme. Im Notfall könne eine Blockade der Rufnummer durch irregeleitete Spender ernste Konsequenzen haben.

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