GVV und Iduna wollen nicht zahlen

Bei Unfall: Im Bus schlecht versichert

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Wohl dem, der bei einem Unfall in oder mit einem Bus der Offenbacher Verkehrsbetriebe nicht in die Mühlen der Versicherungszuständigkeiten gerät. (Unser bg-Archivfoto zeigt einen Unfall vom 6. Dezember 2010).

Offenbach - Am 26. Januar ist es genau zwei Jahre her: Der Offenbacher Gerhard Bielinski sitzt ganz vorne in einem Bus der Linie 101, der die Waldstraße stadteinwärts befährt. Von Thomas Kirstein

An der Kreuzung mit Rowenta- und Schreberstraße muss der Busfahrer eine Notbremsung hinlegen, weil er von einem überholenden Rechtsabbieger geschnitten wird. Bielinski kracht mit Unterarm und Schädel auf den Haltebügel. Einen Tag später attestiert der Arzt starke Prellungen und bescheinigt Arbeitsunfähigkeit. Für den selbständigen Orgellehrer heißt das Verdienstausfall. Den beziffert er auf 525 Euro. Ein Offenbacher Versicherungsfachmann empfiehlt ihm, Schmerzensgeld von 800 Euro geltend zu machen. Inklusive vorgelegter Gebühren macht das eine Forderung von 1365 Euro.

Auf die Überweisung wartet der 50-Jährige immer noch. Als zu Schaden gekommener Fahrgast der Offenbacher Verkehrsbetriebe zu seinem Recht zu kommen, gestaltet sich weitaus schwieriger, als er es gedacht hat. Momentan, im Januar 2013, wirkt es gar, als würde Gerhard Bielinski ganz leer ausgehen. Am Ende der Versicherungskette sieht man sich jedenfalls nicht zu einer Zahlung verpflichtet.

Verfahren gegen Busfahrer wegen Beleidigung

Im Januar 2011 wendet sich Bielinski zunächst an die Offenbacher Verkehrsbetriebe. Die Stadt-Firma gibt den Fall weiter an die GVV Kommunal-Versicherung, eine nicht auf Profit ausgelegte reine Mitgliederversicherung für Städte, Gemeinden, Kreise, kommunale Unternehmen und Sparkassen. Ein Vierteljahr später, am 26. Mai 2011, teilt die GVV Bielinski mit, dass sie sich nicht für zuständig halte. Er möge sich mit seinen Ansprüchen doch an die Signal Iduna wenden. Bei der sei der Fahrer des Personenwagens versichert, der den Bus zur Vollbremsung genötigt habe. Gegen den Fahrer laufe auch noch ein Strafverfahren.

Dieses betrifft, wie sich später herausstellt, allerdings nicht den Unfall direkt, sondern die massive Beleidigung des Busfahrers. Bielinski hat an Ort und Stelle dazu bei der Polizei ausgesagt. Am 12. Oktober – jetzt schon 2012 – schreibt ihm die GVV, dass er von der OVB nichts zu erwarten habe: „Nach Einsichtnahme in die amtliche Ermittlungsakte sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass ein Anspruch auf Schadenersatz gegenüber unserem Mitglied nicht gegeben ist.“ Zu diesem Zeitpunkt zackert Bielinski schon länger mit der Signal Iduna herum, die er selbst mit einer Schilderung des Falls, Kontaktdaten und seinem ärztlichen Attest versorgen muss.

Widersprüchliche Angaben der Iduna

Die Iduna weist mehrfach darauf hin, dass sie erst Einblick in die Ermittlungsakte nehmen müsse. Dann herrscht Funkstille. Am 10. Januar 2013 bittet unsere Zeitung um Stellungnahme. Die überraschende Antwort folgt am 12. Januar: Die Akte habe man Ende März 2012 erhalten; daraus gehe hervor, dass Herr Bielinski bei der Aufnahme des Unfalls gegenüber der Polizei keine Verletzung erwähnt habe; dem Iduna-Kunden, der die Vollbremsung verursacht habe, sei deswegen keine Körperverletzung zur Last gelegt worden; der „Beweis, dass Herr Bielinski durch dieses Ereignis eine Verletzung erlitten hat, wurde daher nicht erbracht“.

Tatsächlich muss das einen Tag nach dem Unfall erstellte ärztliche Attest auch der Iduna vorliegen. Bielinskis Pech auch für das weitere Vorgehen: Er ist weitgehend auf sich gestellt, ohne Rechtsschutzversicherung kann er sich keine anwaltliche Autorität leisten; bei der Formulierung des Schriftverkehrs in seinem Namen hat ihm ein in der Versicherungsbranche tätiger Bekannter geholfen.

GVV schweigt bislang

Dieser Fachmann, der nicht genannt werden möchte, äußert dann auch völliges Unverständnis sowohl über die Iduna als auch über die GVV: Die müsste seiner Ansicht nach vorbehaltlos den Schaden begleichen, da dieser schließlich in einem Fahrzeug der OVB angerichtet wurde. Dann könne das Geld ja bei der Iduna geltend gemacht werden. „Es kann ja nicht sein, dass so was zu Lasten des Betroffenen geht und der Schwarze Peter einfach weitergereicht wird“, meint der Offenbacher Experte.

Was die GVV selbst dazu meint, ist noch ihr Geheimnis. Mehrfache Bitten unserer Zeitung auf Rückruf verhallten ungehört. Vonseiten der Offenbacher Verkehrsbetriebe ist Gerhard Bielinski immerhin mitfühlendes Bedauern zu übermitteln. „Aber“, sagt Sprecherin Christine Wüst, „wir haben direkt damit nichts zu tun“. Dennoch werde man seinen Versicherer ansprechen, „damit der Druck bei der Iduna macht“.

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