Unfall-Statistik für Offenbach

Eine Frage der Definition

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Bauliche Veränderungen empfiehlt die Verkehrskommission nicht. Dafür wird an der Leibnizstraße kontrolliert: An einem Morgen stoppt die Polizei 31 Fahrzeuge, die verbotenerweise von der Bieberer Straße eingebogen sind.

Offenbach - Es sind nackte Zahlen, die der Öffentlichkeit jährlich präsentiert werden. Mehr will und kann der Verkehrsbericht der Polizei nicht leisten. Eine Bewertung gibt er nicht. Die obliegt den kommunalen Gremien. Von Martin Kuhn

In Offenbach sind das die Unfall- und die Verkehrskommission. In der ersten sitzen allein Fachleute aus Verwaltung und Polizei, in der  zweiten sind zudem politische und sachkundige Bürger vertreten. Heißt: In der ersten Runde wird sofort gehandelt, wenn „Gefahr in Verzug“ ist.

Das ist – Gott sei Dank – in Offenbach nicht nötig, auch wenn’s rein rechnerisch sechs Mal am Tag auf den Straßen kracht. Unfallschwerpunkte gibt’s im Stadtgebiet nicht. Dabei ist das subjektive Empfinden nebensächlich. Scheppert es an einer Ecke öfter, aber aus unterschiedlichen Gründen, ist’s laut Definition noch lange kein Schwerpunkt. Übereinstimmen müssen in Offenbach Unfallart, -typ und -ursache fünf Mal.

Knoten Mühlheimer Straße und Arthur-Zitscher-Straße

Aber selbst dann reagiert die Verwaltung nicht immer. Verkehrsplaner Klaus Dallmann nennt beispielsweise den Knoten Mühlheimer Straße und Arthur-Zitscher-Straße. Mit der Einrichtung der Baustelle am ehemaligen Mabeg-Areal beulte sich öfter Blech. Nach Eröffnung des Lebensmittel-Discounters ist’s damit wieder vorbei. Oder: Als im Nordend mit der Tempo-30-Zone nahezu flächendeckend rechts vor links eingeführt wurde, schnellte die Unfallzahl hoch. Nach einer Gewöhnungsphase ist wieder weniger Blech kollidiert.

Als Unfallpunkt ist die Kreuzung Sprendlinger Landstraße/Merianstraße im Jahr 2012 erstmals häufiger vertreten. Biegen dort Autos stadteinwärts nach links in die Merianstraße, hat es im vergangenen Jahr acht Mal gescheppert. Da sich weder Verkehrsbeziehungen noch Vorfahrtsregeln geändert haben, liegt eine Schlussfolgerung nahe: Unachtsamkeit. „Wir werden diese Ecke jedoch beobachten“, verspricht Dallmann.

Drei Menschen verloren ihr Leben

Solche und ähnliche Unfälle addieren sich zu 2259 im Jahr 2012 (Vorjahr: 2251). Bei 514 (Vorjahr: 507) Unglücken in Offenbach wurden Personen verletzt; darunter ereigneten sich 445 Unfälle mit Leicht- (Vorjahr: 434) und 67 mit Schwerverletzten (Vorjahr: 72). Bei zwei Verkehrsunfällen verloren drei Menschen ihr Leben – darunter im Sommer ein 17-jähriger Rollerfahrer; nach dem Unfallfahrer wird weiterhin gefahndet. 2011 war bei einem Unfall ein Mensch zu Tode gekommen.

Die Polizei schlüsselt weiter auf. Im vergangenen Jahr waren an 81 Unfällen Fußgänger beteiligt (13 Schwerverletzte), an 148 Radler (18 Schwerverletzte). Kaum noch erwähnenswert: Am Geisfeldkreisel (Ende der Sprendlinger Landstraße) und am Kaiserleikreisel kracht es immer wieder – trotz geänderter Markierung oder veränderter Beschilderung. Aber wie gesagt: Das alles sind für die lokale Unfallkommission keine Kriterien für ein rasches Eingreifen.

Kuriose Unfälle in der Region

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Etwas anderes ist eine Regelung, die in jüngster Zeit des öfteren kontrolliert, geahndet und als Abzocke moniert wird: das Linksabbiegen stadteinwärts von der Bieberer in die Leibnizstraße. Laut Dallmann hat sich die Verkehrskommission lange mit diesem Thema beschäftigt, nachdem Anwohner über das verbotene Abbiegen und den vermehrten Verkehr klagten. Also hat die Stadtverwaltung mit ihrem „Radarwagen“ gemessen und gezählt.

Ergebnis: 50 bis 60 Fahrzeuge mehr im morgendlichen Berufsverkehr als zu anderen Zeiten. Für den Experten liegt auf der Hand: „Die wollen alle den Stau am Knoten Rhönring/Untere Grenzstraße umfahren.“ Verworfene Konsequenzen: umgedrehte Einbahnregelung in der Leibnizstraße, Ausweisung einer Sackgasse. Stattdessen wurde die Markierung in der Bieberer Straße erneuert. Das reicht nach Meinung der Kommission an dieser Stelle aus. Um die Autofahrer daran zu erinnern, kontrolliert die Polizei unregelmäßig...

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