Unfallstatistik für die Region vorgelegt

Polizei will „Black Box“ für Autos

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Peter Liebeck, der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit beim Polizeipräsidium im Offenbach, will alle Autos mit kleinen Unfall-Datenschreibern ausrüsten. Auf diese Weise könne man die Zahl der Opfer von Unfällen um ein Drittel reduzieren, glaubt er.

Offenbach - Die serienmäßige Ausstattung von Kraftfahrzeugen mit sogenannten Unfall-Datenschreibern (Black Boxes) haben Vertreter des Polizeipräsidiums Südosthessen (PP) gefordert. Von Michael Eschenauer

Bei der Vorstellung der Polizeistatistik für 2012 sagte gestern der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit, Peter Liebeck, es sei für ihn völlig unverständlich, warum man hier nicht weiterkomme.

„Natürlich muss die Installation eines derartigen Microchips, der nur ein paar Cents kostet, datenschutzrechtlich geregelt werden“, sagte Liebeck. Er vertrat, ebenso wie der Leitende Polizeidirektor Alexander König, die Überzeugung, dass ein derartiges Aufzeichnungsgerät, das nur die Daten des jeweils letzten gefahrenen Kilometers aufzeichnet und sie anschließend wieder überschreibt, eine deutliche Verbesserung der Disziplin der Autofahrer zur Folge hätte. Die Polizeiexperten rechnen mit einem Drittel weniger Toten und Verletzten im Straßenverkehr. „Wir könnten viel besser Unfälle rekonstruieren und die Schuldfrage klären“, so Liebeck, der darauf hinwies, dass schon jetzt die Autos einem „Computer auf Rädern“ ähnelten. Auch König äußerte Unverständnis darüber, dass zwar massenhaft aufwendige Sicherheitstechnik in Fahrzeugen und auf Straßen verbaut werde und man sich auch bei der Fahrerschulung viel Mühe gebe, aber der Unfall-Datenschreiber „seit Jahren nicht vorankommt“. Die Bedenken in Politik, und Autoindustrie seien zu groß.

„Die drei Haupt-Killer“ auf deutschen Straßen

Liebeck bezeichnete den nicht angelegten Gurt, Alkohol und andere Drogen sowie zu schnelles Fahren als „die drei Haupt-Killer“ auf deutschen Straßen. „Wenn wir hier Erfolge hätten, könnten wir uns diese Pressekonferenz zum Thema Unfallzahlen sparen. Denn es gäbe dann so gut wie keine Unfälle mehr.“

Noch ist es nicht so weit: König konstatierte eine „hohe Sicherheitslage, aber immer noch zu viele Unfälle“ im Einsatzgebiet des Polizeipräsidiums, das Stadt und Kreis Offenbach sowie die Stand Hanau und den Main-Kinzig-Kreis umfasst.

- Unfälle: 14 227 Unfälle wurden erfasst, dies ist der drittniedrigste Stand seit Gründung des Polizeipräsidiums im Jahre 2001. Im Kreis Offenbach ereigneten sich 4997 Unfälle, bei 1078 wurden Menschen leicht oder schwer verletzt. 24 Menschen starben im gesamten Einsatzgebiet des Polizeipräsidiums. 18 davon außerhalb von Ortschaften. Es gab 555 Unfälle (+ 3,5  Prozent), bei denen mindestens eine Person schwer verletzt wurde. Deren Zahl lag bei 627. Bei der Hälfte der tödlichen Unfälle war zu schnelles Fahren die Ursache. König bezeichnete Geschwindigkeitskontrollen als „wichtige und unverzichtbare Maßnahme“. Dass man hier von „Abzocke der Autofahrer“ spreche, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Das Polizeipräsidium werde in jedem Fall seine Arbeit hier intensivieren.

Schadensunfälle und Unfallflucht

- Unfallfolgen: Die Zahl der reinen Schadensunfälle lag bei 11 180 und blieb konstant. Gleichzeitig stieg der Anteil der Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen, leicht auf 3097 (+1,4 Prozent). Insgesamt erlitten 4136 Verkehrsteilnehmer Verletzungen oder verloren ihr Leben.

- Die Gefahr, in einen Wildunfall verwickelt zu werden, ist massiv gestiegen. 1265 Unfälle mit „tierischer Beteiligung“ gab es 2012 in der Region, dies sind 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf den Autobahnen im Zuständigkeitsbereich schnellte dieser Posten um 42 Prozent auf 249 Unfälle hoch.

- Unfallflucht: Bei jedem dritten Unfall ist Unfallflucht im Spiel. Insgesamt flohen in 5240 Fällen Beteiligte von Ort des Unglücks (-3,5 Prozent). 1008 Mal lag der Schaden über 2000 Euro oder es gab Verletzte. Die Aufklärungsquote lag hier bei 42 Prozent, bei den minderschweren Fällen erreicht sie 38 Prozent. Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden, gab es 329. Die Aufklärungsquote erreichte hier aufgrund intensiverer Ermittlungstätigkeit der Unfallfluchtgruppe fast 54 Prozent.

Die lustigsten Schilder der Welt

Die lustigsten Schilder der Welt

- Alkohol: Die Zahl der Verkehrsunfälle unter Einfluss von Drogen oder Alkohol beträgt 571. Dies ist der niedrigste Stand seit 2008. 507 Beteiligte hatten zu viel Alkohol im Blut, 41 hatten berauschende Mittel eingenommen und 23 hatten sowohl Alkohol als auch Drogen konsumiert. Bei jedem zehnten schweren Unfall war der Fahrer berauscht.

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