Unfallteam des Offenbacher Klinikums

Zusammenspiel wie im Cockpit

+
Auch wenn es nur Puppen sind: Im Schockraum ist volle Konzentration gefordert.

Offenbach - Es sind lebensgefährliche und teils grausige Verletzungen: Eine Frau kriegt einen Stromschlag, fällt von der Leiter und leidet unter bedrohlichem Herzkammerflimmern; ein Unfallopfer hat sich ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen; ein Bauarbeiter ist gestürzt, spitze Gegenstände haben ihm Gesicht und Bein durchbohrt.

Gut, dass es nur realistisch geschminkte Puppen sind, die das Unfallteam des Sana-Klinikums Offenbach auf den Behandlungstisch bekommt. Gut für die Zukunft, dass sich 20 Pflegekräfte, Ärzte und andere Mitarbeiter bei einer besonderen Schulung auf die Versorgung schwerstverletzter Patienten vorbereitet haben. Bei den Übungen im Frankfurter Institut für Notfallmedizin und Simulationstraining (FINeST) der Universitätsklinik Frankfurt spielte auch die Kommunikation eine große Rolle. Denn es ist wie in einem Flugzeugcockpit: Wegen des Schichtdienstes wechselt die Zusammensetzung der Teams ständig. Da muss immer klar sein, wer was an wen meldet und wer das Kommando hat. Standardisierte Verhaltens- und Sprachregeln müssen sitzen, um zeitraubende oder gar tragische Missverständnisse zu vermeiden.

Das Offenbacher Aufnahme- und Notfallzentrum und die ihm zuarbeitenden Abteilungen besitzen ein Zertifikat als überregionales Traumazentrum, das immer wieder bestätigt werden muss. Dabei haben sich die Mitarbeiter ihre Teilnahme an der Schulung als eigenes, von der Zertifizierung nicht verbindlich gefordertes, Ziel gesteckt.

Praktische Übungen für seltener vorkommende Maßnahmen

Im Mittelpunkt standen praktische Übungen für seltener vorkommende Maßnahmen wie das Erzwingen eines chirurgischen Atemweges mittels Luftröhrenschnitt oder die Thoraxdrainage für eine kollabierte Lunge. An den echt wirkend zugerichteten, aber geduldig Stiche und Schnitte ertragenden Puppen konnten Behandlungen konkret und in Echtzeit trainiert werden. Die Erfahrungen führten zu kritischen Rückfragen auch nach ganz praktischen Dingen: Wo sollten das Absaug-Gerät und der dafür zuständige Mitarbeiter positioniert sein? Wie (un)praktisch ist das Geräte- und Materialset für den Luftröhrenschnitt?

Die gesamte Schulung wurde gefilmt, sodass alle Teilnehmer ihr Verhalten anschließend in Einzelschritten detailliert besprechen und die Effektivität der Abläufe miteinander diskutieren konnten. Bis zu fünf Beobachter hatten zudem die Übungen verfolgt und auf einem Raster-Bogen ihre Feststellungen notiert, die Grundlage für die Besprechung wurden. Damit konnten die Teammitglieder ihre Leistung in einer Art „Selbstevaluation“ analysieren und bewerten: Wer hat was, wann, wie und warum gemacht? Was hätte besser laufen können?

Am Ende stand für alle fest: Dieses Training wollen wir möglichst ein- bis zweimal jährlich absolvieren. Auch Mitarbeiter anderer Abteilungen haben schon ihr Teilnahme-Interesse bekundet, den laut Klinikum nur noch geringen Abstand zum entsprechenden Leistungsportfolio der Universitätsklinik in gemeinsamer Anstrengung aufzuholen.

tk

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare