Unfreiwillige Schwarzfahrer

+
Den mit brachialer Gewalt zerstörten Fahrkartenautomaten in Waldhof tauschte die Bahn erst nach Wochen aus.

Bieber-Waldhof - Die Unbekannten Automatenknacker schlugen in der Nacht zum 10. Februar an der S-Bahnstation Waldhof zu. Mit brachialer Gewalt, mit Brecheisen und Flex versuchten sie, ans Geld im Innern des einst 17 000 Mark teuren Gerätes zu gelangen. Doch der Stahl hielt zumindest insoweit stand, dass das Geldfach nahezu unversehrt blieb. Von Thomas Meier

Allerdings war der angerichtete Schaden groß und auch nicht gleich zu beheben, was den Arbeitskreis Waldhof auf den Plan rief.

„Fast vier Wochen stand der einzige Fahrkarten Automat des Bahnhofs unter einer Haube versteckt beschädigt herum, ohne dass auch nur ein Hinweisschild den verunsicherten S-Bahnnutzern Hinweise gegeben hätte“, moniert AK-Sprecher Peter Heckt. Als „Schwarzfahrer wider Willen“ hätten sich zahlreiche Zusteiger gefühlt, wenn sie ohne Ticket die Fahrt antreten mussten.

Wie ein Bahnsprecher hierzu mitteilte, habe der Automatenwerkstatt der Bahn zunächst kein Ersatzgerät zur Verfügung gestanden, so dass man habe erst so spät das desolate Gerät austauschen können. Galt der aufgebrochene Automat zunächst als Totalschaden, so könne man ihn nun doch reparieren. Der angerichtete Sachschaden belaufe sich dennoch auf rund 2500 Euro.

Die beiden Monteure der Automatenwerkstatt können ein garstig Lied singen vom Vandalismus und der kriminellen Energie an dieser S-Bahnstation. Sechs bis sieben Male pro Jahr versuchten sich Geldschrankknacker am Fahrkartenautomaten, von der Zerstörungswut, der sich an anderen Stations-Ausstattungen entlädt, ganz zu schweigen. Ständig zerstörte Fahrplankästen, kaputte Uhren und Anzeigetafeln, geklaute Geländer und überall Schmierereien sind seit Eröffnung vor knapp sechs Jahren hier bitterer Alltag.

„Es ist ein Schande, was die Bahn ihren Fahrgästen zumutet“, empört sich der Arbeitskreis,„und es ist unverständlich, dass sie nichts tut, um ihr Eigentum zu schützen.“So habe sich die Bahn geweigert, an einer Videoüberwachung mitzuwirken. Sie sei nicht einmal bereit, bahneigenes Gelände für die Aufstellung eine Überwachungssäule zur Verfügung zu stellen.

Die Situation an den S-Bahnstationen in Waldhof und - etwas weniger schlimm - in Bieber führte gar zu der seltsamen Situation, dass die stets klamme Stadt Offenbach für die Bahn AG in die Bresche springt: Nach langem Tauziehen beschloss das Parlament im Oktober, für 160 000 Euro an den beiden S-Bahnstationen Videokameras installieren. Auch 5 000 Euro für jährliche Betriebskosten werden in den Haushalt eingestellt. Die Überwachung soll die Vandalen abschrecken oder zu deren Ermittlung beitragen.

Doch erst im Sommer werden die auf Masten installierten Kameras rund um die Uhr Bilder von den Stationen und dem Umfeld liefern. Per Richtfunk werden sie auf die Monitore übertragen, die in der Stadtwache des Ordnungsamtes sowie beim Polizeirevier am Mathildenplatz und in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums stehen.

Neben den beiden Bieberer Stationen erhalten auch drei Haltestellen in Dietzenbach sowie die Bahnhöfe in Heusenstamm und Obertshausen Videokameras. Die Städte schrieben den Auftrag gemeinsam europaweit aus. Mittlerweile ist die Submission abgeschlossen, am 24. März wird in Dietzenbach entschieden, wer den Zuschlag erhält. „Genehmigt der Regierungspräsident dann auch noch Offenbachs Haushalt, so könnten die Anlagen im Sommer installiert werden“, sagt Offenbachs Pressesprecher Matthias Müller.

Kommentare