Weihnachtsgeschäft

Ungebrochene Kauflust: Offenbacher Einzelhändler zufrieden

Der Offenbacher Handel zeigt sich mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft zufrieden. Foto: Sommer
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Der Offenbacher Handel zeigt sich mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft zufrieden.

Das Weihnachtsgeschäft gehört traditionell zu den umsatzstärksten Wochen für den Einzelhandel. In Offenbach zeigen sich die örtlichen Händler mit der diesjährigen Entwicklung trotz einer am Jahresende fehlenden Sonntagsöffnung zufrieden.

Offenbach – Noch vor zwanzig Jahren galt: Am Tag nach Weihnachten herrscht Hochbetrieb in den Geschäften, denn Geschenke, die nicht ganz den Geschmack getroffen haben, werden umgetauscht. Hochbetrieb herrschte auch gestern in Offenbach, doch eher, um als Weihnachtsgeschenk erhaltene Gutscheine in Waren umzutauschen.

„Umgetauscht wird heute immer weniger“, sagt Karsten Sinnig, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof in der Frankfurter Straße. Das liege vor allem daran, dass bewusster eingekauft werde. „Oder es werden gleich Gutscheine verschenkt“, sagt er. Diese seien auch in seinem Kaufhaus im Weihnachtsgeschäft sehr gefragt gewesen. „Außerdem gingen die klassischen Weihnachtsgeschenke wie Schmuck, Parfüm, Uhren oder Spielwaren sehr gut“, sagt Sinnig.

Umsatzprognosen möchte er keine abgeben, doch mit dem Geschäft zeigt er sich zufrieden. „Vor allem am Montag hatten wir eine bärenstarke Kundenfrequenz.“

„Wir hatten in der 51. Kalenderwoche 91 747 Kunden im Center, das ist eine Steigerung um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Center-Managerin Julia Steinmetz. Damit sei das Weihnachtsgeschäft sehr erfolgreich verlaufen, auch von den Mietern habe sie positive Rückmeldung erhalten.

Zufrieden zeigt sich ebenfalls Stefan Becker, Geschäftsführer des Modehauses M. Schneider und Vorsitzender des Gewerbevereins. „Wir dürften leicht über dem Geschäft des Vorjahres liegen“, sagt er. Vor allem Strümpfe, ob für Damen oder Herren, seien im Dezember gefragt gewesen. „Und das, obwohl es ja nicht einmal richtig kalt war.“ Im Weihnachtsgeschäft seien neben Strümpfen vor allem Herrenartikel nachgefragt worden – kein Wunder, dass der Volksmund Strümpfe, Oberhemden und Schlipse gern als „SOS-Geschenke“ bezeichnet.

Dass sich der Einzelhandel mit dem Weihnachtsgeschäft so zufrieden zeigt, ist keineswegs selbstverständlich: Denn in diesem Jahr fehlt den Offenbacher Händlern eine Verkaufsveranstaltung wie in den vergangenen Jahren. Über mehrere Jahre luden der Gewerbeverein und der Einzelhandel nämlich – sofern der Kalender es zuließ – zu einem verkaufsoffenen Sonntag zwischen Weihnachten und Neujahr ein, der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt wurde eigens dafür verlängert. Da dies 2018 kalendarisch nicht möglich war, wurde im vergangenen Jahr zum „Late-Night-Shopping“ samt Gewinnspiel eingeladen.

Doch in diesem Jahr musste der Handel ohne eine solche Veranstaltung auskommen. Da die Gewerkschaft Verdi und die Kirchen in den vergangenen Jahren mehrere geplante verkaufsoffene Sonntage in der Region durch Klagen kurzfristig zu Fall gebracht hatten, wollte man in Offenbach kein Risiko eingehen. „Es war eine Abwägungssache“, sagt Becker, „wir konzentrieren uns voll auf den verkaufsoffenen Sonntag zur Offenbacher Woche im Juni.“

Von einer Spätöffnung der Geschäfte wie im vergangenen Jahr hat der Gewerbeverein dieses Mal abgesehen. „Die zwei Stunden mehr haben letztes Mal nicht so viel ausgemacht“, sagt Becker, Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis.

Ein verkaufsoffener Sonntag würde dem Einzelhandel zwar helfen, ist sich Becker sicher, doch solange die Landespolitik den Forderungen der Wirtschaft und der Städte nach einer rechtlichen Absicherung für nicht-anlassbezogene Öffnungen nicht nachkomme, werde man weder Geld noch Kraft in mögliche Planungen investieren. „2020 wäre kalendarisch zwar eine Sonntagsöffnung möglich, doch nicht unter der derzeitigen Politik.“

Gewerbevereins-Vize und Weihnachtsmarkt-Organisator Klaus Kohlweyer sieht es ähnlich. „Wir brauchen Rechtssicherheit, um so etwas anzubieten.“ Der Weihnachtsmarkt auf Stadthof und Aliceplatz ist aber auch ohne verkaufsoffenen Sonntag noch an diesem Wochenende geöffnet.

„Unser Konzept hat sich wieder bewährt, ich habe viele gute Rückmeldungen von den Ständen“, sagt Kohlweyer. Die Buchungsquote für die Hütten durch Besucher sei höher ausgefallen, was dafür spreche, dass der Markt eine gute Aufenthaltsqualität biete. „Die Größe ist genau richtig, das Konzept stimmt“, sagt er.

VON FRANK SOMMER

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