Große Überraschung

Ungewöhnliche Funde am Buchhügel: Grabsteine als Wegbefestigung

Die Inschriften der Grabsteine sind trotz der vielen Jahre unter der Erde noch sehr gut erhalten.  (c)Foto: stm

Offenbach - Die Überraschung war groß, als bei den Bauarbeiten auf dem Gelände für das neue Polizeipräsidium am Buchhügel auf einmal Grabsteine ausgebuddelt wurden. Jetzt wird gerätselt: Wie sind die Steine dorthin gekommen? Von Steffen Müller

Mit solch einem Fund hätte Dirk Strunk nicht gerechnet. Für die Firma Goldbeck leitet der Ingenieur das Bauprojekt für das Polizeipräsidium Südosthessen. Damit der 200 Meter lange Bau am Buchhügel entstehen kann, wird das Gelände komplett umgegraben. Dabei kamen die schweren Steinbrocken zum Vorschein, wie viele es genau sind, kann Dirk Strunk nicht sagen.

Trotz all der Jahre unter der Erde sind die Inschriften noch gut erhalten. Sie erinnern unter anderem an Verstorbene aus den Jahren 1910 und 1911; dass die Personen zu den Denksteinen am Buchhügel auch vergraben sind, ist aber nahezu ausgeschlossen. Denn einen Friedhof gab es dort nie – dafür aber seit den 1930er Jahren einen Anzuchtgarten, den die Stadtgärtnerei bis zu ihrer aus finanziellen Gründen bedingten Schließung 2003 betrieb. In 36 Freilandbeeten, 1000 Quadratmetern Gewächshäusern, 2000 Quadratmetern Niederglasgewächshäusern sowie in der Baumschule wuchsen sämtliche Pflanzen heran, die zur späteren Zierde des Stadtgebiets dienen sollten.

Grabsteinkontrolle auf dem Hauptfriedhof Frankfurt: Bilder

Gabriele Schreiber, die Chefin der städtischen Friedhöfe, vermutet, dass die Grabsteine genutzt wurden, um Wege zu befestigen oder Beete abzutrennen. „Wenn die Nutzungsfrist für ein Grab ausläuft, und die Angehörigen sich nicht kümmern, gehen die Steine in städtischen Besitz“, erläutert Schreiber, wie die Stadt zu den Denkmälern kam. Mittlerweile hat sich das Besitzverhältnis aber geändert. Die Firma Goldbeck wird die Steine entsorgen. Einen Streit mit der Stadt gab es diesbezüglich nicht. Dirk Strunk kündigt an, dass man derzeit prüft, was mit den Andenken passiert.

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