Ungewöhnliches Projekt für Jugendliche

Graffiti schafft Identifikation

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Keine Schmiererei, sondern erste Sprüher junger Künstler.

Bürgel - Mit einem ungewöhnlichen Projekt wollen die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt und die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) Kinder und Jugendliche aus der Hans-Böckler-Siedlung an ihr Wohnviertel binden.

In den Sommerferien gestalteten rund 20 Buben und Mädchen einen Container in der Brandenburger Straße mit einem Graffiti-Kunstwerk.Dieser wird genutzt vom Wohn-Service-Team, das haushaltsnahe Dienstleistungen rund ums Wohnen – insbesondere für ältere Mieter der Unternehmensgruppe – bietet. „Die Kinder und Jugendlichen hinterlassen auf diese Art farbenfrohe Spuren, über die sich auch andere Bewohner freuen können“, erläutert Sascha Langknecht, bei der Nassauischen Heimstätte zuständig für das Sozialmanagement der Siedlung. „Sie bekommen dadurch Aufmerksamkeit, Anerkennung und identifizieren sich viel intensiver mit ihrem Wohnquartier.“

An drei Tagen Anfang August unterstützte der international bekannte Künstler Helge Steinmann – alias „Bomber“ – die acht- bis 16-jährigen Jungen und Mädchen bei der Umsetzung. Nach einer Grundreinigung und einigen theoretischen Übungen lernten die Teilnehmer die nötigen Techniken für das Sprayen. Erst dann wurden zahlreiche bunte Motive auf den Container gesprüht und anschließend versiegelt. „Der Graffiti-Workshop bietet die Gelegenheit, sich konstruktiv und kreativ einzubringen. Dadurch entwickeln die Kids ein positives Gefühl für das eigene Quartier“, so Holger Pohl, Leiter Vermietung und Verwaltung der GBO. Das Projekt ist ein Baustein des Quartiersmanagements der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt, das seit 2011 von der GBO mitgetragen wird.

Wunsch nach mehr Freizeitangeboten

Eine Befragung in der Siedlung zeigte, dass sich viele Mieter mehr Freizeitangebote für Jungen und Mädchen aller Altersgruppen wünschten. Daraufhin engagierten die beiden Unternehmen drei Quartiersbetreuer, die mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten. Einer von ihnen ist Winny Mylius, der sich seit Mitte vergangenen Jahres mit großem Engagement um den Nachwuchs aus dem Viertel kümmert. Neben Fußball stehen Kinobesuche, Billard, Schwimmen, Hausaufgabenhilfe, Bewerbungstrainings oder andere Aktivitäten auf dem Plan. Die Kosten tragen beide Wohnungsgesellschaften im Verhältnis zu ihrem jeweiligen Bestand. „Für uns ist es wichtig, dass das soziale Gefüge vor Ort erhalten bleibt. Deshalb investieren wir in Quartiersmanager“, erläutert Langknecht die Intention der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt. Pohl fügt hinzu: „In den betreuten Siedlungen haben wir eine deutlich geringere Fluktuation und eine größere Zufriedenheit der Mieter.“ Auch Mylius zeigt sich erfreut: „Die Jugendlichen kommen manchmal aus lauter Langeweile auf dumme Gedanken“, so seine Erfahrung. Er könne, seit die beiden Gesellschaften nun gemeinsam das Projekt finanzieren, einfach noch mehr bewirken. Besonders wichtig ist es ihm, schon in frühen Jahren mit den Heranwachsenden in Kontakt zu kommen, Vertrauen aufzubauen und neue Perspektiven zu eröffnen. „Nur wenn die Jugendlichen aktiv in das Viertel eingebunden sind, können sie auch ein Bewusstsein für Verantwortung entwickeln“, ist sich Mylius sicher.

Hessens größtes Grafitto in Offenbach

Hessens größtes Graffito

Die Nassauische Heimstätte verwaltet in der Hans-Böckler-Siedlung 365 Wohnungen, die GBO 110. Das Quartiersmanagement sei, so Langknecht, „eingebettet in ein Bündel von Projekten und Maßnahmen der Unternehmensgruppe, die ein stabiles Umfeld garantieren. Alle Aktivitäten sorgen dafür, dass sich eine bunt gemischte Einwohnerschaft hier wohl fühlt.“ Langfristig, so ergänzt Pohl, sei Selbstorganisation das Ziel. Das Projekt habe Pilotcharakter: „Wenn die Kinder und Jugendlichen Eigeninitiative zeigen, dann ziehen andere möglicherweise nach.“ 

hds

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