Ungewohnt: Flohmarkt im Dämmerlicht

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Auf dem Flohmarkt stöbern bis es dunkel wird: Die Rechnung der Veranstalter ging auf. Viele nutzten das neue Angebot.

Offenbach - Die Ware sehen, in den Händen halten, um sie feilschen: Einkaufen auf dem Flohmarkt hat seinen eigenen Reiz, der von den Online-Auktionshäusern nicht annähernd so gut getroffen wird. Von Veronika Szeherova

Ob man gezielt auf der Suche ist oder sich nur der Schlenderei hergibt, an den Ständen findet sich nahezu immer etwas, das zum Verweilen einlädt. Der Handel ist schnell perfekt ohne den lästigen Postweg, oft entwickelt sich nebenbei noch ein netter Plausch mit dem Verkäufer. Im Idealfall bringt der Flohmarktkunde dann einen kleinen Schatz für wenig Geld mit nach Hause.

Der Offenbacher Flohmarkt hat eine langjährige Tradition und ist für viele Bürger ein unentbehrlicher Bestandteil jedes Samstags. Dennoch wurde erst vorgestern eine Premiere gefeiert – der erste Nachtflohmarkt. Der Maindamm wurde wie gewohnt von beiden Seiten mit allerlei Ständen gesäumt, jedoch nicht zur üblichen Zeit am Vormittag, sondern nachmittags von 15 Uhr bis um 22 Uhr. Dann gab es zum krönenden Abschluss des ersten Nachtflohmarktes und zur Eröffnung des Offenbacher Volksfestes ein Feuerwerk.

Die Firma Phönix Dienstleistungen GbR will den Flohmarkt wieder zu dem machen, was er früher einmal war: ein Treffpunkt mit Wohlfühlatmosphäre, der Besucher aller Bevölkerungsgruppen anlockt. Schon eine andere Uhrzeit kann eine andere Stimmung erzeugen – das war die Idee hinter dem Nachtflohmarkt. Das Konzept ging auf: Der Markt war gut besucht, viele Menschen drängten sich um die Stände. Und als es gegen 21 Uhr zu dämmern begann und es bald darauf richtig dunkel wurde, war die Atmosphäre tatsächlich ungewohnt anders.

Tanja Drobner verkauft zwei bis dreimal im Jahr auf dem Offenbacher Flohmarkt, und das schon seit fast 20 Jahren. Diesmal hatte sie hauptsächlich Kinderkleidung im Angebot sowie einige kleinere Elektrogeräte. „Die Kinder wachsen schnell aus ihren Sachen, oder der Geschmack verändert sich“, erzählt Drobner. „Wenn sich dann genug angesammelt hat, geht es auf den Flohmarkt“. Zu den üblichen Flohmarktzeiten müssen die Verkäufer schon sehr früh raus aus den Betten, denn die Ware muss verladen und transportiert, der Stand aufgebaut werden. Daher gefiel ihr die Idee des Nachtflohmarktes gut. „Es ist schön, am Samstag richtig ausschlafen zu können“, lacht die Rodgauerin. Auch mit den Einnahmen an diesem Tag war sie zufrieden, trotz der Standgebühr von 25 Euro. „Über die Preise meiner Waren mache ich mir vorher keine Gedanken, sie entstehen spontan beim Verkaufen“, gesteht sie, und hat noch lobende Worte speziell für den Offenbacher Flohmarkt parat: „Das gemischte Publikum, die vielen Kulturen, die Fröhlichkeit hier, das ist richtig toll.“

Mischung ist ohnehin das richtige Stichwort für den Flohmarkt: Es gibt Ware wirklich aller Art. Das Angebot ist so verschieden wie die Qualität. Radios, die dem Aussehen nach reif für den Schrottplatz sind, suchen ebenso nach neuen Besitzern wie neuwertige Artikel, die kaum benutzt wurden. Cowboyhüte reihen sich neben Samtreithelme, Italo-Musikschallplatten neben mehr oder minder aktuelle Konsolenspiele und Fahrräder stehen einträchtig neben dem Schaukelpferdchen.

So gewährt der Flohmarkt auch Einblick in das Privatleben mancher Leute. Ein Besuch lohnt sich. Das bestätigte auch die hohe Publikumszahl beim ersten Nachtflohmarkt. Es ist also anzunehmen, dass es nicht auch der letzte Nachtflohmarkt war...

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