Unknackbar gibt’s nicht

+
Pünktlich zum Start in die Radsaison kodierte Uwe Stehle für den ADFC im Hof der Fahrradgesellschaft Räder. Es handelt sich um eine Buchstaben-Zahlen-Kombination, die in verschlüsselter Form Wohnort und Initialen des Eigentümers enthält.

Offenbach ‐  Wenn ein Dieb ein Fahrrad haben will, dann kriegt er es. Die Strolche kommen meist ungestraft davon. Aufklärungsquote der Polizei in Offenbach: magere 8,3 Prozent. Von Martin Kuhn

Wolfgang S. wollte besonders schlau sein: Das edle Mountainbike bleibt im Keller, mit der alten Gurke (Nabenschaltung von Fichtel & Sachs, reichlich Patina, kein Dynamo) geht’s zum Kino. „Klaut eh keiner...“ Von wegen. Das Rad, als gut gesichert eingestuft, ist weg. Dem cineastischen Spaß folgt der behördliche Marathon – Anzeige, Fundbüro, Versicherung. Die bittere Erfahrung der Experten: Geklaut wird jeder Fahrrad-Typ.

Die bundesweiten Zahl sind erschreckend: Nahezu jede Minute wird ein Fahrrad gestohlen. Die Aufklärungsquote ist gering. Nicht einmal jedes zehnte Rad findet zurück zu seinem rechtmäßigen Besitzer. Ein Trend, der sich laut Polizeisprecher Ingbert Zacharias in etwa auf die Stadt Offenbach übertragen lässt. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Reviere 575 gemeldete Diebstähle (2008: 701 Zweiräder). Allerdings weiß Zacharias: „Die Dunkelziffer ist weit höher.“ Lediglich 48 Fälle konnten die Ermittler 2009 klären. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 8,3 Prozent.

Und dabei hilft Kommissar Zufall mitunter kräftig mit. Ein Beamter erzählt: „Bei der einen oder anderen Kontrolle und Hausdurchsuchung wird man immer fündig.“ Geklaute Räder werden sozusagen als „Zugabe“ sichergestellt – etwa neben Rauschgift und anderem Diebesgut. Ein Ermittler ergänzt: „Fahrräder werden eben gern getauscht...“

Die Velodiebe fackeln nicht lange: Sie haben passendes Werkzeug dabei, sind schnell und knacken die Schlösser frech – selbst vor den Augen von Passanten: Eine knappe Minute Angst und das Fahrrad ist weg. Also rüsten die Radler auf. Wenn ein Schloss kaum zu knacken ist, wiegt es mindestens fünf Kilogramm. Einen absoluten Schutz gibt es aber nicht, sagt der Offenbacher Fahrrad-Spezialist Erik Meyer: „Unknackbar gibt’s nicht. Man kann es den Dieben nur so schwer wie möglich machen.“

Leicht machen es sich viele, wenn die Räder erst verschwunden sind. Gleich führt der Weg zur Versicherung, nicht erst ins lokale Fundbüro. Annähernd 60 Fahrräder, die nicht abgeholt wurden, standen dort im Frühjahr zur Versteigerung bereit. Der Versicherungsexperte Matthias Rieth (AXA Offenbach) registriert indes: „Wir haben deutlich weniger Fälle als im Vorjahr. Schwerpunkt sind ganz klar die Schulen.“ Versichert ist das Velo gegen Diebstahl meist über die Hausrat-Versicherung; allerdings hat der Kunde die Wahl, was sich in der Prämie niederschlägt – mit oder ohne Fahrrad.

Ganz wichtig: Das Zweirad muss angeschlossen sein. Bewährt haben sich hochwertige Radabstellanlagen, wie sie die Stadt in den vergangenen Jahren vermehrt installiert – an den S-Bahn-Stationen, am Rathaus, am Wochenmarkt. Stadtsprecher Matthias Müller: „Die Rahmen haben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wo immer möglich, werden solche Abstellanlagen mit installiert. Auch damit steigert die Stadt die Attraktivität des Radfahrens.“

Ansonsten empfehlen Experten den Radlern:

  • Einen Fahrradpass zulegen, der bei jeder Polizeistation kostenfrei erhältlich ist. Dokumentiert sind wichtige Daten wie Hersteller, Typ, Rahmennummer, Farbe und Zubehör. Wichtig: Ein Bild des Rades beifügen.
  • Fahrrad von Fachleuten codieren oder auf andere Art dauerhaft individuell kennzeichnen lassen.
  • Rad und Rahmen des Velos möglichst an einem festen Gegenstand anschließen. Das verhindert ein Wegtragen.
  • Viele Diebe verwenden Dietriche, um Schlösser zu öffnen. Zeigt das Schloss nach unten, wird der Einsatz von Dietrichen erschwert.
  • Das Schloss nicht auf dem Boden aufliegen lassen. Sonst kann es etwa mit Hammer und Meißel geknackt werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare