Umbau erschwert

Unliebsame Überbleibsel am Kaiserlei-Kreisel

+
Die weiteren Pfeiler am Kaiserlei-Kreisel folgen in den nächsten Wochen.

Offenbach - Der Umbau des Kaiserleikreisels schreitet voran. Gemeinsam investieren Bund, Land und zwei Städte in die Optimierung der Verkehrsführung. Von Martin Kuhn 

Durch die eine Entflechtung der Verkehrströme von und zur Autobahn sowie zwischen Offenbach und Frankfurt soll das Drehkreuz künftig wesentlich leistungsfähiger sein. Ein Überblick:
Mittwoch, 12 Uhr, Kaiserlei. Die Sonne brennt. Autofahrer, gefangen in dunklen Karossen und im Stau, trommeln nervös aufs Lenkrad. Der Lenker eines 40-Tonners bereitet ein akustisches Inferno: Hoppla, ich bin auch noch da! Für die Arbeiter, die das  41-Millionen-Euro-Projekt vom Reißbrett in die Realität übertragen, ist es Alltag. Die Stadt ermöglicht gestern einen Rundgang mit mehreren Stationen.

Es ist ist ein Phänomen, das vor allem auf Autobahnen zu beobachten ist: Kilometerlange Baustellen und kein Arbeiter weit und breit. Da ist der ehemalige Kaiserleikreisel schon kompakter; an mehreren Stellen wird parallel gearbeitet. Dabei müssen die Firmen ein Handicap stemmen: Alle Fahr- und Wegebeziehungen sind während der Bauphasen aufrecht zu erhalten – wenn’s auch teils über ungewohnte Wege geht.

Um diese richtig zu lenken, sind nahezu tausend rot-weiß gestreife Leitelemente aufgestellt. „Das sind weit mehr als ursprünglich geplant, wir mussten extrem nachrüstet“, diktiert Bauoberleiter Volker Reith den Journalisten in den Block. Vor allem Fußgänger und Radfahrer beschwören gefährliche Situationen herauf: „Das ist eine Baustelle mit erheblichem Verkehr.“ Wie auf Kommando quert eine Frau mit asiatischen Wurzeln eine gekappte Fahrbahn des Kreisels – unglaublich. „Aber das passiert immer wieder...“

Der „interne Baustellenverkehr“ lässt sich mit Zahlen belegen: In den sogenannten Bauphasen I und II wurden rund 14.000 Tonnen Aushub bewegt. Das entspricht ungefähr 700 Fuhren mit großen Muldenkippern. In der aktuellen Bauphase III kommen weitere 20.000 Tonnen dazu, die teils an der Kaiserleipromenade zum Auffüllen verwendet werden. Parallel bauen die Firmen 18.000 Tonnen Frostschutzgut und 12.000 Tonnen Mischgut ein. Eine weitere Zahl steuert Enrico Zanardio, Bauleiter der Bickhardt Bau AG, hinzu. Er zeichnet verantwortlich für das Ingenieur-Bauwerk – die neuen Rampen von und zur Autobahn 661. Für die Stützen sind gut 4000 Kubikmeter Beton notwendig. Aufgereiht würden die erforderlichen Lastwagen viermal das einstige Kaiserleirund füllen...

Alles zum Kaiserlei-Umbau auf unserer Themenseite

Imposante Zahlen, die aber nicht unbedingt erklären, warum der Umbau in eine Doppel-Kreuzung teurer wird als geplant. Zur Absicherung des Baufortschritts bei der Neuordnung des Verkehrs am Kaiserlei hat die Stadt weitere 3,5 Millionen zusätzliche Mittel zur Absicherung des Projekts bewilligt. Begründung: Mehrkosten etwa bei der Kampfmittelsuche. Das irritiert, da solche Bombenfunde in Offenbach eher die Regel als die Ausnahme sind.

Laut Bernd Monath, seitens der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) mit dem Umbau befasst, sind für eine erste Boden-Sondierung 300.000 Euro vorgesehen gewesen. Ein Standard-Verfahren, dem Baufeld entsprechend. „Natürlich kann man die Detektions-Punkte engmaschiger festlegen. Das kostet entsprechend mehr. Und wo endet da die Verhältnismäßigkeit?“ Erst bei der genaueren Untersuchung (etwa für die 93 Bohrpfähle parallel zur A 661) gab’s mehr als hundert Auffälligkeiten bei der Metall-Detektion.

Bilder: So soll der Kaiserleikreisel nach dem Umbau aussehen

Dabei müssen die Firmen stets vom Schlimmsten ausgehen – Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Kaiserlei entpuppen sich die Auffälligkeiten dann überwiegend als Überbleibsel vom Autobahnbau in den 60ern und dem S-Bahn-Bau in den 90ern: Tonnen, Stahl-Armierungen, Spundwände. „Da wurde einiges im Erdreich gelassen oder günstig entsorgt. Das hat uns kalt erwischt“, ärgern sich die Experten. Und Kampfmittel? Am Ende sind’s drei (Stab-) Brandbomben, die zu entsorgen sind.

Ganz ähnlich verhält es sich im weiteren Untergrund. Da stoßen die Firmen immer wieder auf Leitungen, die nirgends verzeichnet sind. So ist teils detektivische Arbeit notwendig, allein um herauszufinden, wem diese Leitung gehör.en Einfach mal anbohren ist nicht. Es könnte ja eine Datenleitung sein. Oder Wasser. Oder Gas. Oft entpuppen sich diese Bodenfunde als gekappte Abschnitte. „Das alles kostet aber viel Energie und viel Zeit“, schaltet sich Bauoberleiter Volker Reith wieder ein. Durch die bisherigen Verzögerungen verschiebt sich das Ende der Bauzeit auf etwa Mitte 2020.

Denn am Ende muss alles wieder in den Boden – aktuell in der Strahlenbergerstraße: Gas, Fernwärme, Wasser, Kanal, Strom, Datenleitungen und anderes. Es sind ganze „Pakete“, die teils übereinander bis zu 1,50 Meter tief ins Erdreich verlegt werden. Mit Plan und Dokumentation; damit nachfolgende Firmen vor unliebsamen Überraschungen künftig sicher sind.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare