28 Bäume sollen gefällt werden

Unmut im Schlosspark Rumpenheim

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Jan Goevert hat für jeden der 28 zu fällenden Bäumen eine Akte angelegt. Das rot-weiße Band markiert aber lediglich die Bäume, die eingehender zu untersuchen waren.

Offenbach - Da wird gehegt und gepflegt, aber letztlich bleibt nur die Kettensäge: Im Schlosspark Rumpenheim sind 28 Bäume zur Fällung vorgesehen. „Wieder einmal“, merken die Bürger an, die sich beim Ortstermin kaum beruhigen können. Von Martin Kuhn

Sie sehen die Stadt in der Pflicht, mehr für den Park zu tun. Der Park und dessen Pflege – das ist seit Jahrzehnten ein Streitfall. Zumal mit zweierlei Maß an die Sache rangegangen wird. Auf der einen Seite sind diejenigen, die auf den Denkmalcharakter der Rumpenheimer Anlage hinweisen, auf der anderen stehen jene, die vor allem auf Fauna und Flora achten. Kurz gefasst: Man ist sich nicht grün... Daran ändert der neuerliche Ortstermin nichts. Zumal ein neuer Terminus vermehrt Einzug hält im Sprachgebrauch: der Schlosspark als Waldpark.

Selbst ein kalter Nieselregen schreckt um 10 Uhr das gute Dutzend nicht, Experten aus Verwaltung und beauftragter Fachfirma in den Park zu folgen und kräftig Kontra zu geben. „Der Park wird seit Jahrzehnten nicht gepflegt. Das ist so traurig“, schimpft ein Mann. Damit ist er aber noch nicht fertig. „Wir werden doch verarscht!“, legt er nach. Schade, dass Bürgermeister Peter Schneider, der selbst im Stadtteil wohnt, terminlich verhindert ist, um als politisch Verantwortlicher zu antworten. Eher stoisch nehmen es an diesem verregneten Morgen die Rathaus-Mitarbeiter zur Kenntnis.

Gleich hinter der Schlosskirche soll beispielsweise von einem Ahorn lediglich ein Baumstumpf übrig bleiben. Als eine Art ökologische Zwischennutzung. „Das eignet sich als Nisthöhle für Spechte“, sagt Ute Habelt, Fachreferentin im Umweltamt. Warum die drastische Kappung notwendig wird, erklärt Jan Goevert. Der Betriebsleiter der Firma Bechstein zeigt auf schwarze Stellen am Stamm, denen der Laie möglicherweise keine Beachtung schenkt. Er reißt ein Stück Rinde ab, deutet auf dunkle Linien im hellen, frischen Holz. „Sehen Sie, hier versucht der Baum sich abzuschotten. Das gelingt ihm mittelgut bis gar nicht“, blickt der Fachmann am Stamm entlang. Richtig: Ab etwa zwei Meter Höhe löst sich die Rinde. „Der Pilz ist schneller und geht in den Wurzelstock über.“

So oder so ähnlich fällt das Urteil an 28 Bäumen aus – Ahorne, Linden, Robinien, Ulmen mit Stammumfängen von 38 Zentimeter bis 2,60 Meter. „Wieder eine Ruine mehr, wieder das alte Thema“, urteilt Heinz Meier-Ebert, lange Jahre Vorsitzender der lokalen Bürgerinitiative. Was er und seine Mitstreiter vermissen ist die konsequente Umsetzung des Parkpflegewerks mit Schwerpunkt der Wiederherstellung historischer Strukturen. Seine pessimistische Sichtweise hat Meier-Ebert in einem Schreiben dargelegt: „Es liegt auf der Hand, dass nach weiteren zehn Jahren der Schlosspark fast nur noch aus Baumruinen, Sämlingen und Totholz bestehen wird, wenn nicht endlich in gezielten Aktionen der Park von Sämlingen, Brombeeren, Unrat und den überall herumliegenden Resten städtischer Fäll- und Beschneidungsaktionen befreit wird und Neupflanzungen zur Verbesserung der Artenvielfalt vorgenommen werden.“

Wie werde ich...?/ Forstwirt/in

Und wird da jetzt nachgepflanzt oder nicht? Goevert hat sich für jeden Baum eine Art „Krankenakte“ zugelegt und kennt auch die Patienten in unmittelbarer Nähe. „An dieser Stelle nicht“, heißt es lapidar, wenn etwa ein paar Meter weiter Flügelnuss und Buche als wertvoller erachtet werden als ein Ahorn, der im Schlosspark Rumpenheim als „Fremdbewuchs“ gilt. Auch die „Lichtkonkurrenz“ entscheidet, ob ein Baum fallen muss oder nachgepflanzt wird.

Bei so viel Kritik ist Stadtplaner Michael Sperber sichtlich um Schadensbegrenzung bemüht. Die Stadt möchte ihre geringen finanziellen Mittel bündeln. In diesem Fall heißt es: Wenn die historischen Parkelemente Zarenlinde und Aussichtshügel erschlossen werden, „blicken wir uns auch das Umfeld genauer an“. Heißt: Nachpflanzungen vornehmen, Wildwuchs beseitigen.

Als die Gruppe an der Wiese neben dem Ostflügel Halt macht, zeigen BIR-Mitglieder auf zahlreiche Ahorn-Sämlinge, die im Schlosspark als unerwünschter Bewuchs gelten. „Warum entfernt man die nicht“, fragt der heutige BIR-Vorsitzende Bruno Persichilli. Horst Limberger ist direkt angesprochen. „Mit Abschneiden ist das nicht getan. Die müssen sie einzeln ziehen“, sagt der ESO-Baumkolonnenführer. Für so eine Fläche sind etwa 30 Mann notwendig. „Und die haben wir nicht.“ Ein Fall für die BIR, die nicht nur kritisiert, sondern auch anpackt. „Da helfen wir gern“, bietet Persichilli Hilfe an. Mal sehen, ob diese im Rathaus angenommen wird...

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