Unruhige Nächte sind vorbei

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Spaten frei (von links) vor der TSG-Tennishalle: Daniel Dillig, Horst Schneider, Peter Dinkel, Rolf-Dieter Elsässer, Helmut Schmidt und Rainer Lehmann.

Offenbach ‐  Tag eins nach dem Hafen-Fiasko. Oberbürgermeister Horst Schneider gibt sich locker, betont sogar: „Heute geht’s mir schon wieder besser.“ Er packt den Pressefotografen zuliebe beherzt den Spaten und gesteht: „Das Lob tut gut.“ Von Martin Kuhn

Und davon gibt’s gestern reichlich. Der Termin steht für ein ehrgeiziges Projekt in Bürgel – dem neuen Sportzentrum. Gerade für die TSG, größter Verein im Mainbogen, ist es ein bedeutsamer Tag, steht er doch für einen räumlichen Neubeginn im 163. Jahr des Bestehens.

Eckdaten des Projekts: Die Turn- und Sportgemeinschaft plant den Bau einer neuen Halle für rund 3,5 Millionen Euro am Standort ihrer Tennishalle zwischen Rumpenheimer Straße und dem künftigen Mainzer Ring. Die Stadt unterstützt das Bauvorhaben mit zwei Millionen Euro, zur Hälfte aus Fördermitteln des Konjunkturpakets II. Weil die Stadt selbst das Bauvorhaben nicht stemmen kann, hat die TSG Bürgel die Regie übernommen. Vereinfachte Rechnung zur Refinanzierung: Das Geld, das die Stadt Jahr für Jahr in der energetischen Beton-Sünde Jahnhalle verheizt, wird künftig als Mietzins an die TSG überwiesen. Die Zahl, die aufgerufen wird: zirka 120.000 Euro.

Schwarze Planen trennen in der Tennishalle als Sicht- und Staubschutz einen Streifen ab. Ein gutes Dutzend Löcher für die Fundamente sind ausgefräst und mit Beton gefüllt. Als nächsten Schritt setzen die Firmen Stahlträger, die eine Betonzwischendecke tragen. Der erste der vier Hallenplätze weicht einer Kegelanlage. Auf den sechs Bahnen begrüßt die TSG dann Aktive der KVO. „Der Vertrag wird um 16 Uhr unterschrieben“, sagt 2. Vorsitzender Helmut Schmidt. Eine Etage höher entsteht ein Gymnastik- und Gesundheitsraum. Wichtig: Die restlichen drei Tennisplätze bleiben unberührt und in ihrer jetzigen Form erhalten. „Aber auch dieser Teil wird energetisch verbessert“, betont die Vereinsspitze.

„Hauptarbeit liegt in einer guten Planung“

Die Frage, die sich aufdrängt: Sind Privatleute doch die besseren Bauherren? Vielleicht. „Die Hauptarbeit liegt in einer guten Planung. Das spart Zeit und Geld. Die Umsetzung ist dann eigentlich die kürzteste Phase“, so Rainer Lehmann, Vorsitzender des TSG-Fördervereins. Und Vorsitzender Elsässer gibt eine ordentliche Schlagzahl vor: „Wir sind gut im Zeitplan.“ Der sogenannte erste Bauschnitt mit der Kegelanlage soll Ende Juli fertig sein, der zweite Bauabschnitte „Ende 2010, Anfang 2011“. Und der erste sportliche Termin steht ebenfalls bei der TSG: „Am 25. September organisieren unsere Kegler ein Vier-Städte-Turnier.“

Das Augenmerk gilt freilich dem 2. Abschnitt, dem Bau einer modernen Drei-Felder-Sporthalle samt ausfahrbaren Zuschauerrängen. Der Entwurf von Architekt Daniel Dillig (Simmern) sieht einen kompakten Baukörper vor, „der ein gleichgewichtiges Gegenüber zu der bestehenden Tennishalle bildet. Zusammen mit dem Bestand bilden die Baukörper eine Einheit.“ Das Projekt soll den Bürgeler Verein fit für die Zukunft machen und die gut 1200 (davon mehr als 600 Jugendliche) Mitglieder in den zehn Abteilungen einen.

Peter Dinkel voll des Lobes

Der Neubau steht auf dem Sportplatz, der schon lange nicht mehr als solcher zu erkennen ist: Hellas Offenbach jagte dort dem Ball hinterher und versorgte nebenbei die Gäste mit Souvláki und Ouzo. So deftig bewirtet die TSG am Nachmittag nicht. Dafür gibt es für die Gäste, allen voran die stellvertretende Stadtverordnetenchefin Grete Steiner, Erdbeeren, belegte Brötchen und Kuchen.

Voll des Lobes ist Sportkreis-Vorsitzender Peter Dinkel: „Der Landessportbund ist für jede neue Sportstätte dankbar.“ Dann bricht er eine Lanze für die Ehrenamtlichen in den Vereinen: „Ihre Arbeit ist nicht hoch genug zu schätzen. Das bedeutet mitunter unruhige Nächte.“ Die dürfte es auch in Bürgel gegeben haben. Der Bebauungsplan fürs Sportzentrum musste nach Anwohner-Protesten nachgearbeitet werden: Der Parkplatz soll nun bloß 100 statt, wie ursprünglich geplant, 125 Stellplätze umfassen. Der Abstand zur Wohnbebauung wird um 15 bis 20 Meter vergrößert.

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