Elf unter einer Kappe

Bürgel/Rumpenheim - Am 11. 11. sind die Narren los. Das Datum ist sozusagen mit dem Jokusstab festgeklopft. Von Martin Kuhn

Der Auftakt der sogenannten fünften Jahreszeit wird in den Karnevals-Hochburgen groß gefeiert, auch wenn die Zeit vom 12. November bis 5. Januar selbst entlang des Rheins weitgehend karnevalsfrei bleibt. Das erklärt sich aus der vorweihnachtlichen Fastenzeit, der Rolle des Novembers als Trauermonat und dem besinnlichen Charakter des Advent. „Aber so ein richtiger Auftakt in den Karneval, ein Start der Narretei fehlt doch bei uns komplett“, sagt Andreas Bohn.

Das ändert der umtriebige Offenbacher: „11 unter einer Kappe“ lautet sein neuestes Projekt. Elf Vereine entsenden am Freitag, 13. November, ihrer Frohnaturen ins „B“, also in das Bürgerhaus Rumpenheim (Pfaffenweg 2). Nach schleppenden Vorverkaufs-Auftakt vermeldet Bohn jetzt selbst etwas überrascht: „Wir sind ausverkauft.“ Hat Bohn, Filmschaffender und Darsteller im Offenen Kanal, Manager und Losverkäufer, da eine lokale karnevalistische Nische entdeckt und gleichzeitig gefüllt? „Ja“, sagen unisono zwei Urgesteine der lederanischen Fastnacht: Rico Longerich und Joachim Schulz.

Die beiden, einer bei den Blau-Weiß-Roten Mozart Husaren aktiv, der andere fest in der Ranzengarde verankert, unterstützen Bohn, führen an dem Abend als Sitzungspräsidenten durchs Programm. „Für unseren Andi machen wir das gerne“, sagen Longerich und Schulz - und natürlich für die Fastnacht, sozusagen für den närrischen Auftrag. Einig sind sich alle Helfer vor und hinter der Bühne: Andi Bohn hat gute und außergewöhnliche Ideen, viele und weitreichende Kontakte; allein bei der Umsetzung muss etwas Ordnung ins große Chaos gebracht werden. Und da nimmt Bohn gern die Hilfe gestandener Fastnachter an.

Festes Publikum erarbeitet

Aber wird das den Leuten nicht zu viel? Offenbar nicht. Obwohl Offenbach nicht gerade als Karnevals-Hochburg gilt, haben sich einige Vereine ein festes Publikum erarbeitet. Das Problem: Im Januar und Februar ballt es sich gewaltig mit Sängerfastnacht, Fremdensitzung, Prunksitzung und vielem mehr; mitunter sind es sechs große Veranstaltungen an einem Abend. Und aus Erfahrung weiß Rico Longerich: „Da hat einer immer das Nachsehen.“ Zumal er zu bedenken gibt: „Es ist letztlich eine Geldfrage. Die Gäste überlegen sich sehr genau, wo sie hingehen.“

Gerne würden die beiden noch mehr Offenbacher für den närrischen Trubel begeistern. Aber: „Viele verbinden Karneval doch nur mit reichlich Alkohol und Party. Ich glaube nicht, dass viele wissen, was Fastnacht überhaupt ist“, sagt Joachim Schulz. Man könnte in Offenbach viel mehr machen und bewegen, „wenn sich alle zusammenraufen“, sind sie eigentlich zuversichtlich. Aber ein gewisses Kirchturmdenken ist gerade bei denen ausgeprägt, die sich den Frohsinn auf die Vereinsfahnen schreiben. Es denkt doch jeder: „Wir sind die besten.“

Es wird wohl länger dauern, alle Offenbacher Fastnachter unter eine Kappe zu bringen. Immerhin machen einige im Bürgerhaus - mit Unterstützung der Meenzer Rhoigeister, der Schelmengarde Gelnhausen oder dem Spielmannszug Frankfurt - einen Anfang; ganz abseits der allgegenwärtigen Dachorganisation OKV. Bis der Abend über die Bühne geht, sind drei Dinge notwendig: proben, proben, proben. „Kaum einer sieht, wie viel Zeit alle Aktiven da reinstecken“, sagt Schulz, der unter anderem im Herrenballett auftritt. Und Rico Longerich weiß, dass der Nervosität steigt, je näher der 13. November rückt. Trotz eines ausverkauften Saales weigert er sich, bereits von einem Erfolg zu sprechen: „Das ist es erst, wenn die Gäste sagen: Es war toll.“

Ein Garant soll der Gaststar des Abends sein: Schlagersänger Nic. Bekannt wurde er 2006 mit dem Partyhit „Einen Stern“ („..., der deinen Namen trägt“). In den Sternen freilich, ob Bohns Konzept eine Wiederholung findet. Die Protagonisten sind jedenfalls zuversichtlich...

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