Tod unter dem Eisdeckel

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Vermutlich erstickt im ureigenen Element: Diesen kapitalen Wels, den noch größeren Hecht und die beiden zwecks Größenvergleich fotografierten Rotaugen zog Frank Zintel am Donnerstag aus dem Friedrichsweiher. Der Zollstock misst einen Meter.

Offenbach (mcr/tk) ‐ In Anglerkreisen werden Fotos, wie sie Frank Zintel am Donnerstag gemacht hat, eingerahmt und mit einigem Stolz an der Wand des Vereinsheims präsentiert.

Dass das für Zintels Bilder nicht in Frage kommt, liegt daran, dass sie nicht von einem Erfolg zeugen, sondern von einem traurigen Misserfolg. Mit dem Tod der Flossentiere hatte kein Angler etwas zu tun. Eher ein Amt. Die Familie Zintel lebt seit dreieinhalb Jahren an der Gutenbergstraße. Bei Spaziergängen am nahen Friedrichsweiher, „habe ich dort nie Fische wahrgenommen“, sagt der Offenbacher. Das änderte sich kurz vor Weihnachten, als das einst eher zur Zierde des Quartiers als mit ökologischen Erwartungen angelegte Gewässer zufror. „Nur ein schmaler Uferstreifen war eisfrei, und dort waren plötzlich große Scharen Weißfische.“

Das war doppelt ungewöhnlich. Weil Zintel, früher selbst Angler, „diese Artenvielfalt in einem solchen Gewässer nicht erwartet hätte“. Und weil Fische üblicherweise sofort in tieferes Wasser flüchten, sobald sich ein Mensch nähert. Doch die Bresen, Rotaugen, Rotfedern und anderen Arten hätten apathisch gewirkt, „man konnte die teilweise anfassen“. Und seit auch noch ein kapitaler Hecht und ein knapp ein Meter langer Wels auftauchten, schaute Zintel fast jeden Tag nach. Doch die Eisdecke wurde größer, und vor zwei Wochen seien keine Fische mehr zu entdecken gewesen.

Im Umweltamt gibt es noch eine weitere Vermutung

Seit das Eis schmilzt, sind sie wieder da - alle tot. Zintel hat unzählige Weißfischleichen entdeckt, „mindestens 20 tote Hechte und 7 oder 8 tote Welse“. Manche hat er aus dem Wasser gezogen und entsorgt, drei hat er fotografiert. Und er hat recherchiert.

Sein Vermieter erinnere sich, dass vor Jahren Raubfische in den Weiher gesetzt wurden, um die Goldfischplage in den Griff zu bekommen“. Und dass die Stadt in harten Wintern der 70er Jahren stets für einige eisfreie Stellen im Gewässer gesorgt habe, damit die Fische nicht an Sauerstoffmangel sterben müssen.

Im städtischen Umweltamt gibt es noch eine weitere Vermutung zur Todesursache. Für Chefin Heike Hollerbach und Mitarbeiter Rolf Weyh ist es denkbar, „dass sich in der Faulschlammschicht unter dem Eis Schwefelwasserstoffe gebildet haben, die den Fischen den Garaus machen. Im Herbst müssen viele Blätter und Nadeln ins Wasser gefallen sein, was den Fäulnissprozess fördert.“ Bei Gewässern mit einem natürlichem Zufluss sei sowas kein Problem - bei einem zugefrorenen Betonbecken wie dem Friedrichsweiher aber tödlich.

Zwingend? Christian Loose, Sprecher des für die Weiherreinigung zuständigen ESO: „Wir sind erstaunt - erstaunt, dass da Fische sind. Eigentlich sollten da gar keine sein.“ Gesäubert und die Oberfläche abgezogen werde regelmäßig, aber eher an den Randbereichen. „Wir sind doch kein Fischzuchtbetrieb und stimmen unsere Maßnahmen deswegen auch nicht auf einen Fischteich ab.“

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