Unter dem geschützten Dach

Christoph und Elke von Busekist erhalten Denkmalschutzpreis

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Haben in ihrer Traumwohnung gut lachen: Christoph und Elke von Busekist erhalten für die Sanierung des Hauses in der Goethestraße 22 den Offenbacher Denkmalschutzpreis. Das freut auch die Töchter Sophia (links) und Emilia.

Offenbach - Christoph und Elke von Busekist haben seit jeher eine Vorliebe für alte Gebäude. Mit dem Kauf und der Sanierung des denkmalgeschützten Hauses in der Goethestraße 22 haben sie sich einen Traum erfüllt. Nächste Woche erhalten sie den Offenbacher Denkmalschutzpreis 2014. Von Christian Wachter 

Äußerlich hat sich die Gründerzeitvilla in der Goethestraße 22 nie großartig verändert. Und doch gibt es im Dachgeschoss inzwischen eine neue Dreizimmerwohnung, in der auf über 100 Quadratmetern Christoph und Elke von Busekist zusammen mit ihren drei- und einjährigen Töchtern Sophia und Emilia leben. Bevor die Familie das 1890 erbaute Haus im Jahr 2011 erwarb, war die heutige Wohnung ein in die Jahre gekommenes und untervermietetes Dachgeschoss. Eine Formalie mit Folgen: „Für den Umbau mussten wir einen Antrag wie für einen Neubau stellen und viele Brandschutzvorgaben erfüllen“, so Christoph von Busekist. Zuletzt wohnten Studenten dort, früher ein Hausmeister und Dienstboten. Wie die von Busekists, haben auch sie den kleinen, unscheinbaren Eingang benutzt, der ins Treppenhaus führt und nicht die große Flügeltür, durch die man zu den anderen beiden Wohnungen gelangt.

Unter dem Dach hat sich von Sommer 2012 bis Anfang 2013 so viel getan, dass die Busekists „für die engagierte Sanierung des Hauses“ den Offenbacher Denkmalschutzpreis erhalten. Mit der Hilfe Frankfurter Architekten und zahlreicher Handwerker wurde der Boden erneuert, eine Gaube eingezogen, ein Balkon gebaut, die Wände mit Cellulose und Holzwolle gedämmt und schließlich ist auch die provisorische Dusche im heutigen Kinderzimmer einem modernen Badezimmer gewichen. Ebenfalls neu sind Fenster, Spitzboden, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Wandheizung, Trittschalldämmung sowie die Wohnungstür.

Zwischen Original und Moderne: In der Wohnung der von Busekists treffen sich historische, restaurierte und neue Balken.

Und das alles nicht nur nach den Vorgaben des Brandschutzes und des KFW-Fördeprogramms „Effizienzhaus“, sondern auch nach denen des Denkmalschutzes. Die Bauherrin erinnert sich: „Man muss alles mit der Bauaufsicht abstimmen. Dort ist man uns aber sehr entgegengekommen. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass es möglich sei, noch einen kleinen Balkon anzubauen. Wir haben gemerkt, dass der Stadt die alten Gebäude wichtig sind, dass sie nicht einfach nur verwahren möchte. Gut, dass sie vom Fach ist: Sie hat Architektur studiert und arbeitet heute in der Wohnbauförderung des Amts für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Auf das Haus in der Goethestraße hatte sie schon 2009, als sie mit ihrem Mann nach Offenbach in die Kaiserstraße gezogen ist, ein Auge geworfen.

Ihr Mann teilt die Leidenschaft für Altbauten: „Als wir hörten, dass das Haus zum Verkauf steht und die Wohnung im Dachgeschoss frei wird, mussten wir uns das einfach anschauen. Ohne die Expertise meiner Frau wäre ich dieses Wagnis aber vielleicht gar nicht eingegangen. Man braucht jemand, der erahnen kann, was möglich ist.“ Leitmotiv sei es gewesen, zu modernisieren, aber auch unbedingt den alten Stil zu erhalten. Auch seien sie sehr darum bemüht gewesen, den alteingesessenen Mietern nicht zur Last zu fallen, weshalb sie in den beiden Wohnungen im Erdgeschoss und im ersten Stock bislang nur dringend Nötiges gemacht hätten. „Wir haben vor, auch dort irgendwann zu sanieren. Bevor die jetzigen Bewohner allerdings nicht ausgezogen sind, steht das nicht zur Debatte“, kündigt er an.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Die Entscheidung der von Busekists für das Nordend war eine bewusste. „Man merkt, wie sich der Stadtteil entwickelt und wir fühlen uns sehr wohl hier“, sagt Christoph. Eben weil ihr der Stadtteil am Herzen liegt, hofft Elke, ganz im Einklang mit der Stadt, auf Nachahmer: „Eine Restaurierung von solchen alten, privaten Wohnhäusern geht nur über Privatpersonen. Der Preis ist für uns nicht nur eine schöne Bestätigung, sondern stiftet hoffentlich andere an, es uns gleich zu tun.“

So wohl sie sich heute in ihrer Dachgeschosswohnung fühlen - Momente des Zweifels gab es doch, verrät von Christoph von Busekist: „ Einmal stand ich hier drin und über mir war nur der blaue Himmel. Da hab ich mir schon meine Gedanken gemacht.“

‘ Seit 2005 wird der Denkmalschutzpreis von der Stadtverordnetenversammlung vergeben. Inzwischen wird er vom Rotary Club auch finanziell ausgestattet. Den von Busekists wird der Preis für das Jahr 2014 am Freitag, 19. Februar verliehen.

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