Unter Wolkenverstehern

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Gutes Klima für die Befriedigung meteorologicher Neugier: Michael Goesch erklärt, was es mit dem Wetter auf sich hat.

Offenbach ‐ Eine steife Brise weht am Ostersonntag über den Buchhügel, dunkle Regenwolken dräuen am Horizont, hin und wieder reißt der Himmel auf und ein paar wärmende Sonnenstrahlen erhellen den Wetterpark. Von Denis Düttmann

Klassisches Aprilwetter – perfekt für einen Rundgang über das weitläufige Areal: An zwölf Stationen werden hier Klimaphänomene erklärt und meteorologisches Wissen vermittelt: Spaziergänger können sich über Phänologie und Wolken, Niederschlag und Luftdruck informieren. Die digitale Tafel am Eingang des Parks zeigt um 11 Uhr eine Windgeschwindigkeit von 5,8 Metern pro Sekunde an, die Temperatur beträgt 9,9 Grad und die Wolkenhöhe liegt bei 1 189 Metern. Jeder Wert wird von einem speziellen Instrument gemessen, das hier gezeigt wird, sich so aber auch in jeder der 170 Wetterstationen in Deutschland befindet. „Um eine gute Wetterprognose geben zu können, muss man zunächst den Ist-Zustand möglichst präzise erfassen“, erklärt Meteorologe Michael Goesch beim ersten Rundgang der Saison. „Die Daten werden von den Messstationen zunächst an die nationalen Zentren und von dort in die ganze Welt weitergeleitet. Jeder Wetterdienst kann die Werte analysieren und eigene Vorhersagen erarbeiten.“

Messreihen in 36.000 Kilometer Höhe

Wetter erschöpft sich jedoch nicht in grauer Theorie und endlosen Zahlenkolonnen – ihm wohnt vielmehr eine ungeheure Kraft inne. Das zeigt sich einige Meter weiter an der Gewitter-Station. Ein Blitz hat dort die Rinde von einem Baum gesprengt und einen schwarzen Riss im Holz hinterlassen. Auf einem Schaubild können die Besucher ins Innere einer Wolke schauen, sie lernen etwas über Ladungstrennung, positive und negative Ionen und elektrische Entladung.

Was die Wetterstation am Boden, ist der Satellit im Weltraum. Anhand eines Modells des geostationären Meteosat 9 erläutert Michael Goesch die Messreihen in 36.000 Kilometer Höhe. „Die Sensoren sind heutzutage sehr gut, so dass man selbst aus solch einer großen Entfernung genaue Werte ermitteln kann“, sagt der Meteorologe. „Außerdem erhalten wir mit Hilfe des Satelliten auch Daten aus Regionen, in denen wir keine Messstationen am Boden haben – wie in den Ozeanen oder großen Wüstengebieten.“

Auf spielerische Weise etwas übers Wetter lernen

Die Stadt Offenbach versteht den Wetterpark auf dem Buchhügel als eines ihrer Aushängeschilder – schließlich hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) seinen Sitz im Westend. „Der Wetterpark wird gut angenommen – wir haben jährlich zwischen 25 000 und 30 000 Besuchern“, sagt Stadtsprecher Matthias Müller. Neben allgemeinen Führungen, die aktive oder ehemalige DWD-ler jeweils am ersten Sonntag des Monats anbieten, sind wieder Themenführungen am dritten Sonntag geplant.

Im April geht es um Bauernregeln als Instrument landwirtschaftlicher Planung, im Mai um den 100-jährigen Kalender, im Juni um Wolken, im Juli um Unwetter und im September um Klima und Geschichte. Zudem sollen Schüler künftig auf spielerische Weise etwas über das Wetter lernen: Lehrer können das Wetterpark-Handbuch in ihren Unterricht einbinden oder mit Experimenten aus dem Wetterkoffer Klimaphänomene erklären.

Für die kommende Saison ist außerdem eine neue Station in Planung. „Wir entwickeln gerade ein Konzept zur Aerologie – also zu Höhenwetterkunde“, kündigt Müller an. Dann wäre die vertikale Reihe auf und über dem Buchhügel geschlossen – von der Messstation auf dem Boden über die Radiosonde am Ballon bis hin zum Satelliten im Weltraum.

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