Kulturzentrum „Hafen 2“ wird sieben und feiert am Samstag mit großem Festival

Unterm Damoklesschwert

Robert Nemec, Victoria Breda, Andrea Weiß mit Töchterchen Magda und Luzia Hein sind aktive Mitglieder des gemeinnützigen Vereins suesswasser. Der wiederum ist Träger des Projekts Hafen 2.

Offenbach ‐ Das Kulturzentrum „Hafen 2“ wird sieben. Und es ist durchaus möglich, dass der achte Geburtstag nicht mehr dort gefeiert wird. Denn Abrisspläne der Stadt stehen dem entgegen. So könnte das Geburtstagsfestival am Samstag, 19. Februar, das letzte in der alten Lokhalle der Hafenbahn werden. Von Claus Wolfschlag

Am liebsten würde er in der jetzigen Form weiterarbeiten, offenbart Mitbetreiber Alex Braun. Gebäude und Gelände gäben viele Möglichkeiten der Nutzung her. Doch, so fügt er resigniert an, „die Entwicklung nimmt ihren Weg“. Der Bau werde wahrscheinlich in näherer Zukunft dem neuen Hafenviertel weichen müssen. Eine Grundschule und eine Kindertagesstätte seien jedenfalls auf dem angrenzenden Areal geplant. Es könnte somit sein, dass das „Hafen 2“-Team bereits im kommenden Spätherbst oder Winter das Gelände räumen muss. Diese unsichere Situation schafft ein organisatorisches Problem. „Es entstehen bald Schwierigkeiten bei der Veranstaltungsplanung“, gibt Alex Braun zu bedenken. „Konzerte und Theaterprojekte haben meist einen sechsmonatigen organisatorischen Vorlauf. Konkret machen wir gerade die Planung für den Herbst. Doch bald müssen wir diese Arbeit einstellen, da bereits der Spätherbst problematisch hinsichtlich der Realisierung wird. Das heißt: Wir brauchen schleunigst eine Perspektive, denn wenn wir Pech haben, müssen wir schon im November raus.“

Spätestens dann stellt sich die Frage nach einem Provisorium für die Übergangszeit. Ein solches muss erst ein- und hergerichtet werden. Es besteht die Gefahr, dass Kontakte zu Künstlern versiegen, weil diese sich Alternativen auf dem konkurrenzreichen Markt suchen. Wann dann gar ein fester Neubau erfolgen kann, steht in den Sternen.

Weiterhin bestehe eine Absichtserklärung der Entwicklungsgesellschaft, dem Kulturzentrum eine Perspektive zu bieten. „Die einfachste und beste Lösung wäre“, regt Mitbetreiberin Andrea Weiß an, „man würde einfach den Lokschuppen stehen lassen. Eine Straßenführung kann man ja auch umplanen. Niemand schreibt vor, dass Straßen nur schnurgerade sein müssen und keinen leichten Schwung haben dürfen. Damit wären alle Probleme ganz einfach und kostengünstig gelöst.“ Zudem würde der alte Bau dem neuen Hafenareal Patina und Flair verleihen.

So lange aber ein Erhalt des industriegeschichtlich bedeutsamen Gebäudes nicht gesichert ist, hängt das Damoklesschwert auch über dem Hafenfestival, das am kommenden Samstag um 20 Uhr beginnt. Tickets im Vorverkauf kosten 13 Euro, an der Abendkasse 15 Euro.

Musik, Performance und visuelle Impressionen wechseln dort einander ab. Das Programm soll einen Querschnitt des Jahresgeschehens in dem Veranstaltungslokal liefern. Daniel Brettschneider präsentiert im Hafenkino Wes Andersons Komödie „Rushmore“. Als Endloschleife läuft das Musikvideo „Inside My World“ der 1979 in Kronstadt/Rumänien geborenen Filmemacherin Astrid Rieger, die bis 2006 an der hiesigen Hochschule für Gestaltung studierte. Katja Kämmerer und Christoph Kogler werden in der Werkstatt Performances zeigen. Der Slowake Tomás Dzadon eröffnet in der Galerie seine Ausstellung „Zavod/The Race“, eine Mischung aus moderner Skulptur und Publikumsperformance. Gäste können an einem simulierten Motorradrennen teilnehmen.

Die musikalische Bandbreite bewegt sich zwischen Indie, House, Elektronika und Pop. Diverse DJs werden auflegen, darunter Daniel Müller, Julia Wahl, Krystyna und Frankie Patella aus Essen. Es werden Auftritte vieler Musiker und Bands erwartet und Tapas gereicht: Juju & Jordasch aus Amsterdam, Kitty Solaris aus Berlin, klein aus Hamburg, Meligrove Band aus Toronto, New Idea Society aus New York, die Combo Oh No Oh My aus Austin sowie Striving Vines aus Arhus.

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