„Unternehmen subventioniert“

Offenbach - Die neue erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach will den Mitgliederschwund der Gewerkschaft bekämpfen. „Ja, dass muss uns gelingen“, sagte Marita Weber in einem Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

„Die Zahl der Beschäftigten in der Produktion nimmt immer mehr ab. Dieser Herausforderung muss sich die IG Metall stellen.“

Frau Weber, Sie kommen aus Göttingen. Warum haben Sie sich für eine Aufgabe in Offenbach entschieden?

Die Arbeit in Offenbach finde ich sehr reizvoll, weil sie anders als meine bisherigen Aufgaben ist. Ich habe in Göttingen als Gewerkschafts-Sekretärin gearbeitet. In Offenbach bin ich erstmals Geschäftsführerin einer IG-Metall-Niederlassung. 34 Jahre lange habe ich Aufgaben in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wahrgenommen. Da wurde es Zeit, mal in ein anderes Bundesland zu gehen.

Haben Sie sich denn schon in Offenbach eingelebt?

Ich hatte noch gar keine Zeit, weil ich erst vor ein paar Wochen die Stelle übernommen habe. Ich habe mir noch nicht einmal die Fußgängerzone angeschaut. Zumindest habe ich mir aber schon mal eine Wohnung ausgesucht und werde bald umziehen. Dann kann ich auch privat in Offenbach ankommen.

Sie haben aber sicherlich schon Kontakt zu den Betrieben gesucht?

Ja, ich stelle mich bei den Betriebsräten vor. Ich suche aber auch das Gespräch mit dem einen oder anderen Geschäftsführer.

Offenbacher Betriebe, deren Mitarbeiter in der IG Metall organisiert sind, haben in den vergangenen Jahren teilweise einen heftigen Strukturwandel hinter sich gebracht. Das führte unter anderem zu Arbeitsplatzverlusten und einem Mitgliederschwund bei der Gewerkschaft. Wie wollen Sie diesen Trend umkehren?

Ja, dass muss uns gelingen. Wir haben in den Betrieben vermehrt Tätigkeiten im technischen und kaufmännischen Bereich. Die Zahl der Beschäftigten in der Produktion nimmt immer mehr ab. Das ist im ganzen Bundesgebiet so. Dieser Herausforderung muss sich die IG Metall stellen.

Wie wollen Sie die Beschäftigten in Offenbach zurück in die IG Metall holen?

Indem wir beweisen, dass wir kompetente Interessen-Vertreter sind. Dabei wollen wir mit den Betriebsräten an einem Strang ziehen.

Wie hoch ist der Organisationsgrad der IG Metall in Offenbacher Unternehmen?

Im Schnitt liegt er bei 50 bis 55 Prozent. Wenn man diese Zahlen mit denen in anderen Regionen Deutschlands vergleicht, ist das ein durchschnittlicher Wert. Wir wollen auf die Menschen in den Betrieben zugehen und zeigen, dass wir ihre Interessen vertreten. Ein gutes Argument haben wir insbesondere in Betrieben, in denen ein Tarifvertrag gilt. Er gilt nur für diejenigen, die Mitglied der Tarifvertragsparteien sind. Wer nicht Mitglied der IG Metall ist, hat eigentlich keinen Anspruch auf die Tarifsvertragsinhalte. Diejenigen, die sich die Ansprüche sichern wollen, sollten den Weg zu uns finden. Diese arbeits- und tarifrechtlichen Bedingungen sind häufig gar nicht bekannt.

Wollen Sie auch in Handwerksbetrieben Ihrer Branche auf Mitgliedersuche gehen?

Ja, im Kfz-Bereich. Wir werden insbesondere bei den großen Autohäusern in Offenbach tätig werden. Im Moment schauen wir in der Geschäftsstelle, wer diese Aufgabe übernehmen kann.

Wie kann die IG Metall für jüngere Arbeitnehmer attraktiver werden?

Wir müssen uns gerade ihren Problemen stellen. Dabei geht es natürlich zunächst darum, wie sie ins Arbeitsleben hereinkommen, wie sie einen Ausbildungsplatz finden und dann weiter beschäftig werden. Wir müssen uns aber auch darum kümmern, wie Familienplanung mit dem Arbeitsleben vereint werden kann. Kindergartenplätze in den Betrieben und flexible Arbeitszeiten sind hier die Stichwörter. Vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels sollten sich die Unternehmen um diese Themen kümmern.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich für Ihre Arbeit gesetzt?

Wir werden verstärkt Seminare für die Betriebsräte vor Ort anbieten. Und wir werden dafür sorgen, dass wir in Betrieben mit einem relativ hohen Angestellenanteil besser vertreten sein können.

Ist Leiharbeit ein Problem in Offenbach?

Ich finde, wenn es in Betrieben dauerhaft einen hohen Anteil von Leiharbeitern gibt, dann ist das ein Problem. In Offenbach ist das so. Das heißt, Stammarbeitsplätze werden von Leiharbeitern besetzt. Personalkosten werden gespart statt Menschen einzustellen. Leiharbeit führt zu Lohndrückerei. Ein gesellschaftlicher Aspekt muss auch bedacht werden. Leiharbeiter erhalten so wenig Geld, dass sie damit nicht auskommen und vom Staat unterstützt werden müssen. Das heißt, die Gesellschaft subventioniert die Unternehmen.

Auf welchen Stil müssen sich Unternehmer und Verbände in der Region bei Ihnen einstellen?

So man in den Wald hinein ruft, schallt es auch wieder heraus. Ich lege Wert auf ein vernünftiges Gespräch mit Unternehmern und Personalleitern. Natürlich haben wir unterschiedliche Interessen. Wir werden nicht einer Meinung sein. Man sollte aber immer zu Kompromissen kommen. Wenn das aber nicht möglich ist, wird die IG Metall Offenbach die Konfrontation suchen.

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