Junior-Programm für Schüler

Unternehmer im Teenie-Alter

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Schüler der Wiesbadener Kellerskopfschule wollen den Markt mit erwärmbaren Kuscheltieren, sogenannten HotPets, erobern.

Offenbach - Einfach mal ohne größeres Risiko die eigene Geschäftsidee auf Marktfähigkeit prüfen können, davon träumen viele Existenzgründer. 15 hessische Schülergruppen machen in den kommenden Monaten genau das. Von Jenny Bieniek

Gestern fiel in der IHK Offenbach der Startschuss für die neue Generation Jungunternehmer, die sich im aktuellen Schuljahr mit einer Schülerfirma am Markt behaupten wollen. Unter dem Motto „Schüler erleben Wirtschaft – Unternehmer für ein Jahr“ bietet das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln Schülern die Möglichkeit, im Zuge des Junior-Projekts eine zeitlich befristete Firma zu gründen und dabei möglichst viel Unternehmergeist zu entwickeln.

„Wirtschaft ist ein zentraler und bedeutender Aspekt unserer Gesellschaft. Das Junior-Programm vermittelt praktisch und realitätsnah komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge und hilft den Schülern, wichtige Schlüsselqualifikationen zu erwerben“, erklärt Markus Weinbrenner, Geschäftsführer der Offenbacher Kammer. Teilnehmer aus der Lederstadt sucht man unter den Anwesenden aber vergebens. „Hier scheint sich unser Projekt noch nicht so weit rumgesprochen zu haben“, bedauert Projektleiterin Karen Lunze. „Offenbach ist nicht gerade unsere Bewerber-Hochburg.“

Geschäftsideen entwickeln und planen

Am Vormittag lernten die Gründungswilligen in Workshops Wissenswertes über Buchhaltung, Marketing und Führungsverhalten. Am Nachmittag stellten sie ihre Geschäftsideen der Öffentlichkeit vor. Ob Pailletten-Weihnachtskugeln, erwärmbare Kuscheltiere, Handyschulungen für Senioren oder die Entwicklung eines Kindertheaters – an Ideen mangelt es den Nachwuchsunternehmern nicht. Auch Energiesparen und Recycling sind für viele ein Thema.

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Im Vordergrund steht dabei weniger der Innovationsgedanke als vielmehr die praktische Anwendung von Marktprinzipien. Im Team erlernen und erproben die Schüler Grundprinzipien unternehmerischen Handels. „Geschäftsidee entwickeln, Verkaufsstrategien planen und uns möglichst gut präsentieren, das nimmt viel Zeit in Anspruch“, erzählt eine Gruppe aus Oberursel. Der Veranstalter stellt dabei bewusst keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Wer Geld einfach geschenkt bekommt, lernt schließlich nicht, damit umzugehen. Finanziert werden die Geschäftsideen über den Verkauf von Anteilsscheinen.

Findige Schüler

„Die Schüler sind da in der Regel sehr findig, klopfen im Rathaus an oder schreiben Firmenvorsitzenden“, so die Erfahrung Lunzes. Natürlich würden auch private Kontakte „angezapft“, um an das benötige Startkapital zu kommen. „Man muss das Geld selbst herbeischaffen, indem man andere von seiner Idee überzeugt – so läuft das nun mal“, weiß Jungunternehmerin Veronika. Im besten Fall können die Geschäftsleute ihre Anteilseigner am Ende des Schuljahrs gewinnbringend auszahlen. Im schlechtesten Fall sind sie finanziell zwar ärmer, dafür aber um einige Erfahrungen reicher.

„Auch aus Misserfolgen kann man eine Menge lernen“, ist sich ein begleitender Lehrer sicher. „Und angesichts einer drohenden Pleite entwickeln viele Schüler erstaunlich viel Eigeninitiative.“ Wenn’s um Geld geht, verstehen eben auch die Junioren keinen Spaß.

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